Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wien: Die Mieten steigen, die Angebote fehlen

Miete, Wien, Wohnung
(c) BilderBox
  • Drucken

In Wien steigen die Mieten – längst nicht das einzige Problem auf dem Markt. Über die Not mit Wohnungen.

Wien. Die Briefe von Hausverwaltungen und Vermietern sind schon zugestellt. Am 1. April (oder, bei bestehenden Richtwert-Mietverträgen ab 1. Mai), treten die Änderungen in Kraft: Die Mieten in Wien steigen. Und das werden sie auch nach dieser Preissteigerung weiterhin tun. Denn Angebot und Nachfrage klaffen in Wien heute weit auseinander.

1. Warum und wie stark steigen mit April bzw. Mai die Mieten?

Im Schnitt wird die Miete in Richtwert-Wohnungen mit 1. April (bei bestehenden Verträgen ab 1. Mai) um 4,6 Prozent teurer – so steht es im entsprechenden Bundesgesetzblatt. Die Richtwertmieten werden alle zwei Jahre angepasst, zuletzt 2012, die Erhöhung richtet sich nach der Inflationsrate. Je nach Kategorie variieren die Steigerungen: Wiener Kategorie-A-Wohnungen kosten mit heute 3,43 statt 3,25 Euro pro Quadratmeter (plus 5,5 Prozent). Dazu kommen Zuschläge. Das Richtwertgesetzt regelt Altbaumietverträge, die nach 1994 abgeschlossen wurden, betroffen sind in Wien laut Arbeiterkammer 220.000 Haushalte, österreichweit sind es 330.000. Auch die Kategoriemieten (für Verträge von vor 1994) steigen mit 1. April. Sie wurden zuletzt 2011 erhöht, eine Erhöhung ist dann möglich, wenn der Verbraucherpreisindex eine Fünf-Prozent-Steigerung erreicht, das war vorigen Dezember der Fall.

2. Wie teuer ist neuer Wohnraum und wie geht es mit den Preisen weiter?

Die Preise für neu gemietete oder gekaufte Wohnungen steigen, der Abstand zwischen bestehenden Mieten und „Abschlussmieten“ wächst. Die Immobilienfirmen EHL und Buwog prognostizieren in ihrem jüngsten Wohnungsmarktbericht für 2014 einen Preisanstieg von zwei bis 2,5 Prozent bei Mietwohnungen in Wien, im Eigentum von drei bis fünf Prozent.

3. Warum werden neue Wohnungen in Wien immer teurer?

Die Bevölkerung Wiens wächst: Von 2011 bis 2050 werde die Zahl der Haushalte um 26,3 Prozent steigen, heißt es im Wohnungsmarktbericht. Dafür sorgt nicht nur das Bevölkerungswachstum, sondern auch der Trend zu kleinen Haushalten. Das Angebot hält mit der Nachfrage nicht mit: Bis 2015 werde die Lücke im Angebot so groß sein wie eine „Jahresproduktion“ an Wohnungen. Große Stadtentwicklungsprojekte wie Aspern oder Hauptbahnhof würden den Markt frühestens 2016 entlasten, heißt es von EHL und Buwog. Im Schnitt entstehen in Wien 5000 bis 7000 geförderte Wohnungen pro Jahr, dazu kommen 1000 bis 1500 frei finanzierte.

4. Kann man in Wien bereits von Wohnungsnot sprechen?

Nadja Shah, Geschäftsführerin der Österreichischen Mietervereinigung sieht auch ein Auseinanderklaffen von Nachfrage und Angebot: Während extravagante, teure Wohnungen entstehen, in Dachgeschoßen etwa, ist das Angebot an leistbaren Wohnungen für Familien rar, „vor allem die Angebote unter 1000 Euro Miete nehmen ab“, Mieten fangen meist bei 500 bis 600 Euro an, kleine Wohnungen sind im Verhältnis teurer. Von Wohnungsnot in Wien will Shah aber nicht sprechen. Noch gibt es eine Reserve: Je nach Definition dürften 30.000 bis 50.000 Wohnungen aktuell leer stehen. Gewöhnlich spricht man in Städten von einer „Mobilitätsreserve“ von drei Prozent der Wohnungen, die man braucht – ein geringerer Wert sei problematisch. Bei einer Million Wohnungen in Wien wäre die kritische Grenze von drei Prozent mit 30.000 leeren Wohnungen erreicht.

5. Wie viele Wiener sind auf Wohnungssuche – und wie oft?

Schätzungen zufolge suchen in Wien jedes Jahr 80.000 Menschen nach einer neuen Wohnung. Etwa 5000 bis 7000 Wohnungen sind konstant am Markt. Jedes Jahr werden rund 50.000 neue Mietverträge abgeschlossen. Die Mieter-Quote in Wien ist hoch: Drei von vier Wienern leben zur Miete. Im Schnitt wechseln Mieter hier alle vier bis fünf Jahre ihre Wohnung. Derzeit sind – der Konjunktur entsprechend, heißt es in der Branche – vor allem günstige Wohnungen gefragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.04.2014)