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Pop

DJs im Porträt: Julian und der Fux

(c) Christine Ebenthal
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Julian Hruza und Dominic Plainer bilden seit 2012 das Elektronik-Duo Julian und der Fux. Das Gespann im "Presse"-Interview.

Seit wann seid ihr musikalisch tätig? Einflüsse? Wie würdet ihr Euren Stil benennen?

Dominic (Lupo): Long way to go. Ich stand 98, glaube ich, das erste mal im Wiener Flex und war so begeistert das ich unbedingt auch mal oben auf der Bühne stehen wollte. Ein Jahr später habe ich mir dann zwei Plattenspieler und ein billiges Mischpult zugelegt und fing an Platten zu kaufen. Eine meiner ersten war „Schubdüse" von Sven Väth, welche ich hier gewählt habe weil sie am ehesten meinem heutigen Stil entspricht. Ich ging damals eher in Richtung Downtempo, Jungle und später dann Drum & Bass bis ich gegen 2003 dann meine DJ Karriere vorerst auf den Nagel gehängt habe. Damals habe ich auch sehr viele meiner Platten verkauft (worüber ich heute nicht glücklich bin). Ich fing an in einer Band Gitarre zu spielen und gründete dann 2005 das Electro/NewRave Duo Fuxblut mit meinem damaligen Schlagzeuger Albert, wodurch ich auch wieder zum Auflegen begonnen habe. Das führte mich dann dahin wo ich Heute als DJ und Produzent stehe. Ich denke, dass alle diese Stilrichtungen meinen Sound beeinflusst haben. Ich mag verspielte Tracks, die Emotion zeigen. Ob das dann als Disco, House, Techno oder Indie-Dance ausgeschrieben wird, ist mir egal.

Julian: Ziggy Stardust hat mich mit elf Jahren auf einem Schweden-Road Trip zur Musik gebracht, die erste Band hieß Vollkorn, dem Bio-Hype ein paar Jahre voraus. ;). Mit 17 habe ich dann zum Produzieren angefangen. Meine Freunde wussten, wenn sie nicht zu mir kommen, sehen sie mich gar nicht - da ich quasi Tag und Nacht im kleinen Dachbodenstudio gesessen bin und wie ein Vesessener herum gefeilt habe. Die Nachbarn rechts hassten mich deswegen, die Nachbarn links haben mir die selbst gebrannten Demo CD´s abgekauft. Zu Techno und House bin ich erst vor ein paar Jahren gekommen, auch weil ich bis zum Alter von 25 kaum in Clubs gegangen bin. Ich denke, deshalb ist mein Stil auch eher Song-lastig.

Was wollt ihr erreichen, welche Ziele habt ihr Euch gesteckt?

Julian: Man soll ja seine Ziele hochstecken: Einen Oscar, den wir dann zwischen Grammy und der Platin-Platte ins Regal stellen können ;) Dazwischen geben wir uns aber auch damit zufrieden, einmal von unseren Gigs leben zu können. Unser Hauptziel ist es, unseren Weg gehen zu können, ohne uns Sorgen machen zu müssen.

Beste Location in Wien? Bedeutung von Wien im Vergleich zu Berlin, London und New York?
Julian: Die Anlage in der Forelle macht richtig Spaß, genauso wie die familiäre Wohnzimmerstimmung in der BrutBar oder die Underground-Philosophie im Werk, genau so wie die Pratersauna mit ihrem Außenbereich. Wenn es um den internationalen Vergleich geht ist Wien aber noch kein Maßstab, jedoch bei vielen Artists nicht unbeliebt. Wobei man sagen muss, dass sich da wirklich viel entwickelt hat die letzten Jahre. Tragend dafür ist ja auch das wieder wachsende Netzwerk aus Labels, Artists und Clubs in Wien mit internationalem Niveau.

Nach wie vor am Start: Diskussion Underground versus Mainstream ...

Lupo: Das gehört für mich in die Kategorie wichtig machen und haten. Ich denke jeder kann selbst entscheiden was er mag und was nicht bzw. wo und wie man feiert. Als Artist will man viele Leute erreichen, dann wird man automatisch „zum Mainstream" und die anderen regen sich darüber auf.
 
Julian: Ich verstehe die Diskussion nicht ganz... Ist ja meistens alles dort wo es hin gehört. Schade ist nur, dass jede x-beliebige Studentenparty besser geht als Veranstaltungen mit interessanten und spannenden Actsm wodurch sich Veranstalter und Clubbetreiber den Underground nicht leisten können, weil sie Verlust damit machen. Dafür ist Wien dann doch zu klein.

Muss ein DJ auch produzieren, um Erfolg zu haben? Umgekehrt: Wie wichtig sind DJ-Skills für Produzenten?

Lupo: Das hat am ehesten damit zu tun wo man hin will. Releases zu haben, fördert deine Bookings und umgekehrt wirst du als DJ leichter gebucht, weil nicht jeder einen Liveact haben will, beziehungsweise es auch nicht in jedem Club umsetzbar ist. Wir haben diesbezüglich als Julian und der Fux unser Set reduziert, um es auch in kleinere Locations zu bringen.

Julian: Auf alle fälle ist nicht jeder Produzent ein guter DJ. Und nur weil jemand Auflegen kann, heißt das noch lange nicht, dass er einen guten Track hinbekommt. Der Überschneidungspunkt ist ja nur der Sound und der Bezug dazu, sonst hat das Produzieren und Auflegen in Herangehensweise, Erfahrung und Können nichts miteinander zu tun.

Hilft ein eigenes Medium, wie ein Blog und oder ein Label?

Julian: Ja auf alle Fälle. Da Wir ein eigenes Label haben, können wir selbstbestimmter agieren und unabhängiger sein. Abhängigkeiten haben uns immer in unserem Weiterkommen gebremst. Das Label ist aber auch ein wichtiger Baustein für das Netzwerk, welches wir vorher schon angesprochen hatten. Aber es ist auch verdammt viel Arbeit ;)

Wie bewertet Ihr aktuelle Trends und Tendenzen der Clubkultur? Gibt es eine gläserne Decke? Männernetzwerke auch in DJ-Kreisen?

Lupo: Ich finde, dass besonders in Wien ein komischer Zugang seitens Veranstalter und Clubs herrscht, was die Bookings betrifft. Es wird meiner Meinung nach zuviel Wert auf Namedropping gelegt. Ich finde es gut internationale Acts nach Wien zu bringen, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Lokale Künstler werden dadurch vernachlässigt an zweite Stelle gereiht und meistens schlecht entlohnt. Das gilt vor allem für Groß-Events. Wir habe es da mittlerweile mit Julian & der Fux einfacher einen Stellenwert als Mainact zu bekommen, was sich natürlich wiederum auch auf meine Bookings als DJ auswirkt - aber das war nicht immer so. Ich beobachte im Vergleich mit Berlin, dass in einigen Clubs das miteinander Feiern im Vordergrund steht. Da legen geile DJs auf und es steht nicht mal irgendwo! Weil es einige Club geschaff haben, für sich steht und du weißt genau, was dich dort erwartet.

Julian: Die ganze Szene wird leider tatsächlich von Männernetzwerken dominiert - wir wünschen uns da viel mehr aktive Frauen! Gleichzeitig müssen wir ehrlich zugeben, dass wir dafür weniger machen als wir uns vorgenommen hatten. Wir hätten z.B. bei unserem Label gerne eine Produzentin dabei. Es fällt uns aber auch schwer, das zu forcieren, da es eigentlich kein Kriterium sein sollte. Wir wollten einmal eine Veranstaltungsreihe machen, die immer eine DJane als Mainact hat. Allerdings sind wir mit dieser Idee recht schnell angestanden, da uns nicht viele eingefallen sind. Wir wollten einen gewissen Sound für unsere Veranstaltungen haben und dafür würde dann das Geschlecht wiederum keine Rolle mehr spielen...

Lupo: Wie wir es beobachten konnten, gibt es diesbezüglich in Wien keine Ausgrenzung, jedoch zu wenig Unterstützung. Wir haben schon einige erschreckende Storys gehört und gelesen, was sich weibliche DJs bei diversen Gigs so alles anhören mussten. Wirklich Dinge, wo du dir einfach nur auf die Stirn greifst und fragst, wie dermaßen machoid manche Typen drauf sind. Das ist alles in allem ein schwieriges Thema.

Link: Julian und der Fux auf Soundcloud

(mtp.)