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Bankenunion: Studie warnt vor "Ausbruch neuer Vertrauenskrise"

The Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank headquarters in Frankfurt
REUTERS
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Der hohe Anteil von Problemkrediten bei einigen Banken im Süden Europas könnte das gesamte Finanzsystem destabilisieren, warnt das deutsche IW-Institut in seinem Bankenmonitor.

Nach jahrelangem Hin und Her nimmt die europäische Bankenunion Gestalt an. Fälle wie die Hypo Alpe Adria sollen nie wieder vorkommen. Doch noch ist die Gefahr nicht gebannt, warnt das "Institut der deutschen Wirtschaft Köln" (IW). Die Bankenunion sei erst im Aufbau, und "aufgrund des geschwächten makroökonomischen Umfelds und zahlreicher ungelöster Problemfelder in einigen Ländern des Euroraums, könnten schlechte Nachrichten infolge der Bilanzprüfung zu einem erneuten Ausbruch einer Vertrauenskrise führen und die Finanzmärkte destabilisieren."

"Schieflage könnte Finanzsystem destabilisieren"

Ein großer Anteil an notleidenden Krediten konzentriere sich auf wenige Institute. "Die Größe dieser Banken ist aber so erheblich, dass deren Schieflage das europäische Finanzsystem destabilisieren kann", heißt es im IW-Bankenmonitor. Zu den Ländern, in denen im Jahr 2012 der höchste Anteil an Problemkrediten vergeben wurde, zählt demnach auch Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

  • Zypern: 19,5 Prozent
  • Griechenland: 17,8 Prozent
  • Italien: 11,0 Prozent

Zum Vergleich: In Deutschland macht der Anteil notleidender Kredite nur 1,7 Prozent aus.

Insgesamt ergibt sich bei den untersuchten Banken für das Jahr 2012 ein Betrag von 876,4 Milliarden Euro an Problemkrediten, wobei fünf Prozent einen Anteil von knapp 20 Prozent in ihren Bilanzen haben. Ein Prozent weist laut der Studie sogar eine Quote von 38 Prozent aus. Die "Problembanken" haben ihren Sitz in Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Zypern, heißt es in der Analyse weiter. "Die Kombination aus Bankenproblemen und gesamtwirtschaftlichen Problemen in diesen Ländern ist durchaus mit Sorge zu sehen."

Hoher Anteil an Staatsanleihen problematisch

Nicht nur Kredite, auch der hohe Bestand an Staatsanleihen (siehe Grafik), könnte in den südlichen Euro-Ländern noch Probleme bereiten. Dem IW zufolgen hatten die Staatsanleihen in den Bilanzen italienischer Banken Ende 2013 etwa einen Anteil von zehn Prozent. Gefährlich seien die Staatsanleihen vor allem deshalb, da sie von den Banken nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. "Bewertungsverluste von Staatsanleihen würden die Banken deshalb empfindlich treffen", heißt es im IW-Monitor.

IW-Bankenmonitor

Das Institut empfiehlt der Europäischen Zentralbank (EZB) eine offene Kommunikationsstrategie, "um den Ausbruch einer erneuten Vertrauenskrise zu vermeiden". Sie solle schon jetzt Lösungsstrategien für den Umgang mit diesen Problemen kommunizieren.

Stresstest

Die EZB überprüft bis August 128 europäische Banken. Dann wird ein Stresstest, der zusammen mit der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) durchgeführt wird. Anfang November soll die EZB die Aufsicht über die größten Euro-Banken übernehmen.

>>> IW-Bankenmonitor als Download

(Red.)