Im Rhesusaffen-Hirn werden beim Hören auch Sehzentren aktiv, wie bei uns: Vorarbeit für Sprache?
Kommuniziert wird quer durch das Tierreich, auch akustische Zeichen sind nichts Besonderes. Aber nur Menschen haben Sprache: Bilder, abstrakte Konzepte und Repräsentationen von Dingen und Zusammenhängen, mit denen wir uns verständigen können. Dabei spielen Hirnzentren zusammen, die beim direkten Reiz dieselbe Aktivität zeigen wie beim Erinnern daran, es geht also nicht um den physischen Stimulus, sondern um das Konzept, das wir davon haben.
Natürlich können auch andere Tiere Wahrnehmungen in Gruppen einordnen - in Futter etwa, oder Gesichter -, es ist nur die Frage, wie ähnlich sie uns dabei sind. Ziemlich, heißt die Antwort bei Rhesus-Affen, deren Reaktion auf akustische Reize US-Forscher mit bildgebenden Verfahren am wachen Gehirn sichtbar gemacht haben (in früheren Versuchen hat man Tiere anästhesiert). Vorgeführt wurden den Affen Geräusche aus drei Gruppen: Rhesus-Schreie, die die Tiere anstimmen, wenn Subordinate von Dominanten angegriffen werden; Rhesus-Gurren ("coos"), ein breites Spektrum freundlicher Zurufe, die etwa auf Futter hinweisen; menschliche Musik.
Alle aktivierten im Gehirn natürlich das Hörzentrum, bei der Musik blieb es auch dabei. Schreie und "coos" hingegen aktivierten auch Regionen, die für das Sehen und für die visuelle Erinnerung wichtig sind. Dabei laufen die Signale vom Hörzentrum an das Sehzentrum, die Wege sind nicht geklärt, aber die Forscher schließen aus, dass das Sehzentrum durch Augenbewegungen - auf der Suche nach der Schallquelle - aktiviert wurde. Schreie brachten zudem emotionale Hirnzentren wie die Amygdala in Erregung (Pnas, 6. 12.). In menschlichen Hirnen zeigen sich ähnliche Differenzen in der Reaktion auf bedeutsame oder nicht bedeutsame akustische Stimuli.
Natürlich weiß niemand, ob "Bedeutung" für Mensch und Rhesus dieselbe Bedeutung hat. Immerhin lässt sich aus dem Versuch schließen, dass auch die Cousins sich (mehr oder weniger emotionale) Bilder der Welt machen, vielleicht haben sie das Verfahren erfunden: "Ihr neurales System mag das Substrat sein, aus dem unser semantisches System erwuchs", schließen die Forscher.