Evolution: Hart an uns gearbeitet

Die lange gesuchte Gen-Besonderheit des Menschen ist gefunden.

W
ir halten uns für etwas Besonde res, weil wir an der Spitze der Nahrungskette stehen", erklärt Bruce Lahn, Genetiker der University of Chicago: "Und wir haben durchaus Recht damit. Unsere Gruppe hat zeigen können, dass die Evolution des Menschen ein privilegierter Prozess war."

Damit ist eine große Beunruhigung gemildert. Wir sehen doch anders aus als unsere Vettern, die Schimpansen, und wir halten uns für die Krone nicht nur der Nahrungskette, sondern der ganzen Schöpfung. Aber im Inneren, in den Genen, will sich kaum eine Differenz zeigen. In einem Gen der Kaumuskulatur - und damit Sprachfähigkeit - unterscheiden wir uns von den Schimpansen, vielleicht auch in einem für Sprache im Gehirn. Das ist es schon.

Möglicherweise liegt das daran, dass wir immer Schimpansen zum Vergleich nehmen, sie sind zu eng mit uns verwandt, um Unterschiede auffällig zu machen. Deshalb ist Lahn weiter zurückgegangen, zu Rhesus-Affen. Und er hat nicht Gene verglichen, sondern ihre Produkte: Proteine, vor allem die, die die Entwicklung des Gehirns steuern. Zudem hat er den Vergleich erweitert: Die Primaten, zu denen wir gehören, haben sich von den Rhesusaffen vor 25 Millionen Jahren getrennt. Nicht ganz so weit auseinander sind Mäuse und Ratten - sie gingen vor 20 Millionen Jahren getrennte Wege -, aber sie bilden eine gute Vergleichsgruppe, wenn man sehen will, wie rasch sich Proteine in Arten verändert haben.

Ratten und Mäuse haben etwa gleich große Gehirne, bei ihnen ist nicht viel weitergegangen. Menschen haben das sechs- bis neunfache Hirnvolumen von Rhesus-Affen. Das kommt daher, dass bei ihnen Proteine, die bei der Gehirnentwicklung mitspielen, rascher verändert werden als bei den Rhesusaffen, und bei beiden wieder rascher als bei den kleinen Nagetieren. Das betrifft nur die für die Entwicklung wichtigen Gene, bei anderen - etwa denen, die eine Zelle in Ordnung halten -, ist die Mutationsrate nicht sehr unterschiedlich (Cell, 119, S. 1027).

Dahinter könnten alternativ zwei Mechanismen stehen, entweder haben die Gene der Gehirnentwicklung bei uns so wenig zu tun, dass sie sich den Luxus des Mutierens leisten können. Oder es hat umgekehrt eine positive Selektion auf ein rascheres Mutieren dieser Gene gegeben, irgendetwas muss ihre Entwicklung begünstigt haben. Ersteres schließen die Forscher aus, unser Gehirn ist zu komplex für Luxus. Aber was war der positive Selektionsdruck? Lahn vermutet: das Sozialleben. Das bringt uns am Ende die Schmeichelei: "Unsere Studie zeigt erstmals auf genetischer Ebene, dass die Menschen im Baum des Lebens eine einzigartige Position haben. Einfach gesagt: Die Evolution hat hart an uns Menschen gearbeitet."

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