Klonen: Stammzellen? Mit islamischem Recht vereinbar!

Die UNO will das Klonen regeln, aber die Aussichten sind gleich null, zu verhärtet sind die Fronten.

"Verbietet das therapeutische Klonen nicht, das würde die Hoffnung von Millionen zerstören", sprach Christopher Reeve am 13. Oktober auf einer Pressekonferenz in New York. Daran wäre nichts Besonderes - der Schauspieler und Querschnittsgelähmte hat oft für die Stammzell-Forschung plädiert -, wäre die Pressekonferenz nicht von der Vertretung Südkoreas in der New Yorker UN-Zentrale abgehalten worden und wäre Reeve nicht drei Tage zuvor verstorben. Seine Stimme kam vom Band, sie zog die Auseinandersetzung um das Klonen noch einmal emotional hoch: Ab morgen sucht die UNO eine internationale Regelung des Klonens.

Sie wird so vergeblich suchen wie vor einem Jahr, als man sich ohne Ergebnis vertagte, zu unvereinbar sind die Standpunkte: Eine Gruppe von 60 Nationen - nominell geführt von Costa Rica, in Wahrheit von den USA und dem Vatikan - will jedes Klonen verboten sehen, das "reproduktive", bei dem Kopien von Menschen erzeugt werden könnten, und das "therapeutische", bei dem Embryonen erzeugt werden sollen, um embryonale Stammzellen zu gewinnen. Das Verfahren ist dasselbe, im einen Fall reift ein Embryo heran, im anderen wird er zerstört. Aber nur so lassen sich die Stammzellen gewinnen, und viele Staaten wollen das moralische Dilemma zugunsten der medizinischen Hoffnungen lösen und nur das reproduktive Klonen verbieten - darüber sind alle einig -, das therapeutische hingegen zulassen. Diese Position hält eine Gruppe von 20 Ländern, vorneweg Belgien, auch das ein Strohmann, dahinter stehen Länder, in denen die Stammzellforschung boomt, Großbritannien und Singapur.

Und Südkorea, wo das bisher einzige therapeutische Klonen gelang, zumindest das einzige offiziell bekannte, es gibt viele Gerüchte über China. Aber die Südkoreaner waren nicht allein auf ihrer Pressekonferenz, Mitveranstalter war die "Coalition for the Advancement of Medical Research", ein Zusammenschluss von US-Selbsthilfegruppen. Sie bringt nicht nur Reeve ins Spiel, auch andere Prominente eilen vor die Kameras, Ronald Reagans Frau Nancy etwa und seine Tochter Patti Davis, eine Schriftstellerin, die ihrer Haltung in der Stammzellfrage wegen von der Heilsarmee von einem vereinbarten Vortrag ausgeladen wurde und das Honorar nun einklagen will.

Noch ein Ex-Schauspieler ist mit dabei, Arnold Schwarzenegger. Am Montag hat er für Kalifornien einen Drei-Milliarden-Dollar-Topf für das therapeutische Klonen geöffnet, damit unterläuft er die landesweite Gesetzgebung. Die gilt seit einer Grundsatzrede von George Bush am 9. August 2001 und ist etwas verwirrend: Grundsätzlich ist jedes Klonen - auch das reproduktive - zugelassen. Verboten ist es nur Forschern, die öffentliches Geld bekommen, Private dürfen, was sie wollen. Dagegen läuft die universitäre Forschung Sturm - Präsidentschaftskandidat John Kerry hat sich auf ihre Seite geschlagen -, die University of Harvard hat einen Ausweg gefunden und für ihre Forscher Privatgeld aufgetrieben, nicht zufällig im Vorfeld der UNO-Konferenz.

Mitentscheidend für deren Verlauf werden die muslimischen Staaten, aber sie sind gespalten, wenngleich eine fatwa (Rechtsauskunft) des ägyptischen Muftis Ahmad at-Tayib keine Einwände gegen das therapeutische Klonen hat ("mit islamischem Recht vereinbar"). Österreich würde gerne alles Klonen verboten sehen, will sich aber um einen breit tragbaren Kompromiss mühen.

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