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Sberbank hat Aval-Bank im Visier

CZECH UKRAINE CRISIS BANKING
(c) APA/EPA/FILIP SINGER
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Laut „Presse“-Informationen ist die Sberbank eine der drei Banken, die von Raiffeisen für den Kauf ihrer Ukraine-Tochter auserkoren war. In Wien schafft Sberbank übrigens ein Plus.

Wien. Angesichts der Krim-Krise erscheint ein österreichisch-russischer Deal auf ukrainischem Boden nun in keinem besonders günstigen Licht. Und überhaupt ist der ersehnte Verkauf der ukrainischen Raiffeisen-Tochter Aval aufgrund der Krise derzeit auf „Hold“ gestellt. Wie aber „Die Presse“ aus Sberbank-Insiderkreisen erfuhr, war Russlands größte und staatliche Bank noch vor der Krim-Krise von Raiffeisen International (RI) zur Prüfung der Bücher (Due Diligence) für einen möglichen Kauf zugelassen. Und zwar als eine von drei Banken, die von Raiffeisen aus einem Pool von elf Interessenten ausgewählt worden waren.

 

Sberbank bleibt in der Ukraine

Sberbank selbst will dazu nicht Stellung nehmen: „Marktgerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht“, heißt es in einer schriftlichen Antwort. Auch RI äußert sich nicht dezidiert zum genannten Geldinstitut. RI-Sprecherin Ingrid Krenn-Ditz bestätigt aber, dass sich „Banken aus der Region“ unter den drei Banken für die Due Diligence befunden haben. Was „Banken aus der Region“ heiße? „GUS-Staaten“, sagt Krenn-Ditz.

Schon jetzt ist die Sberbank gleich wie andere russische Banken stark in der Ukraine engagiert– Kreml-Chef Wladimir Putin sprach von 28 Mrd. Dollar. Dass die russischen im Unterschied zu westlichen Banken, die entweder bereits abgezogen sind oder auf den Absprung warten, bleiben wollen, haben sie auch nach Ausbruch der Krim-Krise beteuert. Man setze „die Geschäftstätigkeit wie gewohnt fort“, erklärt die Sberbank. „Es wäre dumm, wenn sie abziehen, solange die Ukraine ihre Präsenz nicht dezidiert verbietet“, sagt ein ukrainischer Banker, der anonym bleiben möchte, im Gespräch: „Sie haben einfach zu viele Geschäftsinteressen dort.“ Wie die RI mit der Sberbank bezüglich Aval-Verkauf verblieben sei und ob die Russen die Due Diligence fortsetzen, sobald RI die Verkaufsaktivitäten wieder aufnimmt, wollte RI-Sprecherin Krenn-Ditz nicht erklären.

 

Sberbank Europe im Plus

Wegen der Krim-Krise war die Sberbank im März eine der meistverkauften Aktien unter den russischen Blue-Chips. Das Konzernergebnis für das Jahr 2013 wird am Donnerstag vorgelegt. Die Zahlen für die in Wien ansässige Sberbank Europe, also die von der Sberbank 2012 aus den Händen der Österreichischen Volksbanken (ÖVAG) für eine halbe Mrd. Euro übernommene VBI, werden darin nicht extra ausgewiesen, sondern voraussichtlich erst im Mai vorgestellt.

Einem Rundmail zufolge aber, das im Jänner an die Mitarbeiter erging und der „Presse“ bekannt wurde, hat Sberbank Europe ins Plus gedreht. Der Gewinn betrage demnach 5,6 Mio. Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 265 Mio. Euro hingenommen werden musste. „Der Jahresbericht ist derzeit in Fertigstellung“, gibt sich Doris Ladewig, Sprecherin von Sberbank Europe, kurz angebunden. Auch zu etwaigen weiteren Kapitalerhöhungen 2014 könne man noch nichts sagen.

Die Moskauer Mutter musste im Vorjahr drei Mal Kapital nach Wien pumpen– unterm Strich 480 Mio. Euro. Das Geld werde sowohl in Österreich, wo man im Mai 2013 die Banklizenz erhielt, als auch in den CEE-Ländern eingesetzt, heißt es dazu seitens der Bank. Über den Kapitalbedarf ist man alles andere als erfreut, weshalb die Sberbank im November gegen die ÖVAG Klage beim Internationalen Schiedsgerichtshof eingebracht hat. Die Sberbank habe beim VBI-Kauf eben überhastet agiert, sagen Bank-Insider. Man habe keinen ersatzpflichtigen Schaden festgestellt, erklärt die ÖVAG auf Anfrage.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2014)