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Feuertaufe für den "sozialistischen Sarkozy"

Former French President Sarkozy French Interior Minister Valls and French Interior Minister Valls attend the French Ligue 1 soccer match between Paris Saint-Germain and Olympique Marseille at the Parc des Princes stadium in Paris
REUTERS
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Manuel Valls, Frankreichs neuer Premier, hat viel mit dem Ex-Präsidenten gemein. Als hyperaktive Innenminister sorgten sie beide für Furore.

Unlängst saßen sie sogar Schulter an Schulter auf der Tribüne des Pariser Prinzenparkstadions. Beim Match Paris St. Germain gegen Olympique Marseille fachsimpelten Manuel Valls, ein Barcelona-Fan, und Nicolas Sarkozy über Fußball und Politik. Der damalige Innenminister und der Ex-Präsident, der einst als hyperaktiver Innenminister für Furore gesorgt hatte, sind als Turbo-Politiker einander wesensverwandt.
Die Abschiebung der 15-jährigen Leonarda und ihrer Roma-Familie in den Kosovo trug dem gebürtigen Katalanen Valls, der erst mit 20 Jahren die französische Staatsbügerschaft angenommen hat, harsche Kritik ein. Die Parteilinke ereiferte sich über den rechten Macht- und Instinktpolitiker, die Medien stempelten ihn als „sozialistischen Sarkozy" ab. Parteichefin Martine Aubry hatte ihm einst sogar den Parteiaustritt nahe gelegt. Vor dem Franco-Regime war die Familie Valls einst aus Barcelona geflohen, Manuels Schwester ist indessen - kuriert von ihrer Heroinsucht - wieder dorthin zurückgekehrt.

Idol Tony Blair

Wie Sarkozy war Valls als zupackender Innenminister an den sozialen Brennpunkten zur Stelle, wie er stilisierte er sich zu einem Mann von Recht und Ordnung - und wie der Ex-Präsident hatte er seine Karriere als Bürgermeister im Vorstadtgürtel um die Hauptstadt gestartet: im multikulturellen Evry, nicht im feinen Neuilly. Angeblich hätte Sarkozy den Sozialisten einst sogar gerne in seine Regierung berufen - Valls widerstand der Verlockung. In drei Jahren könnten sie einander als Spitzenkandidaten bei den Präsidentschaftswahlen wieder begegnen.

Denn daran dass die Laufbahn des 51-jährigen Sohns eines Malers und einer Schweizer Schauspielerin im Hotel Matignon, dem Amtssitz des Premiers, enden soll, glaubt in Paris niemand. Als seine politischen Idole bezeichnet er Bill Clinton und Tony Blair, und wie sie strebt er nach ganz oben.

"Vizepräsident"

Am Montagabend erreichte er vorläufig den Höhepunkt, als ihn Staatschef François Hollande zum Premierminister ernannte. Bei den Vorwahlen waren sie 2011 noch gegeneinander angetreten: Damals ließ Valls dem Favoriten den Vortritt. Als Regierungssprecher des sozialistischen Premier Lionel Jospin hatte sich Vall bereits einen Namen gemacht, als PR-Manager trieb er Hollande zum Sieg.
Als kantiger und populärer Innenminister machte er sich unentbehrlich. Als der Präsident nun daran ging, sein Kabinett umzubilden, galt Valls als allererste Wahl. Der „Nouvel Observateur" titulierte ihn schon einmal als „Vizepräsident". Hollande ist gewarnt: Als „Jungtürke" murrte er vernehmlich gegen das Establishment - damals richtete sich seine Kritik an Hollandes Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal. Der Vater von vier Kindern hat inzwischen selbst den Glamour lieben gelernt. In zweiter Ehe ist er mit der Geigerin Anne Gravoin, einer Jugendliebe, verheiratet. Er schätzt Maßanzüge, Hemden mit eingestickten Initialien und Seidenkrawatten.