Die größten Einzelquellen von CO2 sind Waldbrände in Indonesien. Nun will man die Sümpfe renaturieren.
Im Oktober 2004 war Palangka Raya in dicken Rauch gehüllt. Ab dem 18. zeig te der Luftverschmutzungs-Index ge fährliche Werte. Seit 19. beträgt die Sichtweite zu Mittag 400 bis 500 und am Morgen 100 bis 200 Meter. Seitdem ist der Flugverkehr mit Djakarta eingestellt. Zudem hat die Lokalregierung Schulferien verordnet." Es brennt wieder einmal in Kalinmantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo mit seinem Zentrum Palangka Raya. Aber dort brennt es neuerdings jedes Jahr, man nimmt es im Rest der Welt schon gar nicht mehr wahr, zu Unrecht: Die bisher größten Brände fraßen sich 1997/98 durch die Wälder und Böden Indonesiens, 2,7 bis 5,8 Millionen Hektar standen in Flammen - Österreich ist 8,3 Millionen Hektar groß - und verdunkelten Südostasien. Geschätzte Einnahmeausfälle in Dollar: 4,5 Milliarden; geschätzte Emissionen in Kohlenstoff: 0,87 bis 2,57 Milliarden Tonnen.
Rechnet man es in Kohlendioxid (CO2), entsprach es 13 bis 40 Prozent der Welt-Emission des Treibhausgases aus dem Verbrennen fossiler Energieträger, anders: So viel CO2 stieß ganz Europa in diesem Jahr aus. Dabei kann von Natur her gar nicht brennen, was in großen Teilen Indonesiens und vor allem in Kalimantan wächst: Torfsumpfwälder. Das sind einzigartige Ökosysteme, in denen auf dicken Torflagen - sie sind bis zu 20 Meter mächtig, bieten keinen Halt und keine Nährstoffe - 50 Meter hohe Bäume gedeihen. Das ist eine extrem feuchte Welt, die monatelang unter Wasser steht und in der sich auch kein brennbares Material anhäuft, tote Biomasse verrottet rasch.
Großflächig brannte es erstmals 1982, das Klimaphänomen El Ni±o hatte Trockenheit gebracht. Die hatte es früher auch gebracht, aber inzwischen zogen Holzfäller ihre Furchen durch den Wald, die Sonne erreichte den Torf und trocknete ihn aus. 1997 kam El Ni±o wieder, diesmal war alles für das Inferno vorbereitet, vom Diktator Suharto persönlich. Er ersann 1995 das "Mega Rice Project": Über eine Million Hektar Torfsumpfwald sollten zur "Reisschale Indonesiens" werden. Man zog Kanäle, bis zu 30 Meter breit, insgesamt 4600 Kilometer lang, sie sollten gleichermaßen der Entwässerung der Sümpfe und der Bewässerung der Felder dienen. Aber der Torf türmt sich hoch, die Kanäle liegen tief, und "nicht einmal das Dekret eines Diktators lässt Wasser bergauf fließen" (Nature, 432, S. 144): Die Sümpfe trockneten aus, kaum ein Korn Reis wurde geerntet, die Manie endete im Desaster.
Nun versuchen internationale Forscher und indigene Dayak mit einfachsten Mitteln, die Kanäle zu verstopfen - man rammt Baumstämme in den Boden, hat aber keine Rammen, deshalb hüpfen so viele Arbeiter wie möglich im Takt. Geld gibt es kaum, obwohl der Torf seit 20.000 Jahren CO2 bindet und nun Brand für Brand freisetzt. Nature hätte eine Lösung: Die Renaturierung der Sümpfe sollte Aufforstungen gleichgestellt werden, die im Rahmen des Kyoto-Vertrags (CO2-Zertifikate) dotiert werden.