Tiefrote Börsen in Europa – Damoklesschwert: Ukraine

Neue Spannungen in der Ukraine und der Beginn der US-Bilanzsaison haben am Dienstag die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten belastet.

Der Dax setzte die Talfahrt vom Vortag fort und fiel bis zum frühen Nachmittag um bis zu 1,3 Prozent auf 9391 Punkte. Der EuroStoxx50 büßte 1,2 Prozent ein. Im Gegenzug verteuerte sich das als sichere Anlage geltende Gold um 1,4 Prozent auf 1314,43 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Für reichlich Unmut sorgte Südzucker mit einem schwachen Ausblick. Die Aktien stürzten mit knapp 20 Prozent so stark wie noch nie ab und notierten mit 16,41 Euro so niedrig wie zuletzt im November 2010.

"Die Sorge über eine Annexion der Ostukraine hängt wie ein Damoklesschwert über den Börsen. Aber auch der Zweifel über die fundamentale Bewertung europäischer und US-amerikanischer Aktien verunsichert derzeit die Marktteilnehmer", sagte Christian Henke von IG Markets. Viele Börsianer stimmten Henke zu. Und in diesem Umfeld beginne auch noch die Bilanzsaison in den USA, von denen einige nichts Gutes erwarteten, erklärte einer die Sorgen der Anleger. Traditionell wird der Aluminiumkonzern Alcoa am Abend nach Handelsschluss an der Wall Street mit der Bilanzvorlage den Reigen eröffnen. Sollten sich die Firmenergebnisse verbessern, könne mit einer Erholung des Marktes gerechnet werden, sagte David Thebault, Chef-Händler des Brokerhauses Global Equities, voraus. "So weit sind wir aber noch nicht."

Auch Nebenwerte teils deutlich unter Druck

Europas größter Zuckerproduzent Südzucker stellte nach einem Einbruch des operativen Ergebnisses im abgelaufenen Geschäftsjahr für 2014/2015 einen weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang in Aussicht. Bei dem Kurseinbruch ging die Hälfte des gesamten MDax-Umsatzes auf das Konto von Südzucker. Der Ausblick sei wesentlich schlechter als befürchtet ausgefallen, schrieben die Analysten der Nord LB. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser sprachen von einem verheerenden Ausblick und senkten ihr Kursziel um etwa ein Drittel auf 10,20 Euro. Parallel dazu brachen CropEnergies um 6,2 Prozent auf 4,90 Euro ein. Die Südzucker-Tochter äußerte sich ebenfalls pessimistisch zu den Geschäftsaussichten.

Im Dax gingen die Verluste quer durch alle Sektoren. Besonders unter Druck gerieten nach einer Verkaufsempfehlung der Analysten von Bank of America/Merril Lynch die Aktien von Infineon, die bis zu 3,8 Prozent verloren. Ebenfalls ganz unten im Dax standen Commerzbank mit einem Abschlag von bis zu 3,6 Prozent. Hier machten Händler Gewinnmitnahmen für die Verluste verantwortlich. Die Titel haben seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zugelegt. Auch bei Lufthansa war Kassemachen angesagt: Die Aktien büßten knapp drei Prozent ein, nachdem sie seit Jahresbeginn rund 30 Prozent gewonnen haben.

Viele Anleger nutzten die Gelegenheit, im MDax Gewinne einzustreichen. Der Index brach um 2,2 Prozent ein, was angesichts einer relativ niedrigen Gewichtung nicht vorwiegend auf die Südzucker-Aktien zurückzuführen war. Auch im TecDax überwog die rote Farbe: Der Index verlor 2,5 Prozent. Kaum ein Unternehmen konnte sich dem Trend entziehen. Im SDax gehörten nach einer Analystenempfehlung die Aktien des Tiefbauspezialisten Bauer mit einem Plus von 0,3 Prozent zu wenigen Gewinnern.

Auch europaweit überwog der Pessimismus. Nach dem Verkauf von Anteilen durch den Versicherer Groupama verloren die Aktien des Baustoffkonzerns Saint-Gobain 3,5 Prozent.

Tiefrot auch der ATX

Nach klaren Kursverlusten zum Wochenstart hat die Wiener Börse am Dienstag Nachmittag bei moderatem Volumen weiter Terrain abgegeben. Gegen 14 Uhr hielt der heimische Leitindex bei einem Minus von 1,7 Prozent – Besserung nicht in Sicht.

Nach unten gezogen wurde der ATX vor allem von Bankwerten. Erste Group sackten um über zwei Prozent ab. Die RBI-Aktien büßten drei Prozent ein. Beide Titel folgten damit dem europäischen Branchentrend in die Verlustzone. 

Auch die Strabag konnte die Zugewinne nicht verteidigen. Der Baukonzern ist zusammen mit dem italienischen Branchenkollegen Salini Impregilo das erstgereihte Konsortium bei der Ausschreibung für das 380 Mio. Euro schwere Tiroler Baulos "Tulfes-Pfons". Dies teilte Salini in einer Presseaussendung mit. Wenn nun während der Einspruchsfrist niemand Einwände erhebt, kommt es im Mai zur Vergabe, bestätigte die Strabag auf Anfrage der APA.

Einzig im Plus lagen die Zumtobel-Papiere – und zwar deutlich. Am Vortag sackten die Aktien des Leuchtenherstellers noch um mehr als acht Prozent ab, nachdem die Analysten der Berenberg Bank ihre Kaufempfehlung für die Aktien zurückgezogen hatten.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.