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"Für Pädagogik sind Gemeinden nicht zuständig"

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Gemeindebundchef Mödlhammer will für akademisches Kindergartenpersonal nicht zahlen. Aufgabe der Gemeinden sei nur die Betreuung.

Im Herbst startet die erste akademische Ausbildung für Kindergartenpädagogen. Würden Sie den Bürgermeistern empfehlen, Absolventen dieses Studiums anzustellen?

Helmut Mödlhammer: Im Grunde ist nur die beste Ausbildung gut genug. Es muss aber klar sein, dass durch die akademische Ausbildung nicht das ganze Gehaltsschema der Kindergartenpädagoginnen auf den Kopf gestellt werden kann.

Wovor fürchte Sie sich konkret?

Ich sage es ganz offen: Die öffentliche Hand hat zur Zeit unwahrscheinliche Finanzprobleme. Deshalb warne ich so sehr vor steigenden Verwaltungs- und Personalkosten. Immerhin macht die Kinderbetreuung den größten Teil der Personalkosten in den Gemeinden aus.

Sie haben vor zwei Jahren gesagt, dass sie kein akademisch ausgebildetes Personal in Kindergärten brauchen. Bleiben Sie dabei?

Im Grund genommen sage ich das heute auch noch so. Für den Normalbetrieb eines Kindergartens ist das akademisch ausgebildete Personal nicht notwendig. Das sage ich bewusst so deutlich. Für spezielle Geschichten kann man sich den Einsatz von akademischen Kindergartenpädagoginnen schon anschauen.

Was verstehen Sie unter spezielle Geschichten?

Wenn es um Sonderkindergärten geht oder etwa um die Leitungsfunktion in einem großen Kindergarten. Und auch für die Weiterbildung der Kindergartenpädagoginnen wäre es sinnvoll, Akademikerinnen einzusetzen.

Experten widersprechen Ihnen: Der Grundstein jedes Lernens werde im Kindergarten gelegt. Deshalb sei es wichtig, akademisch ausgebildetes Personal einzusetzen.

Wenn man die Aufgaben der Gemeinden anschaut, dann ist eines klar: Die Pädagogik ist in den Kompetenzen der Gemeinde nicht enthalten, sondern rein die Betreuung.

Welche Konsequenzen hat das?

Das ist der entscheidende Punkt. Denn wenn Kindergärten tatsächlich immer mehr zu Bildungseinrichtungen werden, dann ist das Bund für die Finanzierung des Personals zuständig.

Was würde passieren, wenn in die Ausbillung der Kindergartenpädagogen komplett akademisiert würde?

In diesem Fall müsste der Bund dann die Finanzierung übernehmen.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hat die größte Ausbildungsoffensive der Kinderbetreuung in der österreichischen Geschichte angekündigt. Befürchten Sie versteckte Kosten für die Gemeinden?

Wenn nur ein gewisses Budget vorhanden ist, dann hat man eine Prioritätenreihung zu machen: Zunächst brauchen wir genügend Betreuungsplätze. Dann müssen wir schauen, dass sich die Gruppengröße an die Umstände anpasst. Wenn ich viele Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache habe, dann brauche ich mehr Betreuung. Die Ausbildung ist meines Erachtens ein Bereich, der sicherlich nicht an der Spitze steht. Außerdem müssen wir wissen, wie viel Geld vorhanden ist.

Sind die 350 Millionen Euro, die der Bund zur Verfügung stellen will, nicht genug?

Wir wissen ja noch nicht einmal, ob es sich dabei um zusätzliches Geld handelt, oder nicht.

Zu einem anderen Thema: Die Wiener SPÖ hat in dieser Woche Gratisnachhilfe in der Pflichtschule versprochen. Könnte ein derartiges Modell in den Gemeinden Schule machen?

Nein. Das kann es nicht sein. Man sollte das Schulsystem so gestalten, dass derartige Nachhilfemaßnahmen nicht nötig sind. Es kann nicht so sein, dass wir hier Geld in die Hand nehmen, um ein paralleles Schulsystem aufzubauen.

Ist die verschränkte Ganztagsschule ein Zukunftsmodell?

Das sollte am Schulstandort entschieden werden. Und zwar von Eltern, Lehrern und Schulerhaltern.

Derzeit entscheiden Eltern und Lehrer allein.

Das halte ich für nicht sehr schlau.

Sie wünschen sich also ein Mitspracherecht für die Gemeinden.

So ist es. Die Gemeinden sind nicht die Verhinderer. Es wäre gut, wenn sie mitentscheiden könnten, denn sie müssen diese Dinge ja auch organisieren. Ich kann Ihnen versprechen, dass sich jede Gemeinde bemühen wird, nicht gegen die Eltern zu entscheiden. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister müssen ja auch gewählt werden.

Zur ÖVP: Sie sitzen ja im Parteivorstand. Hat man mittlerweile eine gemeinsame Linie in Sachen Gesamtschule gefunden?

Die ÖVP ist keine dokrtinäre Partei, wo es nicht unterschiedliche Meinungen geben kann. Ich persönlich bin skeptisch, ob das funktionieren würde. Ich kenne zur Zeit keine funktionierenden Modelle.

Sie sind also nicht auf Linie der Westachse.

Ich halte nichts von Achsen.

Sind Sie glücklich darüber, dass ihr Heimatbundesland Salzburg der Gesamtschule grundsätzlich positiv gegenüber steht?

Wenn Modellregionen gestartet werden, sollte es immer eine Wahlmöglichkeit zwischen den einzelnen Schultypen geben. Dann finde ich es in Ordnung.

Könnte man einen derartigen Modellversuch auch in der Stadt Salzburg starten?

Mit Wahlmöglichkeit ist auch das akzeptabel. Man könnte in einem gewissen Stadtteil eine Modellregion machen. Es muss für Kinder aber möglich sein, auf andere Stadtteile auszuweichen.