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Vermisste Boeing: Signale aus der Tiefsee-Ebene

Boeing, Flugschreiber, Australien
Crew members are seen aboard the Rigid Hull Inflatable Boat after it is deployed to search for possible debris from HMAS Success as they continue to search for the missing Malaysia Airlines flight MH370(c) REUTERS (HANDOUT)
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Schiffe aus Australien und China könnten vor Westaustralien in 4500 Metern Tiefe den Flugschreiber geortet haben. Die Orte sind aber weit entfernt voneinander.

Das Perth Abyssal Plain (die Perth-Tiefsee-Ebene) ist eine fast völlig flache, konturlose, schlammige Ebene auf dem Meeresgrund vor Westaustralien. Sie hat die Form eines unregelmäßigen, von unterseeischen Gebirgen und dem Kontinentalhang begrenzten Rechtecks mit Diagonalen von 1500 bis 1700 Kilometern Länge, und ist etwa 3000 bis 4500 Meter tief. Und von ganz dort unten, aus dem nordwestlichen Eck oder etwas darüber hinaus, kommen jene Signale, die man am Sonntag aufgefangen hat und für die des Flugschreibers der vermissten Boeing hält. „Das ist bisher die aussichtsreiche Information, die wir haben“, sagte am Montag der Leiter der Suchaktion im südlichen Indischen Ozean, Air Chief Marshall Angus Houston (66), Ex-Chef der Luftwaffe Australiens und von 2005–2011 Chef aller Streitkräfte des Landes. Die Ocean Shield, ein Spezialschiff der australischen Flotte, hatte zuvor Schallsignale im Wasser empfangen, die genau die Frequenz jener Signale haben, die Flugschreiber, wenn sie ins Wasser fallen, automatisch auszusenden beginnen: nämlich 37,5 Kilohertz. Das Schiff lag zu diesem Zeitpunkt etwa 1700 km nordwestlich von Perth (s. Karte), es sucht das Meer mit Empfängern ab, die durchs Wasser gezogen werden oder tief tauchen können.

Das Problem der großen Tiefe

Allerdings ist die Zeit, die realistischerweise für die Suche nach dem Flugschreiber noch bleibt, eigentlich schon abgelaufen: Die Boeing der Malaysian Airlines ist seit 8. März nach dem Start von Kuala Lumpur Richtung Peking aus unbekannten Gründen verschollen und muss nach einem bizarren Irrflug am selben Tag im südlichen Indischen Ozean abgestürzt sein – so jedenfalls die herrschende Auffassung. Nach etwa 30 Tagen sind die Batterien des Notsenders des Flugschreibers aber bauartgemäß leer.

Ungünstigerweise hat allerdings am Samstag das chinesische Patrouillenschiff Hai Xun 01 vergleichbare Signale detektiert – an einer Stelle rund 560 km weiter im Südwesten. Selbst bei einer starken Grundströmung, die in Tiefsee-Ebenen aber unüblich ist, könnte der Flugschreiber nicht so rasch gewandert sein.

An beiden fraglichen Orten ist die Wassertiefe mit etwa 4500 Meter und mehr jedenfalls „unangenehm“. An sich übersteigt das schon einmal die Reichweite des Senders zur Wasseroberfläche, ein Problem, das man durch die Nutzung tief tauchender Sensoren aber umgehen kann. Auf der konturlosen Ebene wären, sagen Meeresbiologen, auch Trümmer gut zu orten, falls sie nicht zu tief in den meterhohen Schlamm sinken. Allerdings sind 4500 Meter auch die maximale Einsatztiefe der australischen Bluefin-Tauchroboter vor Ort, und die Bergung des Flugschreibers von dort unten jedenfalls nicht rasch möglich – von Trümmern der Boeing gar nicht zu reden.

Suchgebiete weit verstreut

Die Suchgebiete, die sich durch komplizierte Berechnungen aufgrund von Satellitensignalen der Boeing und des Treibstoffverbrauchs ergeben hatten, haben sich im Lauf der Wochen (s. Karte) stark verschoben: Angefangen hat man ganz im Südwesten, rund 1700 km von der aktuellen Position der Ocean Shield entfernt. Derzeit sind 14 Schiffe (die meisten aus China und Australien) und zwölf Flugzeuge aus mehreren Staaten im Einsatz, die abgesuchten Meereszonen sind mindestens achtmal größer als Österreich. (wg/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2014)