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Wien '64: Schwerer Kerker und Fasttag für den "Opernmörder"

Prozess gegen Josef Weinwurm(c) Ernst Kloss (Presse Print)
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Josef Weinwurm tötete eine elfjährige Ballettschülerin im Duschraum der Wiener Staatsoper – und konnte fliehen. Drei weitere Frauen attackierte er. Am 10. April 1964 wurde er schuldig gesprochen.

„Lebenslänglicher schwerer Kerker... verschärft durch einen Fasttag und ein hartes Lager pro Monat, weiters an den Jahrestagen seiner Taten Dunkelhaft bei Wasser und Brot." So lautete das Urteil, das am 10. April 1964 im „Grauen Haus", dem Wiener Landesgericht für Strafsachen, verkündet wurde. Der einstimmige Schuldspruch galt einem „krankhaften Frauenhasser", wie gleich mehrere Psychiater aussagten: dem damals 33-jährigen Josef Weinwurm.

Am 12. März 1963 stapft Josef Weinwurm wütend Richtung Wiener Staatsoper. Er hatte einen Streit mit seiner Mutter, war aggressiv, wie er später in stundenlangen Verhören aussagen wird. Er sucht Zuflucht im Opernhaus am Ring. Schon öfters hat er sich dort heimlich in die Damengarderobe geschlichen.

17 Messerstiche, 14.000 Befragungen

Kurz vor 17 Uhr läuft dem aufgebrachten Mann im zweiten Stock die damals elfjährige Ballettschülerin Dagmar Fuhrich über den Weg. Sie will zur Probe. Weinwurm gibt sich als Arzt aus und deutet ihr an, in den Duschraum zu gehen. Dort sticht er bis zu 34-mal mit einem Messer auf das Mädchen ein. Etwa zeitgleich beginnt auf der Bühne die Aufführung von Richard Wagners „Walküre". Und „während Wotans Abschied erklang, ermittelte hinter den Kulissen die Mordkommission", liest man tags darauf in der „Presse". Rund 14.000 Personen werden überprüft. Doch von Weinwurm fehlt jede Spur.

Er flieht mit dem Zug nach Salzburg, München und kehrt wieder zurück. Drei Monate später macht der gebürtige Haugsdorfer selbst auf sich aufmerksam. Er schreibt eine provokante Ansichtskarte an die Polizei, auf der er sich als „Mörder von der Oper" bezeichnet.

Zu einer Festnahme kommt es nicht, stattdessen zu drei versuchten Morden: in einem Kino, im Stadtpark und in der Augustinerkirche. In letzterer trifft Weinwurm auf Virginia Caroll Chieffo, die 2005 dem „ORF" erzählen wird: „Ich blickte gerade zum Altar, als plötzlich ein Mann auftauchte, mich begrabschte und weglief... Dann kam er wieder zurück, mit einem gezückten Messer und begann auf mich einzustechen, erst auf meinen Nacken, dann auf meine Brust." Wieder kann Weinwurm entkommen.

Ein Mörder als Quelle der Inspiration

Erst am 6. August 1963 wird der Mörder am Wiener Tuchlauben festgenommen - aus Zufall. Denn als Weinwurm einer 64-Jährigen die Handtasche stehlen will, verjagt ihn diese und er flüchtet ins Nachbarhaus Tuchlauben 5, wo er von einem Sicherheitswachebeamten gestellt wird. Er kommt in Haft, im Frühjahr wird der Prozess gegen ihn eröffnet - und ein Stück Kriminalgeschichte geschrieben. Denn nie zuvor wurde über einen Mord an so prominenter Adresse wie der Staatsoper verhandelt. Nach fünf Tagen fällt der erwartete Schuldspruch gegen Weinwurm.

Weinwurm, der vor dem Mord an Fuhrich nur kleinere Diebstähle begangen hatte, wird zu einem der am längsten einsitzenden Häftlinge Österreichs. 41-mal verbringt er den Weihnachtstag in der Justizanstalt Krems-Stein. Besuch bekommt Weinwurm, der schließlich am 22. August 2004 an einem Herzinfarkt stirbt, nicht. Dafür wird er in Liedern verewigt: Georg Danzer inspirierte sein Fall zu dem Lied „Die Moritat vom Frauenmörder Wurm", die Band „Bloodsucking Zombies from outer Space" widmete ihm den Song „Frauenmörder Weinwurm".

Teil 1 und 2 des Artikels in der ''Presse'' vom 13. März 1963
Teil 1 und 2 des Artikels in der ''Presse'' vom 13. März 1963(c) Presse Digital