Artenschutz: Kein Fisch? Dann Bushmeat!

Die Ausrottung von Wild in Afrika liegt an Europas Hunger auf Fisch.

Wenn man mit ernährungs- und umweltbewussten Bekannten bei Tisch sitzt - also höchstens Fisch verzehrt - und die Übel der Welt durchmustert, kommt irgendwann das Thema "Bushmeat". Darunter fällt alles, was in Afrikas Wäldern und Savannen für Nahrungszwecke erjagt wird: Gazellen, Elefanten, Affen. Auf dem Wildpretmarkt in Brazzaville, Kongo, gibt es Schimpansen- und Gorillafleisch, Fotos machten es vor fünf Jahren berühmt und seine Jäger bei den Satten oft verhasst. "Wenn nichts dagegen unternommen wird", mahnte Schimpansen-Schützerin Jane Goodall, "wird es in 50 Jahren von den großen Affen keine frei lebenden Populationen mehr geben."

Aber was soll unternommen werden, die Bevölkerungen wachsen - die in Ghana etwa hat sich von 1957 bis 1996 auf 18 Millionen verdreifacht - und müssen versorgt werden, auch mit Proteinen. Also wird vermehrt gejagt und gewildert, in Ghana auch in Reservaten, von dort gibt es Daten: "Von 1970 bis 1998 hat sich die Biomasse von 41 Säugetierarten um 76 Prozent verringert", bilanziert eine Gruppe um den Biologen Justin Brashares (Cambridge und Berkeley): "Lokal wurden 16 bis 45 Prozent der Arten ausgerottet" (Science, 306, S. 1180).

Das liegt am Hunger nicht nur der Ghanaer, die Forscher haben die Hypothese der "Protein-Limitation" überprüft. Die sagt nicht mehr, als dass Proteine irgendwo herkommen müssen, und dass die Menschen sich anderen Quellen zuwenden, wenn eine versiegt. In Ghana ist die versiegende Quelle der Fisch, vor allem vor der Küste des westafrikanischen Landes. Auch dort wurde die Biomasse in den letzten Jahren stark reduziert, seit 1977 um mindestens 50 Prozent, vielerorts stehen die Bestände vor dem Zusammenbruch. Dann wird sie irgendwohin weiterziehen, die Fangflotte der EU, die dafür verantwortlich ist und ihre Kapazitäten vor Westafrika seit 1950 verzwanzigfacht hat. Das geht nur mit Subventionen, 1981 flossen aus Brüssel sechs Millionen Dollar, 20 Jahre später 350 Millionen.

Der Verdacht, dass damit der Hunger an Afrikas Küsten herbeigefischt wird - und die brotlos gewordenen örtlichen Fischer auf die Jagd umstellen -, ist alt, Brashares hat ihn erstmals bestätigt. Er hat die jährlichen Fischfänge Ghanas mit den Erträgen der Jagd verglichen, sowohl landesweit als auch auf lokalen Märkten. Das Bild ist dasselbe, der Fischfang treibt die Entwicklung. Immer wenn er zurückging - die Erträge pendeln -, zogen die Fischpreise an, leicht zeitversetzt stieg das Angebot an günstigerem Fleisch: 400.000 Tonnen Bushmeat kommen im Jahr auf Ghanas Märkte.

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