Das Klonen schreitet voran - es gibt den ersten Erfolg bei Affen -, selbst manchen Forschern wird schwindlig.
Wie könnte eine Maus zeigen, oder wie könnte man es ihr an sehen, dass ihr Gehirn das eines Menschen ist? Diese Frage ist nicht bei einer mitternächtlichen Wirtshausrunde aufgetaucht, sondern bei einem stocknüchternen Treffen der US-Akademie der Wissenschaften, bei dem die Zunft der Stammzell-Forscher - oder, fast synonym: der Kloner - sich über ethische Richtlinien ihrer Arbeit verständigen wollte. Die gibt es erstaunlicherweise nicht, zumindest nicht in der US-Bundesgesetzgebung, die keinerlei Beschränkung des Klonens kennt: Zwar sind den Universitäten die Hände gebunden - wer mit öffentlichem Geld forscht, darf nicht klonen -, aber Private dürfen alles: "therapeutisch" klonen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen, "reproduktiv klonen" zum Kopieren ganzer Menschen.
Es ist in Gottes eigenem Land nicht verboten - in der Bundesgesetzgebung nicht, einzelne Staaten haben Regelungen -, auch wenn die USA auf der laufenden Klon-Konferenz der UNO den Fundamentalisten geben, der beide Varianten des Klonens weltweit verboten sehen will. Und es ist auch keiner zuständig. Seit die Administration Bush vor drei Jahren den Universitäten das Herstellen embryonaler Stammzellen durch Klonen verboten hat, wäscht sich die für medizinische Grundlagenforschung zuständige Behörde - das National Institute of Health, NIH - die Hände in Untätigkeit. Und der zweite Kandidat - die Food and Drug Administration, FDA - springt nicht ein, da die Forschungen noch zu weit von einer Anwendung entfernt sind.
Aber sie rücken näher, gerade ist es erstmals gelungen, Affen reproduktiv zu klonen, zumindest ist es fast gelungen: Gerald Schatten, University of Pittsburgh, hat aus Hautzellen 135 Rhesus-Affen geklont und Leihmüttern implantiert, lebend zur Welt gekommen ist keines der Tiere (news@nature.com, 21. 10.). Das Experiment gilt trotzdem als Durchbruch: Bisher hielt man es für unmöglich, Affen - wir gehören dazu - zu klonen, aber es lag offenbar nur an technischen Unzulänglichkeiten. Schatten hatte mit einer neuen Methode Erfolg, mit der, die eine koreanische Gruppe anwandte, als sie im Frühjahr erstmals einen menschlichen Klon erzeugte, ihn sich aber natürlich nicht entwickeln ließ.
Dass das natürlich ist, darüber herrschte beim Treffen in der US-Akademie Konsens, keiner der Etablierten will "reproduktiv" klonen, alle wollen es "therapeutisch", zur Gewinnung von Stammzellen. Aber von jedem Fortschritt auf diesem Weg profitieren natürlich auch die, die es ernst meinen mit dem Menschenklonen - Ärzte wie Zavos und Antinori -, das Verfahren ist identisch.
Das ist das eine Problem, das zweite sind die fehlenden Richtlinien bei der Gewinnung von embryonalen Stammzellen, bis zum Frühjahr will man sie entwickelt haben. Keine Einigung gab es hingegen in der Frage der Verwendung der Zellen, bei eingangs erwähnter Maus: Um die Fähigkeiten der menschlichen Zellen zu testen, überträgt man sie auf Mäuse. Das hat man schon mit Stammzellen für Hirnzellen getan, und man könne durchaus auch Mäuse bauen, deren gesamtes Gehirn menschlich ist, es habe nur noch niemand getan. Das gab bei der US-Akademie Krebsspezialist Irving Weissman zu Protokoll (Nature, 431, 885).
Er baut bei jedem seiner Stammzell-Versuche Chimären, Mischwesen aus Mensch und Maus, und natürlich machen es die anderen auch. Nicht nur sie: Es gibt alle erdenklichen Chimären, Mäuse mit menschlichem Immunsystem, Mäuse mit menschlichen Brüsten - die Maus mit dem potenziellen ganzen Gehirn aktiviert nur spezielle Gänsehäute, auch bei vielen Forschern. Nicht bei Weissman: "Der Igitt-Effekt ist kein Grund, ein Experiment zu verbieten!"