Wahltechnik: Durften auch Karteileichen zur Urne schreiten?

US-Forscher haben "ernsthafte Bedenken" gegen das elektronische Wählen angemeldet.

Er werde "die Stimmen von Ohio" an George W. Bush "liefern", versprach Walden O'Dell, Chef der Firma Diebold Inc. in einem Brief, in dem er um Spenden für Bush bat. Das wäre nicht weiter aufregend, wäre Diebold nicht Marktführer bei "Direct Recording Electronic Systems" (DRE's). Das sind Maschinen, auf deren Touch-screens man Kandidaten antippt, dann geht das Votum auf Datenträger, nicht auf nachzählbares Papier. O'Dells Firma spendet üppig für die Republikaner, und ein mittelgroßer Bundesstaat braucht 20.000 Maschinen, eine kostet 3000 Dollar.

DRE's sind der jüngste Versuch, zu vereinen, was eine Wahl braucht: Frei abgegeben und gleich gewichtet muss jede Stimme sein, Geheimnis des Wählers muss sie bleiben, und korrekt ausgezählt sollte schon auch werden. Damit waren die frühen Siedler überfordert: Mancherorts warf man bunte Bohnen in den Wahltopf das öffnete dem Betrug Tür und Tor, anderswo sagte der Wähler sein Votum laut an, die Kandidaten standen daneben und hörten gut zu. Abhilfe sollten Zettel schaffen, auf die die Wähler die Namen der Kandidaten schrieben. Dann knüllten sie sie zusammen "ballots" heißen sie heute noch in den USA und warfen sie in den Topf.

Aber Papier braucht Geduld, zur Beschleunigung kamen mechanische Hilfen, Lochkarten, optische Scanner, endlich DRE's. Alle sind noch da, in manchen Bundesstaaten wurde in allen fünf Varianten nebeneinander gewählt.s

Registriert, aber nicht im Register

Aber erst einmal muss der Wahl-Willige existieren, anno 2000 konnten bis zu drei Millionen registrierte Wähler ihre Stimme nicht abgeben, weil es Probleme mit den Registern gab. Umgekehrt können Tote auferstehen: 15.000 Karteileichen fand man in Georgia, 5412 davon haben gewählt, wie immer sie das auch bewerkstelligt haben. Folgt der Wahlakt: 40 Millionen US-Bürger sind behindert, blind etwa, und auch Sehende können nicht immer lesen, zumindest nicht die englische Sprache. Zu lesen gibt es viel, manche Wahlzettel sind mittlere Broschüren, auch das brachte in Florida anno 2000 ungültige Stimmen.

Auszählung. Anno 2000 schritten in Rio Arriba 203 Wähler zu den DRE's: "0" Stimmen für alle Kandidaten zusammen. In Florida gingen bei Regionalwahlen 2004 wegen Computer-Abstürzen 8,5 Prozent der Stimmen verloren, man konnte sie rekonstruieren, sie hätten das Ergebnis herumgeworfen, gewertet wurden sie nicht. Zudem gibt es keinerlei technische Standards für DRE's, gemeinsam ist ihnen nur, dass sie auch mittelbegabte Hacker einladen: Die Verschlüsselungsmethode von Diebold wurde versehentlich bekannt und von Experten vernichtend kritisiert.

Und im Zweifel kann eben nichts nachgezählt werden, weil nichts Greifbares da ist. "Bei elektronischen Wahlmethoden bleiben ernsthafte Bedenken", heißt es in einer Studie der renommierten American Association for the Advancement of Science. Könnte man sie dadurch mildern, dass man die elektronischen Voten auch ausdruckt und einlagert oder den Wählern mitgibt? Viele fordern es, aber es hat Pferdefüße: Lagert man sie ein, ist das Wahlgeheimnis in Gefahr, man könnte möglicherweise Wähler und Votum zuordnen. Gibt man sie den Wählern mit, könnten diese sie Stimmenkäufern vorzeigen und belegen, dass sie gewählt haben wie bezahlt.

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