Sind die großen Tiere am Menschen zu Grunde gegangen oder am Klima? Mehrheitlich am Menschen.
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or 50.000 Jahren waren die Konti nente noch mit über 150 Arten der Megafauna besiedelt - das sind Tie re mit mehr als 44 Kilo -, vor 10.000 Jahren waren 97 von ihnen gegangen. Oder gegangen worden, darüber herrscht seit langem Streit: Wurden sie durch einen Klimawandel verdrängt oder durch Menschen, und falls Letzteres: Fielen sie einem "Blitzkrieg" zum Opfer, in dem sie in kürzester Frist dahin gerafft wurden, oder mussten sie Schritt für Schritt im "Sitzkrieg" weichen, in dem die Menschen ihre Habitate zerstörten und ihnen - mit ihren Haustieren - neue Krankheiten brachten?
Es waren vor allem die Menschen, berichtet nun die salomonische Auswertung aller relevanten Forschungen, aber das Klima hat auch mitgeholfen, in manchen Fällen wenigstens (Science, 306, S. 70). So sind die Wildpferde in Alaska vor 12.500 Jahren ausgestorben, als noch kaum Menschen dort waren. Vermutlich hat das Ende der Eiszeit ihr Habitat von Grasland in Wald verwandelt. Aber als die Menschen dann in großer Zahl da waren, die Clovis aus der Mongolei, da ging es blitzschnell: In 1500 Jahren verschwanden 15 Arten, von Mammuts über Säbelzahntiger bis zu Riesenfaultieren.
Das war ein Krieg ohnegleichen, andernorts ging es langsamer, in Australien etwa. Dort schwanden die Großen in zwei Wellen, vor 80.000 und vor 51.000 bis 40.000 Jahren. Vor 80.000 Jahren war Australien noch nicht besiedelt, aber später wandelten die Aborigines das Ökosystem für ihre Zwecke um, vor allem mit Brandrodung. Als dieser Sieg ersessen war, begann gerade die nächste Runde, in Eurasien. Dort waren die Eiszeiten gekommen und gegangen, die Höhlenbären und Riesenhirsche hatten Stand gehalten; dort lebten auch seit Jahrhunderttausenden Menschen, Neandertaler, sie rotteten nichts aus; aber vor etwa 40.000 Jahren kam Homo sapiens, und gegen Ende der letzten Eiszeit ging die letzte Megafauna. Viele waren schon früher erlegt, aber der Norden bot Rückzugsräume, in die Menschen nur langsam vorrückten. Der Klimawandel machte dann auch diese Refugien unwirtlich.
Fehlt Südamerika, die Daten sind spärlich. Fehlt Afrika, wo sich heute noch Riesen tummeln und wenige ausgerottet wurden. Offenbar ging es ohne Vernichtung, weil Menschen und Megafauna seit Millionen Jahren koexistierten und weil die Menschen ihre Populationsdichte gering hielten, sie konnten schließlich "out of africa" den Rest der Welt erwandern. Dort wurden sie die "invasive species", die sich brachial ihr Fleisch und ihren Raum holte und sich mit ihren Erfindungen - dem domestizierten Feuer, den zweiten und dritten Häuten, Kleidung und Gebäuden - von Unbillen des Klimas unabhängig machte.