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Ermitteln, beschützen, aufklären: So arbeiten Berufsdetektive

Ermittler Bernhard Maier(c) Jenis
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Seit der Causa Nitsch stehen private Detektive im Rampenlicht. Berufsbedingt kommen sie mit seriösen Auftraggebern genauso in Kontakt wie mit der Halbwelt.

Wien. Die Affäre um den mysteriösen Einbruch in das Weinviertler Schloss des weltbekannten Schüttkünstlers Hermann Nitsch beschäftigt nicht nur Polizei und Steuerfahndung – sie hat auch einen ganzen Berufsstand schlagartig ins Rampenlicht gerückt: die Berufsdetektive.

Nicht irgendeiner, sondern der schillerndste und am meisten angefeindete seiner Branche – einer, der sich selbst ob seiner legendären Fälle von AKH über Lucona bis Noricum in einer absoluten Sonderstellung sieht, hat ermittelt: Dietmar K. Guggenbichler, Privatdetektiv, Sicherheitsspezialist, staatlich konzessioniert. Er war es, der öffentlich den Verdacht geäußert hatte, dass im Tresor des Künstlers hunderttausende Euro Schwarzgeld gehortet worden sein könnten. Nitsch und seine Frau Rita bestreiten dies vehement.

 

„Berufsstand wurde Opfer“

„Der gesamte Berufsstand ist durch die Affäre um Hermann Nitsch zum Opfer geworden“, meint der Wiener Berufsdetektiv Josef Schachermaier. Er kritisiert seinen Standeskollegen Guggenbichler hart. Es gehe nicht an, die eigenen Klienten in Bedrängnis zu bringen. Guggenbichler selbst (siehe Porträt rechts unten)sieht die Dinge anders. Nitsch' Frau habe im Gespräch mit ihm den Schaden viel höher beziffert als gegenüber der Polizei. Sie habe also entweder ihn oder die Polizei angelogen. „Deshalb bin ich zur Steuerbehörde gegangen“, erklärt Guggenbichler. Auch habe Frau Nitsch ihn bei der Tätersuche „auf die falschen Leute gehetzt“. Rita Nitsch bestreitet all das.

Ganz abgesehen von diesem Fall meint Guggenbichler mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein: „Ich bin in Wahrheit der einzige ernst zu nehmende Ermittler in der Branche.“ Aber von welcher Branche spricht er da eigentlich? Welche Arbeit erledigen heute Privatdetektive, deren Bild in der Öffentlichkeit seit vielen Jahren vom Wirken des inzwischen pensionierten TV-Schnüfflers Josef Matula („Ein Fall für zwei“) geprägt wird?

Die Branche, das sind etwa 1000 Mitarbeiter, die für knapp 400 Detektive mit Gewerbeschein arbeiten. Der Beruf des Informationsbeschaffers ist geschützt. Für seine Arbeit Geld verlangen darf offiziell nur der, der entweder eine kommissionelle Prüfung abgelegt oder seine Fertigkeiten durch Vorlage von Dienstzeugnissen nachgewiesen hat. Und wer einen lupenreinen Leumund, also keine ungetilgten Vorstrafen im Register hat.

Bis auf wenige Ausnahmen, so erzählen Detektive, vertrage man sich untereinander gut. Nur auf Pfuscher, also Ermittler, die an der Gewerbeordnung vorbei ihre Dienste anbieten, auf die reagiere man allergisch. Diese Fälle aufzudecken ist dann die Aufgabe von Josef Schachermaier, sozusagen der Privatdetektiv der Detektive.

Die Zusammensetzung des Berufsstandes ist ziemlich bunt. Vom Akademiker bis zum ausgestiegenen Hilfsarbeiter ist alles mit dabei. Ein gutes Drittel, heißt es, soll einst bei der Polizei gedient haben. Viele dieser Branchenwechsler haben die Exekutivgewalt jedoch unfreiwillig an den Nagel gehängt, und es gibt doch einige, die dann mit unseriösen Methoden für Aufregung sorgen. Zwischen drei und fünf Verfahren zum Konzessionsentzug führt die Kammer jährlich. Auch atmosphärisch scheint der Berufsstand zweigeteilt. Hier der betont seriös auftretende Nachwuchs, dort die alte Garde, deren Exponenten optisch und rhetorisch wie Bindeglieder zwischen Ober- und Unterwelt wirken. Wer ihre Namen in Google eingibt, findet Fotos wie aus Agententhrillern: Waffen, feine Anzüge und (halb) nackte Frauen. Und meist schwingt die Hybris des einsamen, zu allem entschlossenen Kämpfers in einer verkommenen Welt mit. Zu den Vertretern dieser alten Garde zählen Männer wie Walter Penk-Lipovsky. Oder eben der bald 72-jährige „Altstar“ Dietmar Guggenbichler. Und im weiteren Umfeld wohl auch Walter Pöchhacker. Er wurde durch seinen hartnäckigen Einsatz im Entführungsfall Natascha Kampusch bekannt. Zu diesem meint er noch heute hintergründig resümierend: „Österreich ist schlicht zu klein, um so einen Skandal bewältigen zu können.“

 

Preisdumping im Kaufhaus

Aber zurück zur Branche, zu deren Entwicklung: Die Anzahl der Detekteien vor 30 Jahren schätzt Pöchhacker auf etwa 70 österreichweit, davon zirka 25 in Wien. 2001 gab es laut Statistik Austria in ganz Österreich bereits 136 Detekteien, davon 46 in Wien. Mittlerweile sind es bundesweit um die 400, davon 110 in der Hauptstadt.

Das sorgt für Probleme. „Wie in allen Branchen gibt es auch hier Dumpinganbieter“, sagt Pöchhacker. Und: „Speziell im Kaufhausbereich, beim Überführen von Ladendieben, sind Detektive aus Deutschland ein zunehmendes Problem. Dort kann jedermann ohne besondere Vorkenntnisse Privatdetektiv spielen – und, dank EU, seine Geschäfte auf Österreich ausweiten. Der Preiskampf der Detekteien im Handel war immer schon gewaltig und wird zunehmend unseriöser. Es kommt vor, dass Agenturen sogar kostenlos ihre Dienste anbieten und von den Erlösen aus Regressforderungen leben, die sie von den Ladendieben kassieren.“

Welche Eigenschaften machen einen guten Detektiv aus? Laut Pöchhacker muss man fähig sein, Probleme zu erkennen, auch Einfallsreichtum, Risikobewusstsein, Verschwiegenheit oder zum Beispiel extreme Flexibilität zählt er dazu. „Nicht zuletzt eine Partnerin, die einem nicht die Hölle heiß macht, wenn der geplante Urlaub, wieder einmal, ins Wasser fällt.“

 

Ermittlungen für Banken

Einer ganz anderen Generation als Guggenbichler & Co. entstammt Bernhard Maier. Der 41-Jährige hat Politikwissenschaft studiert und stieß noch vor der Inskription zum Gewerbe. Personenschutz und das Posieren mit dem Colt sind nicht so seine Sache. Viel lieber spürt er für Banken flüchtige Schuldner, versteckte Vermögenswerte von Pleitiers sowie findige Insolvenztouristen auf, die die finanziell günstigere Rechtslage in manchen EU-Staaten unredlich ausnutzen. Maier sagt: „Geschäftskunden zahlen besser und verlässlicher und legen fast immer großen Wert auf seriöse Vorgehensweise.“

Das ist nämlich nicht selbstverständlich. Zwar haben die Privaten bei Weitem nicht die Möglichkeiten der Polizei, umgekehrt schätzen es Kunden, dass man dem Detektiv auch Details aus der rechtlichen Grauzone anvertrauen kann. Für konzessionierte Detektive gilt eine Verschwiegenheitspflicht, die zwar nicht ganz so streng ist wie jene von Anwälten oder Ärzten, andererseits kann man ihnen Dinge anvertrauen, die ein rechtstreuer Polizist sofort zur Anzeige bringen müsste. Auch Maier wurde schon in Versuchung geführt. Einmal wollte ein Klient einen Konkurrenten auffliegen lassen. Der Auftrag an den Detektiv lautete: Deponiere eine Ladung Kokain im Auto des Gegners und sorge dafür, dass das die Polizei findet. „Ich habe das natürlich abgelehnt.“

Ob er sich das leisten kann? Als Selbstständiger, der seine Sache gut macht, könne man als Detektiv durchaus gut verdienen. Angestellte hingegen verdienen trotz vieler Überstunden selten mehr als 1600 Euro (netto) im Monat.

AUF EINEN BLICK

Das Gewerbe des Berufsdetektivs ist in Österreich geschützt. Legal ausüben dürfen es nur Personen mit Gewerbeberechtigung. Die erhält man nach dem Ablegen einer Prüfung oder dem Vorlegen von Zeugnissen, die eine ähnliche Qualifikation bestätigen. Etwa 400 Detekteien sind in Österreich gemeldet. Die Tätigkeiten gehen von Personenschutz über Nachforschungen in Ehestreitigkeiten bis hin zu Ermittlungen aller Art. Pfuschern, die keinen Gewerbeschein haben, stellt die Kammer mit einem Privatdetektiv nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2014)