Verhaltensforschung: Betrüger müssen büßen

Bei Wespen werden falsche Vorspiegelungen sozial bestraft.

W
enn einer mit einer Luxusuhr am Arm, aber kotigen Schuhen und vielleicht auch noch ungut riechend bei einem höheren gesellschaftlichen Ereignis erscheint, sagen wir auf dem Opernball, dann wird das geschulte Auge der Gastgeberin die widersprüchlichen Zeichen deuten und den Hochstapler mehr oder weniger diskret des Saals verweisen. Ganz ähnlich geht es bei Polistes domulus zu, der Gallischen Feldwespe. Das ist eine soziale Insektenart, bei der mehrere Weibchen gemeinsam ein Nest bauen und dann ihren Rang auskämpfen.

Den zeigen sie später auch vor, in der Musterung ihres Gesichts, sie haben dort schwarze Muster - und je weniger sie davon haben, je "gebrochener" die Muster sind, desto höher steht eine in der Hierarchie. Das ist höchst erstaunlich, weil viele andere Tierarten in die Kennzeichen ("badgets") investieren, die sie als höherrangig ausweisen. Bei diesen Wespen wird weniger investiert, und die Investition selbst kostet vermutlich auch kaum etwas: Die Bildung der Farbpigmente macht wenig Aufwand.

Das privilegiert die Wespen zur Klärung eines alten Rätsels. Viele Tiere strukturieren ihre Gesellschaften - oder Zusammenkünfte an Tränken oder Fressplätzen - mit "badgets", die wohlfeil sind, Spatzen mit Punkten auf der Brust, andere Vögel mit leicht variierten Federstrukturen. Das bringt die sozialen Strukturen in Gefahr: Niederrangige Tiere könnten sich aufputzen, es kostet ja nichts, ein paar Pigmente.

Oder doch? Eine Hypothese vermutet, dass andere Kosten anfallen, soziale. Sie konnte bisher nicht bestätigt werden, nun ist sie es ein Stück weit: Nordamerikanische Forscher haben Wespengesichter im Labor zusätzlich bemalt und die Wirkung beobachtet: Sind niederrangige Tiere aufgeputzt, werden sie von höherrangigen attackiert (Nature, 432, S. 218). Und zwar auch dann, wenn die Tiere sich zuvor nie gesehen haben: Das Höherrangige muss dem anderen den Betrug irgendwie ablesen, es braucht Referenzwerte, mit denen es das Farbmuster abgleichen kann. Welche? "Wir vermuten, dass mehrere Signale zusammenspielen: Gesicht, Körpergröße, Verhalten, Pheromone. Wenn die sich widersprechen, wird attackiert", erklärt einer der Forscher, James Dale (Simon Fraser University, Burnaby, Kanada): "Aber das ist noch Spekulation." Und es kann wenig zur Klärung der neuen Frage beitragen, die das Experiment aufgeworfen hat: Erstaunlicherweise werden nicht nur Hochgeschminkte angegriffen, sondern auch Tiere, denen die Forscher niedereren Rang angemalt haben.

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