Griechenland: Anleihe schlägt ein wie eine Bombe

Griechenland stößt nach den Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten Evangelos Venizelos bei seinem Comeback am Kapitalmarkt auf riesiges Interesse bei Investoren.

Die fünfjährige Staatsanleihe sei mindestens um das Achtfache überzeichnet, sagte Venizelos am Donnerstag in Athen. Die enorme Nachfrage sei ein Beleg dafür, dass die Schuldenlast des Landes tragfähig sei. Finanzminister Yannis Stournaras sprach von einem "riesigen Erfolg".

Die mit einer Nominalverzinsung von 4,75 Prozent ausgestattete Staatsanleihe mit fünfjähriger Laufzeit spülte insgesamt drei Milliarden Euro in die Staatskasse – 500 Millionen mehr als ursprünglich angestrebt, wie das Finanzministerium am Donnerstag in Athen mitteilte. Etwa 90 Prozent seien an institutionelle Investoren im Ausland gegangen.

Nach Angaben des Reuters-Informationsdienstes IFR haben 550 Anleger zusammen mehr als 20 Milliarden Euro geboten. Die Rendite werde voraussichtlich bei 4,95 Prozent liegen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia begrüßte die Rückkehr: "Das sind extrem gute Nachrichten", sagte er in Athen. "Das wird Vertrauen in Europa stärken, dass die Krise überwunden wird."

Mit der ersten Anleihe seit Beginn der Schuldenkrise 2010 will das Land das Interesse der Anleger testen, bevor er sich wieder vollständig über den Markt refinanziert. Derzeit wird Griechenland mit zwei internationalen Kreditpaketen vor der Pleite bewahrt. Die Emission der Anleihe wird von der Bank of America Merrill Lynch, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, HSBC, JP Morgan und Morgan Stanley organisiert.

In einer Liga mit Ungarn – weiter hinter dem Euro-Rest

Griechenland zahlt also rund fünf Prozent für einen fünfjährigen Bond – Zum Vergleich: Bei den Renditen auf 5-Jahresanleihen ist Deutschland mit 0,587 Prozent Marktführer. Dahinter folgt gleich Österreich mit 0,698 Prozent. Dann kommen die Niederlande (0,758 Prozent), Finnland (0,830 Prozent), Belgien (0,905 Prozent), Frankreich (0,912 Prozent), Irland (1,435 Prozent), Spanien (1,726 Prozent), Italien (1,789 Prozent), Lettland (2,1 Prozent), Slowenien (2,135 Prozent) und Portugal (2,562 Prozent).

Für Griechenland wurden am Donnerstag am Sekundärmarkt noch keine Werte ausgewiesen. Vergleichbar wäre das Nicht-Euroland Ungarn mit 4,83 Prozent bei 5-Jahresanleihen und einer Rendite von 5,74 bei 10-Jahresanleihen (Griechenland hat 5,897 Prozent bei den zehnjährigen). 

Das Nicht-EU-Land Island - lange Zeit mit niedrigeren Renditen bei 10-Jahresanleihen als Griechenland - wies zuletzt mit 6,604 Prozent deutlich höhere Werte auf. Bei den 5-Jahresanleihenrenditen lag Rejkjavik zuletzt bei 5,913 Prozent.

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