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Klaviertastatur
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Mehr als nur exzellente Techniker: Ivo Pogorelich und Daniil Trifonov verstörten und begeisterten im Wiener Konzerthaus.

Ivo Pogorelich hat auch bei seinem jüngsten Auftritt im Konzerthaus seinem Ruf, das berühmteste Enfant terrible der internationalen Pianistenszene zu sein, alle Ehre gemacht – mit unkonventionellen Tempi, ungewohnten Phrasierungen, oft unvermittelt zwischen brutalstem Fortissimo und irisierenden Piano-Schattierungen wechselndem Anschlag. Was immer man gegen den 56-jährigen Belgrader vorbringen mag: Sein technisches Handwerk beherrscht er wie wenige, ein hohes Maß an intellektueller Gestaltung ist ihm nicht abzusprechen.

Als Hauptwerke hatte er sich mit Chopins b-Moll-Sonate und der Liszt-Sonate großflächige Tableaus ausgesucht. Am Beispiel von Chopins c-Moll-Nocturne wiederum demonstrierte er sein Faible für bis ins letzte Detail ausgeklügelte Anschlagskultur und wiederum für unerwartete Akzente und rhythmische Verschiebungen. Ein Wechselbad der Gefühle auch seine Darstellung von Liszts Erstem Mephisto-Walzer, bei der Pogorelich einmal mehr seine virtuosen Möglichkeiten, nicht selten begleitet von markanten Fortissimo-Schlagen, zur Schau stellte. Im Gegensatz zu seinen Chopin-Darstellungen schienen ihn die lyrischen, innigen Passagen kaum je zu interessieren.

Ein Ausnahmevirtuose ist auch der 1991 in Nizhny Novgorod geborene Daniil Trifonov. Diesen Höchstbegabten bereits als „Pianist für den Rest unseres Lebens“ zu apostrophieren, wie man in einer Kritik nachlesen kann, ist (abgesehen von der Problematik einer solchen Verallgemeinerung) allerdings zu früh. Bei Debussy und Ravel – einer Auswahl aus dem ersten Band der „Images“ und den ersten vier Stücken aus den „Miroirs“ – zeigt er sich schon als subtiler wie hinreißender Erzähler. Auch mit Strawinskys virtuos bewältigter früher Serenade in A wusste er zu beeindrucken. Für Schumanns „Symphonische Etüden“ hat er noch kein überzeugendes Konzept gefunden. Was ihm auch hier manuell staunenswert und scheinbar mühelos gelingt, vermag er noch nicht mit solcher Selbstverständlichkeit, vor allem überzeugender Dichte umzusetzen wie das von ihm schon jetzt meisterhaft beherrschte französische Repertoire. Aber wer konnte schon mit Anfang 20 alles? (dob)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2014)