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Lufthansa-Streik: 150 Österreich-Flüge fallen aus

APA
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Passagieren mit einem AUA-Ticket wird geraten sich zu informieren, ob der Flug auch stattfindet. Denn zahlreiche Flüge werden von der Lufthansa betrieben.

Der größte Streik in der Geschichte der Lufthansa wird auch an Österreich nicht spurlos vorübergehen. Die Piloten der deutschen Lufthansa streiken in den kommenden drei Tagen und auch Österreicher müssen sich auf zahlreiche Flugausfälle einstellen, obwohl die österreichische Lufthansa-Tochter AUA ihre Flüge unverändert abwickelt. Aber 90 Lufthansa-Flüge, großteils von und nach Wien, sowie 66 Germanwings-Flüge - praktisch alle Wien-Verbindungen und ein Salzburg-Flug - fallen aus.

Alle AUA-Flüge werden hingegen programmgemäß stattfinden. Außerdem versucht die AUA auf den Strecken nach Frankfurt, München, Stuttgart, Köln und Berlin größere Maschinen einzusetzen - wenn es die Kapazität zulässt. Dennoch haben wohl viele Passagiere ein AUA-Ticket für eine Maschine, die von der Lufthansa betrieben wird und daher ausfällt. Wer in den nächsten Tagen aus Österreich nach Deutschland, oder über Deutschland in fernere Gefilde fliegen will, ist daher gut beraten, sich genau zu informieren.

Zahlreiche Umbuchungs- und Stornomöglichkeiten

Grundsätzlich sollten alle betroffenen Passagiere von den Airlines informiert werden, betonten Sprecher von AUA und Flughafen Wien am Dienstag. Die Lufthansa bietet unter bestimmten Bedingungen kostenlose Umbuchungen an, selbst für Flüge die nicht gestrichen wurden. Wenn der Flug aufgrund des Streiks ausfällt, erstattet die Lufthansa den Ticketpreis. Innerhalb Deutschlands kann auf ein Bahnticket umgebucht werden.

Konkret fallen an den drei Tagen (Mittwoch bis Freitag) 84 Lufthansa-Flüge von und nach Wien sowie 6 LH-Flüge von und nach Graz aus. Die Flüge ab Innsbruck, Salzburg und Linz finden hingegen statt - diese Strecken werden nämlich unter Lufthansa-Flugnummer von der AUA geflogen. Germanwings streicht mit einer Ausnahme (die Rotation Wien-Köln/Bonn am Freitagabend) alle 22 täglichen Flüge von und nach Wien sowie den Mittwochflug zwischen Salzburg und Köln/Bonn. Planmäßig stattfinden soll hingegen die tägliche Verbindung zwischen Klagenfurt und Köln/Bonn.

Kein Streik in den Osterferien

Indessen buchen Passagiere der Lufthansa bereits massenhaft ihre Verbindungen um. "Das läuft gerade auf Hochtouren", berichtete ein Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Airline bietet Umbuchungen auf andere Termine, die Bahn und andere Fluggesellschaften an. Lufthansa hat nach eigenen Angaben rund 150.000 personalisierte SMS und E-Mails an registrierte Kunden verschickt. "Ähnlich wie beim ver.di-Streik in der vergangenen Woche werden nur sehr wenige unvorbereitete Passagiere an die Flughäfen kommen", sagte der Lufthansa-Sprecher.

Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, hält die Dimension des Streiks für gerechtfertigt. Der Streitwert zwischen Piloten und Lufthansa betrage schließlich eine Milliarde Euro, sagte Handwerg am Montagabend in der ZDF-Sendung "WISO". Handwerg bekräftigte Dienstagfrüh, dass auf weitere Streiks in den nahenden Osterferien verzichtet werden solle: "Wir werden aus Rücksicht auf die Passagiere die Osterferien aussparen."

425.000 Fluggäste betroffen

Der Pilotenstreik zeigt schon an diesem Dienstag (1. April) Wirkung. Laut einer Streichliste auf der Lufthansa-Internet-Seite fallen bereits rund 40 Flüge aus. Meist handelt es sich um Fernverbindungen, die am Mittwochmorgen in Frankfurt oder München landen sollten.

Betroffen vom dreitägigen Streik sind laut Lufthansa rund 425.000 Fluggäste, denen umfangreiche Umbuchungsmöglichkeiten angeboten werden sollten. Europas größte Fluggesellschaft rechnet mit einem Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe. Am Frankfurter Flughafen laufen die Vorbereitungen auf den dreitägigen Pilotenstreik auf Hochtouren. Man bereite sich insbesondere darauf vor, dass im Transitbereich gestrandete Passagiere längerfristig versorgt werden müssten, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport am Dienstag. Dazu gehören Schlaf- und Waschmöglichkeiten sowie Nahrungsmittel und Getränke. Auch in München laufen die Vorbereitungen, sagte ein Sprecher des Airports am Dienstag. Angesichts der Erfahrungen mit ähnlichen Aktionen rechne man nicht mit einem Chaos. "Wir wissen sehr frühzeitig über die Flugausfälle Bescheid und damit auch die Passagiere", sagte der Flughafen-Sprecher. Die meisten würden vermutlich die Reise zum Airport gar nicht erst antreten.

Bahn hält Reservezüge bereit

Es wird erwartet, dass viele Flugäste mit innerdeutschen Zielen auf die Bahn ausweichen werden. Die Deutsche Bahn hält Reservezüge samt Personal an wichtigen Bahnhöfen bereit. Wie ein Sprecher am Dienstag sagte, sind je nach Wochentag ein bis zwei Dutzend IC- und ICE-Züge dafür frei. Die Lage habe sich verbessert, seit Siemens acht der lange erwarteten neuen ICE-Züge ausgeliefert habe. "Mit der gestiegenen Reserve sind wir zuversichtlich, dass wir alle Leute an ihr Ziel bringen." Die Bahn befördert im Fernverkehr durchschnittlich 360.000 Fahrgäste am Tag. Passagiere von Lufthansa und Germanwings erhalten bei ihrer Fluggesellschaft Gutscheine für die Züge.

Knackpunkt und Streikanlass sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bisher ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglicht hatten. In einer Urabstimmung hatten die rund 5400 Piloten zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt. Offen ist zudem der Tarifvertrag zu den Gehältern, bei dem die VC ein Plus von knapp 10 Prozent verlangt.

>> Übersicht über alle gestrichenen LH-Flüge

>> Aktuelle Informationen vom Flughafen Schwechat

(APA)