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Wien-Ottakring: Mord mit Handgranate ist geklärt

Ermittler am Tatort in Ottakring
Ermittler am Tatort in OttakringAPA/HERBERT NEUBAUER
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Mit dem Doppelmord in Ottakring hat die Wiener Polizei den letzten ungeklärten Mordfall der vergangenen fünf Jahre gelöst. Drei Verdächtige sind geständig, aber viele Fragen noch offen.

Wien. Er zählte zu den spektakulärsten Kriminalfällen Wiens der vergangenen Jahre: jener Doppelmord auf offener Straße in der Nacht auf den 11. Jänner. In der Odoakergasse in Ottakring starben zwei Männer in einem BMW, in dem eine Handgranate detonierte. Eines der Opfer, ein deutscher Geschäftsmann, erlag kurze Zeit nach der Explosion seinen Verletzungen. Der zweite Mann, ein bosnischstämmiger SPÖ-Politiker aus Oberösterreich, war zuvor im Wagen durch drei Schüsse getötet worden.

Was brachte die Männer nach Ottakring? Wer hat sie getötet? Und warum? Lange gab es wenig neue Erkenntnisse. Nun, fast drei Monate nach der Tat, fasste die Polizei drei Tatverdächtige - zwei Männer und eine Frau. Und sie zeigten sich in den ersten Einvernahmen geständig. Kristijan H., ein 34-jähriger österreichischer Staatsbürger kroatischer Herkunft, sagte am Freitag aus, den Politiker im BMW erschossen und im Anschluss die Handgranate gezündet zu haben.

Bei der Explosion wurde der zweite verhaftete Mann, der Serbe Dejan V. (29), verletzt. Damit, so Polizeisprecher Thomas Keiblinger, sei bewiesen, dass auch er am Tatort war. Welche Verletzungen V. davongetragen hat, will die Polizei nicht sagen. Sie würden aber eindeutig von der Handgranate stammen. Die Rolle der verhafteten Renata H. (42) - sie ist die Schwester des geständigen Kristijan H. - ist dabei noch unklar. Ob sie am Tatort war, steht aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Inhaftierten noch nicht fest.

Inzwischen wurde klar, dass der Bombenfund in einem Kellerabteil in der Erdbergstraße 103 in Wien-Landstraße im Zusammenhang mit dem Handgranaten-Mord steht. Einer der Verhafteten hatte im Zuge der Einvernahme einen Hinweis auf die in dem Wohnhaus deponierte Rohrbombe gegeben, gab die Polizei am Abend bekannt.

Nach dem Geständnis sieht die Polizei den sogenannten Handgranatenmord als geklärt an: Damit, so vermeldet man, seien alle Morde, die in den vergangenen fünf Jahren in Wien begangen wurden, aufgeklärt. Wobei im Fall des sogenannten Handgranatenmordes noch viele Fragen offen sind. Da wäre etwa das Motiv. Es dürfte, wie Chefinspektor Ernst Hoffmann vom Wiener Landeskriminalamt sagte, „um Geld" gegangen sein.
Opfer und mutmaßliche Täter sollen im Streit um einen höheren Geldbetrag gewesen sein. Fest steht, dass die getöteten Männer ein Geflecht aus verschiedenen Firmen betrieben haben. Gegen den deutschen Unternehmer (57) wurde seit Dezember 2013 wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt: Er soll Diesel importiert und diesen an der Steuer vorbei an Tankstellen verkauft haben - in einer Dimension von 600.000 bis 700.000 Euro.

Immer wieder hat es geheißen, die Opfer seien Teil der europaweit agierenden „Dieselmafia" gewesen, die Treibstoff im großen Stil illegal vertreibt. Dazu wollte die Polizei am Freitag nichts sagen. Zwar hätten die Festgenommenen auch Firmen, die mit Mineralöl handeln würden, „aber nicht ausschließlich". Hier seien noch weitere Ermittlungen nötig. Noch nicht aufgetaucht ist auch die Schusswaffe, vermutlich ein Revolver amerikanischen Fabrikats. Bei der Handgranate handelt es sich um eine Defensivhandgranate aus Ex-Jugoslawien.

Cobra im Einsatz

Die drei Verhafteten kristallisierten sich während der Ermittlungen im Umfeld der Todesopfer als Tatverdächtige heraus. Offenbar beobachtete man sie schon einige Wochen lang. Die Polizei schlug Donnerstagnachmittag zu, als Dejan V., der sich nach der Tat in seine Heimat Serbien abgesetzt hatte, nach Österreich zurückgekehrt war. Er wurde - „wegen der Schwere des Verbrechens" (Hoffmann) von Beamten der Spezialeinheit Cobra auf offener Straße in Mattighofen (OÖ) festgenommen. Fast zeitgleich wurde das Geschwisterpaar in einer McDonald's Filiale in Eugendorf (Salzburg) von der Cobra abgeführt. Alle drei wurden nach Wien überstellt. Am Samstag entscheidet der Haftrichter über die U-Haft.

Der Tatort:

 

(APA/mpm)