Arbeitszeit: Viele Verträge dienen "nur zum Vertuschen"

SymbolbildAPA

Während Soziologe Flecker in der ORF-Sendung "im Zentrum" die 30-Stunden-Woche forderte, sind Gastronomin Eselböck "die Stunden egal".

Ein zwölfstündiger Arbeitstag soll künftig leichter und häufiger möglich sein. Darauf haben sich SPÖ und ÖVP grundsätzlich verständigt, doch die Einigung steht auf wackeligen Füßen. Denn der Gewerkschaftsbund (ÖGB) ist nur bei einer generellen sechsten Urlaubswoche ab 25 Dienstjahren bereit, einer Erhöhung der Arbeitszeit zuzustimmen. Das betonte ÖGB-Generalsekretär Bernhard Achitz in der ORF-Sendung „im Zentrum" am Sonntagabend.

Für den ÖGB gehe es in den Verhandlungen lediglich „um eine weitere Ausnahme vom Achtstundentag", der grundsätzlich weiterhin gelte, sagte Achitz. Schon jetzt seien in Österreich „zig flexible Arbeitszeitmodelle" in Umlauf. Außerdem kritisierte er, dass von über 300 Millionen Überstunden im Jahr 60 bis 70 Millionen nicht bezahlt würden - Zahlen, die auch der Soziologe Jörg Flecker von der Universität Wien in die Debatte warf. Umgerechnet bedeute dies, dass jede fünfte Überstunde nicht bezahlt werde. Viele würden schon jetzt über ihrem Limit arbeiten, weshalb er für die Einführung der 30-Stunden-Woche eintrete.

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Gerade bei den All-In-Verträgen brauche es daher verstärkte Transparenz und Aufklärung, so Achitz. Denn die Arbeitnehmer müssten wissen, wie hoch ihr Verdienst bei der Normalarbeitszeit sei und wie hoch die Überzahlung ausfalle. Derzeit aber würden viele Verträge „einfach nur zum Vertuschen" dienen.

"Die Stunden sind mir ganz egal"

Für Sandra Micko, Personalchefin bei Microsoft Österreich, ist Flexibilität der Schlüssel zu Kreativität. Man müsse mit dem Markt gehen, betonte sie, denn die Aufträge an Unternehmen würden auch nicht immer in geordneter Abfolge, sondern schubweise erfolgen.

Die Gastronomin Eveline Eselböck komplettierte die Runde. Sie bestätigte, dass im Tourismus oft andere Realitäten herrschten - aufgrund der „Stoßzeiten". Das sei jedoch vordergründig nicht das Problem, sondern die Frage, ob die Leute „damit glücklich sind", denn „ohne den Tourismus wird's nicht gehen". Ein Wirtshaus könne nicht einfach Sperrstunde machen, wenn nebenan ein Ball stattfinde. Das sei geradezu geschäftsschädigend, meinte sie und sorgte mit ihren Ansichten vor allem auf der Kurznachrichtenplattform Twitter für Aufregung. Und sie legte noch nach: „Am Berg kann ich nicht sagen: 'So, der Lift wird jetzt abgedreht.' Ich weiß nicht, wer da glücklich ist." Die Mitarbeiter müssten „Erfüllung in der Arbeit sehen - die Stunden sind mir ganz egal."

Die Vorsitzende der Jungen Industrie, Therese Niss, schlug dieselbe Richtung ein: „Der Standort muss sich verteidigen, wir stehen im Wettbewerb." Weiters forderte Niss ein „ausgewogenes" Arbeitsrechtspaket - „mit einer sechsten Urlaubswoche wäre das aber nicht der Fall".

Ähnliches hatte zuvor Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl (ÖVP) gegenüber der „Presse" erklärt. Er wolle „niemanden über den Tisch ziehen. Ich weigere mich aber, selbst über den Tisch gezogen zu werden."

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(Red.)