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Baumax will Essl-Sammlung an Republik verkaufen

FUENF JAHRE SAMMLUNG ESSL
Die Sammlung Essl in Klosterneuburg(c) APA (SAMMLUNG ESSL/ C.RICHTER)
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Mit 7000 Kunstwerken will Baumax-Gründer Karlheinz Essl "4000 Arbeitsplätze allein in Österreich retten".

Baumax-Gründer Karlheinz Essl will seine renommierte Sammlung mit 7000 Kunstwerken um den kolportieren Buchwert von 86 Millionen Euro an die Republik Österreich verkaufen, um die angeschlagenen Baumarktkette zu retten. "Meine Frau und ich sind bereit, die gesamte Sammlung der Republik zu übergeben, wenn wir damit bauMax und somit rund 4000 Arbeitsplätze allein in Österreich retten können", wird Essl in einer Aussendung des Museums zitiert. "Die Situation ist natürlich angespannt, aber es ist nicht so, dass der Baumarkt morgen in Konkurs geht. Es gibt ein Rekapitalisierungs- und Restrukturierungsprogramm, das längerfristig angelegt ist", so bauMax-Gründer Essl. Aber klar sei, dass Geld in das Unternehmen eingeschossen werden müsse. Die Familie würde den Erlös des Verkaufs der Sammlung eins zu eins in bauMax hineinfließen lassen, so Essl im APA-Interview.

Das Museum sollte schon im Besitz der Familie bleiben. Das Museum sollte so weitergeführt werden wie bisher. Die Bilder wären dann nicht mehr im Besitz der Stiftung, sondern im Besitz der Republik.

Standorte könnten geschlossen werden

2012 ist die Baumax-Gruppe aufgrund der schlechten Lage bei den In Osteuropa tief  in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust der bauMax-Gruppe hatte sich auf 126 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Baumax prüft derzeit, ob tiefrote Standorte in der Türkei, Bulgarien und Rumänien geschlossen werden müssen. Auch aus Kroatien könnte sich die Baumarktkette verabschieden. Eine Entscheidung zu möglichen Standortschließungen soll es noch im Frühjahr geben. In Österreich betreibt die Kette 66 Filialen.

Baumax-Gründer Karlheinz Essl(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)

Mit einer Kapitalspritze durch den Kunstverkauf und einem Schuldenschnitt durch die Banken soll das Baumax-Sanierungsverfahren gestemmt werden. Essl hat die Sammlung vor zwei Jahren in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht - aber weil die dafür ausschlaggebende Fünfjahresfrist noch nicht abgelaufen ist, würden die Kunstwerke auch im Insolvenzfall der Masse zufallen.

Kunstexperte Otto Hans Ressler warnte am Montag in einer Aussendung des Essl Museum: "Die wichtigste Sammlung österreichischer Gegenwartskunst darf nicht zerschlagen werden". Durch den Verkauf käme es zu einem Überangebot, das "zu einem dramatischen Wertverfall österreichischer Kunst" führen würde, "bis hin zur Vernichtung ganzer künstlerischer Existenzen".

Ostermayer lädt zu Gesprächen

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) kündigte an, zu einem Runden Tisch zu laden. Der Sammler hatte am Montag der Republik seine Werke zum Kauf angeboten. "Die 7000 Bilder und 4000 Arbeitsplätze zu retten, wäre extrem wichtig", so ein Ministeriumssprecher. Es gelte, die Sammlung als nationales Kulturgut zu erhalten, so der Sprecher: "Es wäre wichtig, Mittel und Wege zu einer Lösung zu finden."

Deshalb lädt Ostermayer die Familie Essl, Vertreter der Banken, des Landes Niederösterreich sowie des Sozial- und des Finanzministeriums zu einem Gipfel ins Kulturministerium, um das weitere Vorgehen zu klären. Der genaue Termin für den Runden Tisch stehe noch nicht fest. Die Parole laute aber: "So schnell wie möglich."

Nach Anischt von Karl-Heinz Essl gelte es nationales Kulturgut zu erhalten. Auf die Budgetnöte des Stastes angesprochen meinte Essl, dass es auch eine moralisch-ethische Verpflichtung des Staates gebe, der ja für das Wohl des Lande nicht nur im materiellen, sondern auch im geistig-ideellen Sinn zu sorgen habe. Dass das Essl-Musuem ein Bundesmuseum werde, könne sich Essl auf keinen Fall vorstellen. Die Sammlung müsse eigenständig bleiben.

Sammlung Essl

Mit mehr als 7000 Werken bietet die Sammlung von Agnes und Karlheinz Essl einen Blick auf die Kunst des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Die Bandbreite der seit den 1990er Jahren international ausgerichteten Sammlung reicht vom Informel über den Wiener Aktionismus und die realistischen Tendenzen der 1970er bis zur "Neuen Malerei" der 1980er Jahre und zum Stil- und Medien-Pluralismus der Gegenwart.

Dem Magazin "Trend" zufolge steht die Sammlung mit 86 Millionen Euro in den Büchern, der Verkehrswert betrage bis zum Dreifachen.

Seit 1999 ist die Sammlung in einem Privatmuseum in Klosterneuburg untergebracht. Entworfen wurde es von Architekt Heinz Tesar verantwortlich, der zuvor bereits den nahe gelegenen Unternehmenssitz, das "Schömer-Haus", sowie die evangelische Kirche von Klosterneuburg geplant hat.

Das Gebäude verfügt über 3500 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 2500 Quadratmeter Depoträume.

(APA/Red.)