Medizin: Golfkriegssyndrom: Sarin?

Ärzte in den USA haben eine Spur zur Ursache des rätselhaften Leidens.

Möglicherweise steht das Nervengift Sarin hinter dem Kollateralschaden, den vor allem Angehörige der US-Truppen 1991 im zweiten Golfkrieg nahmen (der erste war in den 80er-Jahren zwischen Irak und Iran): "Ich habe dauernd Schmerzen, Verdauungsstörungen, Kopfweh, Gedächtnisverlust, meine Familie ist darüber zerbrochen", klagt stellvertretend einer der Veteranen auf einer der unzähligen Homepages, die man unter dem Stichwort "Gulf War Syndrom" findet. Offiziell leiden 60.000 bis 70.000 Veteranen unter dem Syndrom, von dem man kaum mehr weiß als den Namen, und es dauerte lange, bis es überhaupt offizielle Zahlen gab, zuvor hieß die regierungsamtliche Diagnose "Stress", das ist keine Krankheit und kostet den Dienstgeber keine Entschädigung.

Nun steht zwar die Existenz außer Streit, aber die Ursache wurde nie gefunden. Kandidaten gab es viele: Den Qualm der Ölfelder, das Uran der Geschoßmäntel, Chemie- und Biowaffen des Irak und Impfungen dagegen, Insektizide - mancher GI zog mit Hunde-Flohhalsbändern in den Krieg, um sich vor Blutsaugern zu schützen. Es fand sich nichts, die Forschung ermattete, die Gelder fließen in die Erforschung der Gesundheitsfolgen des jetzigen Krieges.

Aber die Veteranenverbände sind zäh, und Robert Haley, Epidemiologe an der University of Texas, Dallas, ist es auch, er ist seit 1997 an der Syndrom-Front. Nun hat er etwas gefunden, das vielen seiner Patienten gemeinsam ist: Ihr parasympathisches Nervensystem ist durcheinander geraten. Das regelt ganz unbewusste Abläufe wie die Verdauung und den Schlaf, man kann sein Funktionieren am Herzschlag ablesen. Und beim Gulf-War-Syndrom funktioniert es so schlecht, dass der Schlaf keine Erfrischung bringt und die Verdauung gestört ist (American Journal of Medicin, Oktober).

Zudem haben die Betroffenen geringe Gehalte des Enzyms Paraoxanase im Blut. Das baut Gift wie Sarin ab. Und Sarin wurde frei im zweiten Golfkrieg, nicht als Waffe seitens des Irak wie im ersten, sondern beim US-Bombardieren der irakischen Waffenlager: Die US-Kontrollbehörde General Accounting Office hat mitgeteilt, dass die früheren Freisetzungsschätzungen des Pentagon weit untertrieben waren.

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