Überraschend kam es nicht.
Bereits in den vergangenen Tagen hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan angedeutet, die Twitter-Sperre auf andere Plattformen ausdehnen zu lassen. Während das Twitter-Verbot nach ein paar Tagen aufgehoben wurde, ließ die Regierung am Donnerstag die Videoplattform YouTube sperren. Offizielle Begründung: „administrative Maßnahme“. Erneut laufen die Online-Plattformen, auf denen Erdoğan „Sperrdoğan“ genannt wird, heiß, und erneut stellt sich die Frage, warum der Ministerpräsident kurz vor den Kommunalwahlen am Sonntag einen derart unklugen Schritt setzt.
Die Twitter-Sperre bewirkte genau das, was sie offenbar verhindern sollte: einen Ansturm auf die Plattform, eine Umgehung der Sperre. Und mit dem YouTube-Verbot wird Erdoğan nicht verhindern können, dass weiterhin mitgeschnittene Telefonate, die ihn in Bedrängnis bringen, verbreitet werden.
Darum geht es nicht. So undurchdacht die Maßnahme erscheinen mag – sie ist es nicht. Der Premier will das Internet samt Inhalt diskreditieren, und er wird das so lange vermitteln, bis er glaubt, dass die Message bei allen angekommen ist.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2014)