Deutschland - USA: Versöhnung beim Lunch

US-Präsident Bush empfängt am Freitag den deutschen Bundeskanzler Schröder.

Berlin. Ein Jahr danach scheinen die diplomatischen Wunden, die der Irak-Krieg in die deutsch-amerikanischen Beziehungen geschlagen hat, wieder verheilt zu sein. Am Freitag empfängt George W. Bush den deutschen Bundeskanzler zu einer halbstündigen Unterredung samt anschließendem Mittagessen im Weißen Haus.

Noch im Sommer hatte sich der US-Präsident dagegen gesträubt, mit Schröder überhaupt zu sprechen. "Ich kann nicht mit Schröder", soll er damals im Oval Office gestöhnt haben. Bush wollte nichts mehr zu tun haben mit jemandem, der ihm erst angeblich Unterstützung im Irak zusagt, dann aber einen "friedenspopulistischen" Wahlkampf geführt und zu allem Überdruss auch noch eine gemeinsame Anti-Kriegsfront mit Frankreich gebildet hatte.

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice musste ihren Chef kunstvoll dazu überreden, mit dem deutschen Regierungschef am Rande der UN-Vollversammlung in New York zusammenzukommen. Danach durfte Schröder das Ende der deutsch-amerikanischen Eiszeit verkünden.

Mit dem Besuch des Bundeskanzlers im Weißen Haus soll nun endgültig die Rückkehr zur diplomatischen Normalität zelebriert werden. "Ein pragmatischer Schritt", kommentiert der amerikanische Politologe Jeffrey Gedmin, der das Aspen Institute in Berlin leitet. Will Bush die US-Armee entlasten und die Nato in den Irak holen, braucht er dafür auch Frankreich und Deutschland. Noch rechtzeitig vor der US-Präsidentenwahl sollen deshalb die transatlantischen Scherben zusammengekehrt werden.

Schröder indes ist froh, dass er nach seinem riskanten Irak-Kurs wieder in US-Gnade ist. Ein Erfolg, für den er sich angesichts seiner tristen innenpolitischen Aussichten gerne feiern lässt. "Keine deutschen Soldaten in den Irak" - dies sei nach wie vor eine "rote Linie" der deutschen Außenpolitik, verlautete am Mittwoch aus Berliner Regierungskreisen. Deutschland sei bereit, beim Wiederaufbau zu helfen, irakische Polizisten auszubilden und dem Irak Schulden zu erlassen. Auch ein Lazarett-Flugzeug könne man zur Verfügung stellen, aber keine deutschen Soldaten.

Ist wirklich alles wieder paletti? Sind die Querelen rund um den Irak-Krieg tatsächlich vergessen? Nein, meint US-Politologe Gedmin. Washington beobachte die deutsche Außenpolitik seither mit größerer Skepsis als zuvor. Deutschland sei ehrgeizig und versuche seinen Platz in der Weltpolitik neu zu definieren, diagnostiziert Gedmin.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA hätten sich schon nach dem Fall der Berliner Mauer langsam verschoben. Deutlich zutage getreten sei der Wandel aber erst während der Irak-Krise. Und derlei Interessenkonflikte würden kein Einzelfall bleiben.

"Deutschland wird uns in den nächsten zehn Jahren noch Probleme bereiten", prophezeit Gedmin. Dabei schätzt er freilich die außenpolitischen Ambitionen Berlins höher ein, als Deutschland militärisch und wirtschaftlich überhaupt zu leisten imstande sei.

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