Am Christtag soll sich die Raumsonde von ihrem Mutterschiff lösen und auf ihr Kamikaze-Kommando gehen.
Da es sicher ist, dass Erde und Jupiter Wasser und Wolken haben, gibt es keinen Grund, warum die anderen Planeten es nicht haben sollten. Ich kann nicht sagen, dass es genau das gleiche Wasser ist wie unseres, das wäre auf dem Jupiter und dem Saturn gefroren, weil sie so weit weg sind von der Sonne. Jeder Planet muss sein eigenes Wasser haben, das zu seiner Temperatur passt. Jupiter und Saturn müssen eines haben, das nicht gefriert." Das notierte Christiaan Huygens in seinem Buch Cosmotheoros (1689), in dem er auch daran erinnerte, dass ihm am 25. März 1655 der hellste aller Saturnmonde "ins Gesicht fiel, und ich war der erste, der ihn sah mit meinem Fernrohr, das nicht länger als zwölf Fuß war".
Nach heutigen Maßen waren das 377 Zentimeter, der holländische Astronom hat die Linsen selbst geschliffen und etwas entdeckt, von dem man mit heutigen Mitteln auch nicht viel mehr sieht: Titan. Der macht seinem Namen Ehre, er ist der größte Mond des Saturn (und der zweitgrößte im Sonnensystem, nach dem Jupitermond Ganymed), hat auf der Oberfläche einen Durchmesser von 5150 Kilometer und außen an der Atmosphäre - als einziger Mond hat er eine - einen von 5550. Was dazwischen liegt, Stickstoff vor allem und Methan, trübt den Blick und heizt die Hoffnungen. In der Titan-Atmosphäre sollen ähnliche Bedingungen herrschen, wie sie auf der Erde herrschten, als das Leben entstand. Allerdings ist es kalt auf Titan, minus 180 Grad, die machen die Atmosphäre dicht, aber ein Leben schwer. Und das Beobachten eben auch. Die ersten Bilder aus der Nähe, aufgenommen in den Achtzigerjahren von Voyager 1, zeigten eine strukturlose Suppe. Und auch auf dem, was die Saturn-Sonde Cassini seit 25. Oktober schickt, sieht man viel Dunst und sonst nicht viel.
Aber die Nasa-Sonde Cassini hat etwas an Bord, was die Schleier lüften soll, Huygens, eine Sonde der europäischen ESA. Sie soll am 14. Jänner durch die Titan-Wolken hinab fahren bis zur Oberfläche, zweieinhalb Stunden, eine Vielzahl von Messgeräten ist an Bord (auch mit österreichischer Technik, Details am Montag). Beim Eintritt in die Atmosphäre ist Huygens 20.000 Stundenkilometer rasch, dann soll ein Fallschirm auf 20 bremsen, damit wird er aufschlagen, für eine weiche Landung ist er nicht gebaut.
Worauf wird er aufschlagen, auf festes Gelände oder flüssiges Ethan und Methan? Lange vermutete man, dass die Titanwolken abregnen und Ozeane speisen, darauf deuteten "Meere", die sich durch die Wolken zeigen. Aber es sind wohl Meere wie die auf dem Mond, die Kameras von Cassini haben nichts Flüssiges detektieren können (Science, 306, S. 1676). Ersatzweise haben sie bestätigt, dass es auf Titan Wetter gibt: Cassini flog am 26. Oktober und am 13. Dezember in der gleichen Entfernung vorbei, die Wolken haben sich verschoben (news@nature.com, 17.12.). Vulkane gibt es vermutlich auch, man hat etwas gefunden, das wie ein Flusstal auf einer Bergflanke aussieht: Ein Vulkan könnte im Inneren Eis geschmolzen und es als Wasser gespuckt haben.
Was wird der Träger des großen Namens also sehen? "Wir haben keine Ahnung", erklärt Gerhard Schwehm, bei der ESA zuständig für Planetare Missionen. Am Christtag um vier Uhr früh geht die Reise los, dann soll Huygens von Cassini abheben.