Biologie: Vorsicht, Leopard auf der Jagd!

Meerkatzen haben einen fast so feinen Vokaltrakt wie wir.

Wenn Diana-Meerkatzen in den Wipfeln der Wälder der Elfenbeinküste einen bösen Feind sichten, warnen sie die anderen mit Schreien. Aber die sind nicht alle gleich: Es gibt zwei böse Feinde, Leopard und Adler, es gibt zwei Alarmrufe, es gibt zwei Reaktionen. Kommt Leoparden-Alarm, klettern die Tiere ein bisschen nach unten, nicht ganz natürlich, und suchen den Jäger mit den Augen; bei Adler-Alarm halten sich Weibchen und Junge eng an die Baumstämme, die Männchen klettern hinauf, sie sind groß genug, Adler zu vertreiben.

Die beiden Schreie sind sehr verschieden, beim Leoparden-Alarm muss die Stimme stark moduliert werden. Dazu braucht es Strukturveränderungen im Vokaltrakt, und die traute man bisher nur Menschen zu, sie haben dazu eine Röhre, die vom Kehlkopf über die Zunge bis zu den Lippen reicht und in Länge wie Querschnitt stark variiert werden kann. Bei Affen vermutete man bisher eine unvariable Röhre.

Aber damit ginge der Leoparden-Alarm nicht. Deshalb haben der Theoretische Biologe Tobias Riede (Humboldt-Universität, Berlin) und der Feldforscher Klaus Zuberbühler (University of St. Andrews, Schottland) zunächst die Anatomie des Vokaltrakts der Meerkatzen erkundet - mit Röntgen - und dann am Computer durchgespielt, welche Variationen es für den Leoparden-Alarm braucht. "Es braucht mindestens drei Teilstücke, einen Kehlkopf, der hinauf- und hinuntergeht, Unterkiefer, die hinauf- und hinuntergehen, und Lippen, die bewegt werden", berichtet Zuberbühler: "Das ist wie bei uns, von der Anatomie her ist unser Vokaltrakt nichts sehr Spezielles" (Journal of Human Evolution, 8. 12.). Was uns besonders macht - vor allem die Vokale sind schwer zu modulieren -, ist die Präzision und Beweglichkeit des ganzen Systems und vor allem der Zunge.

Aber vorarbeiten musste die Evolution schon, sie hat es früh getan, Meerkatzen sind Altweltaffen, von denen die Ahnen unserer Ahnen sich vor 30 Millionen Jahren getrennt haben. Wie ist es in dieser Linie weitergegangen, können Schimpansen modulieren? Man weiß es nicht, die Klärung ist der nächste Schritt, Zuberbühler hat Schreie in Uganda aufgenommen und analysiert sie derzeit.

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