US-Ärzte haben ein Protein identifiziert, das infarktgeschädigte Herzen regenerieren kann.
Prometheus ist nicht nur der Schöp fer der Menschen und ihr Lichtbrin ger, er ist auch die Ikone der regene rativen Medizin: 30.000 Jahre war er im Kaukasus angekettet, jeden Tag traf ihn Zeus' Rache für seine Menschenfreundlichkeit: Ein Adler hackte Teile der Leber aus ihm heraus. Jede Nacht wuchsen sie nach. Das deckt sich mit dem Stand der Medizin, die Leber kann sich teilweise erneuern. Aber Prometheus weckt noch größere Hoffnungen: In einer Variante des Mythos zerreißt der Adler nicht die Leber, sondern das Herz.
Das kann sich bei gewöhnlichen Sterblichen nicht erneuern, aber wenn man einen Weg dazu fände, hätte man - noch ein Mythos - den Gral der Medizin. Allein in den USA erleidet eine Million Menschen im Jahr einen Infarkt, und es trifft nicht nur die Alten. Versagende Herzen sind - abgesehen von Infektionskrankheiten - Todesursache Nummer eins bei Kleinkindern. Auch daher rührt der Tanz um die Stammzellen: Man will Herzen mit ihnen reparieren, mit Stammzellen von Muskeln oder des blutbildenden Systems. Aber der Aufwand ist groß - man muss die Zellen erst isolieren -, und die Erfolge sind gering, wenige Stammzellen entwickeln sich zu Herzmuskelzellen.
Nur in einem Fall wirken solche Zellen unbestritten: Dann, wenn sie ein Protein in besonders hoher Konzentration produzieren und ausschütten, das Enzym Akt, auch Protein Kinase B genannt (Nature Medicine, 9, S. 1195). Das ist eine zentrale Station auch auf einem Weg, auf dem das prometheische Unterfangen erstmals gelungen ist: Ärzte der University of Texas, Dallas, haben infarktgeschädigte Mäuseherzen geheilt, ohne Stammzellen, mit einem Protein. Es heißt Thymosin [*]4 und zeigt seine Kraft zuerst in der Embryonalentwicklung, es baut das junge Herz mit auf, sorgt dafür, dass die Muskelzellen an die richtigen Orte wandern und kräftig schlagen. Zudem ist es an der Bildung ("Angiogenese") der Blutgefäße beteiligt, die auch das Herz selbst versorgen.
Und es hilft bei der Heilung von Wunden der Haut, dort wird es als Medikament schon eingesetzt, man bräuchte keine langen Sicherheitstests, wenn man Thymosin [*]4 an Menschen ausprobieren wollte. Dann müsste es nur noch wirken wie bei Mäusen: Dort hält es Herzmuskelzellen in Kultur lange lebendig, dort minimiert es Infarktschäden stark (Nature, 432, S. 466). Beides läuft über eine Molekülkaskade, die bei Thymosin [*]4 beginnt und bei Akt endet, in beiden Fällen lässt es Zellen an die lädierten Stellen wandern und sie regenerieren. Wie das im Detail geht, ist nicht ganz klar, die Ärzte vermuten einen Zusammenhang mit einem körpereigenen Schutz bei Infarkten.