Warum die "Rettung" der Sammlung Essl unwahrscheinlich wird

Politisch dürfte es gelaufen sein: Dank Hypo Alpe Adria kann die Regierung kaum Millionen für eine Kunstsammlung aufwenden.

Wer die machtpolitischen Gesetzmäßigkeiten der kleinen Republik kennt, hat das Ende für die Kunstsammlung Essl unter diesem Namen am Donnerstag laut und deutlich gehört. Ein klares Nein formulierte Erwin Pröll, grauer Leitwolf des innenpolitischen Rudels, auf die Frage, ob das Land Niederösterreich am Kauf der Sammlung Essl bzw. des dazugehörigen Museums interessiert sei. Oder an einer Beteiligung an einem Kauf. Diese Position klingt überraschend, zelebriert sich Erwin Pröll doch mit Erfolg und zu Recht als Förderer der schönen und leisen Künste in seinem Land. Aber für das wichtige Haus in Klosterneuburg plötzlich nicht mehr?

Bisher hatten Beobachter und die unvermeidlichen Ratgeber in der Causa Essl an breite Hilfe geglaubt: Der Bund zahlt die Sammlung, das Land Niederösterreich übernimmt finanziell das Haus und die Weiterführung des Museumsbetriebs. Das klingt nun plötzlich ganz anders.

Dafür gibt es ein paar Erklärungen: Pröll hat schon ein paar Museen im Land und gerade am Donnerstag den Neu- bzw. Umbau zweier namentlich neuer Einrichtungen um schlanke 40 Millionen Euro bekannt gegeben. Und vermutlich ebenso relevant: Josef Ostermayer, neue SPÖ-Kanzler- und Künstlerhoffnung, setzt sich seit wenigen Wochen auf der Bühne im Burgtheater und bei Ausstellungseröffnungen als neuer erster Kulturpolitiker des Landes in Szene. Mit einem klaren Njet aus St.Pölten wird der vorsichtige Pragmatiker Ostermayer eine finanzielle Unterstützung als Retter in der Not kaum mehr wagen. Er rudert auch schon vorsichtig zurück: Es gehe um 4000 Arbeitsplätze bei Baumax!

Von den Kunstwerken spricht der Minister nicht mehr so viel. Daran dürften auch die eleganten, wie immer völlig uneigennützigen Museumsdirektoren schuld sein: Vehement und ausnahmsweise fast geschlossen sprechen sie sich gegen den Ankauf der Sammlung aus; sie seien schließlich seit Jahren an der kurzen finanziellen Leine des Ressorts geführt worden.


Selbst ohne die politische Entscheidungsgrundlage Meinungsumfrage weiß Ostermayer aber auch, was Pröll längst gewittert hat: Die millionenschwere Rettung von Kunstsammlung und Baumärkten eines prominenten Unternehmers ist (nicht nur) angesichts des schwarzen Hypo-Alpe-Adria-Lochs alles andere als populär. Der Begriff „Volkszorn“ wird dieser Tage von vielen Zeitgenossen immer plastischer dargelegt.

Zwei Lehren aus alldem: Der Staat ist nicht dafür da, Kunst zu kaufen, um eine Sammlung oder eine Baufirma zu retten. Selbst wenn es wirklich ein gutes Geschäft wäre, müsste es dafür private Investoren geben. Und: Hätte Karlheinz Essl sein Geld anderweitig ausgegeben, stünde sein Unternehmen vielleicht auch nicht viel besser da. Er hätte sich aber die Enttäuschung über seine Kollegen und die politischen Eröffnungsredner erspart.

Und ihm und uns eine unwürdige Diskussion.

E-Mails an:rainer.nowak@diepresse.com