US-Präsident Bush geht mit einem großteils neuen Team in die zweite Amtszeit. An Verteidigungsminister Rumsfeld hält er fest.
Als die Folterbilder von Abu Ghraib um die Welt gingen, waren die Rufe nach seinem Rücktritt besonders laut. Schon zuvor war der Chefstratege des Irak-Kriegs, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, immer wieder ins Schussfeld geraten. Sein harter Stil, seine Liebe zu markigen Sprüchen, aber vor allem seine Entscheidung, mit einer relativ geringen Truppenstärke in den Irak-Krieg zu ziehen, brachten dem Haudegen viel Kritik ein - auch in Militärkreisen. Ausgerechnet Rumsfeld aber überlebt den Kahlschlag, der acht Mitgliedern des 15-köpfigen Bush-Kabinetts ihre Positionen gekostet hat. US-Präsident George W. Bush will den politischen Veteran als Verteidigungsminister behalten.
Er sei ein "bewährter Führer in schwierigen Zeiten", heißt es in US-Regierungskreisen. "Unser Land befindet sich immer noch im Krieg", so ein hoher Regierungsbeamter, und für diese Situation sei Rumsfeld der "richtige Mann".
Bush hat sich aus mehreren Gründen für den Verbleib des 72-Jährigen entschieden - übrigens der älteste wie auch der jüngste Verteidigungsminister (unter Gerald Ford) in der amerikanischen Geschichte. Seine Wiederwahl versteht der US-Präsident als klare Bestätigung der bisherigen Verteidigungspolitik - und als Auftrag, die Irak-Mission unter gleicher Führung zu beenden. "Wir erledigen den Job", war einer der Bush-Wahlkampf-Slogans gewesen. Vieles von dem, was Rumsfeld begonnen hat, darunter auch die Reform der US-Streitkräfte, ist nicht abgeschlossen. Vor allem aber käme ein Wechsel an der Spitze des Pentagons zu einem Zeitpunkt, zu dem sich US-Soldaten im Kampfeinsatz befinden, für viele Amerikaner einem Verrat gleich.
Darüber hinaus hätte ein Rücktritt Rumsfelds auch bedeutet, dass Bushs eigene Bilanz getrübt wäre - denn nicht alles, was Rumsfeld vorgeworfen wurde, stand allein in dessen Verantwortung. Der neo-konservative Hardliner, den Auseinandersetzungen zu beflügeln scheinen ("Wer nicht kritisiert wird, macht seine Arbeit nicht"), war stets einer der wichtigsten Berater des US-Präsidenten.
Auch die Spannungen zwischen Pentagon und dem Außenministerium dürften mit dem Abgang von Colin Powell erledigt sein. Powell stand als moderater Republikaner in vielen außenpolitischen und militärischen Belangen im scharfen Kontrast zum "Falken" Rumsfeld.
Durch die jüngsten Personalentscheidungen Bushs zieht sich ein roter Faden: Loyale Mitstreiter werden ebenso belohnt wie jene, die im Wahlkampf besonderen Einsatz gezeigt haben. Alle neuen Mitglieder in Bushs neuem Kabinett sind bisher durch bedingungslose Solidarität zu dem Programm des US-Präsidenten aufgefallen. Damit umgibt sich Bush mit einem Ring an Vertrauten - was die Schlagkraft des Kabinetts erhöht.