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Gute Nachrichten vom Euro

(c) EPA (Karl-Josef Hildenbrand)
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Griechenland kehrte mit der Platzierung einer fünfjährigen Anleihe erfolgreich auf die Kapitalmärkte zurück. Ist die Gefahr für die Eurozone nun gebannt? Eine Bestandsaufnahme.

Brüssel/Wien. Ungebremst euphorisch – so lassen sich die Reaktionen auf die erfolgreiche Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte am gestrigen Donnerstag zusammenfassen. Vizeministerpräsident Evangelos Venizelos sprach von einem „Riesenerfolg“; die EU-Kommission jubelte über die „sehr gute Nachricht“, die „ermutigend für Europa“ sei.

Spätestens seit Irland im vergangenen Dezember als erstes Hilfsprogrammland den Euro-Rettungsschirm verlassen konnte, geht in der Union die Hoffnung auf das endgültige Ende der Krise um. Aber wie gesund sind die ehemaligen, tatsächlichen und möglicherweise künftigen Patienten des „Sanatorium-Euro“ tatsächlich? „Die Presse“ hat ein Round-up verfasst.

Griechenland (Euro-Rettungsschirm)

Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Schuldenkrise vor vier Jahren konnte der EU-Krisenstaat par excellence am Donnerstag Anleihen mit längerer Laufzeit erfolgreich platzieren und so drei Milliarden Euro einsammeln. Die Rendite für die Papiere mit fünfjähriger Laufzeit lag bei 4,75 Prozent und war damit deutlich niedriger als erwartet. Dafür war die Nachfrage umso größer, und die Papiere waren mehrfach überzeichnet. Hierfür gibt es zwei Gründe: Während den Anlegern der Appetit auf Emerging Markets vergangen ist, machten die EU im Allgemeinen und der griechische Patient im Besonderen Fortschritte. Athen peilt für heuer einen strukturellen Budgetüberschuss an, die Wirtschaft soll seit sechs Jahren wieder wachsen und die Arbeitslosigkeit etwas zurückgehen. Sorgen bereitet jedoch die suboptimale Reformbereitschaft der Regierung. Das zweite Hilfsprogramm für Griechenland läuft, insgesamt wurde dem Land mit Hilfszusagen von 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Portugal (Euro-Rettungsschirm)

Auf den Spuren Irlands will Portugal schon in wenigen Wochen wandeln: Die Regierung in Lissabon peilt den Ausstieg aus dem Hilfsprogramm der Troika für Mai an und schließt aus, noch einmal Finanzspritzen zu beantragen. Portugal musste 2001 mit insgesamt 78 Milliarden Euro ausgeholfen werden, doch mittlerweile geht die Staatsverschuldung zurück, und die Wirtschaft soll heuer zum ersten Mal seit 2010 wieder wachsen. Auch die portugiesischen Waren sind im Ausland wieder gefragt – ebenso wie die Staatsanleihen.

Zypern (Euro-Rettungsschirm)

In Zypern ist vorerst kein Wachstum in Sicht. Erst im kommenden Jahr soll die Wirtschaft die Talsohle durchschritten haben, für 2014 wird ein BIP-Minus von knapp fünf Prozent erwartet. Zwar ist Nikosia bei dem mit der Troika vereinbarten, zehn Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm auf Schiene, doch droht durch den Konflikt um die Ukraine neues Ungemach – ist doch Russland ein wichtiger Wirtschaftspartner Zyperns.

Frankreich (ESM droht)

Große Sorgen bereitet der EU-Kommission nach wie vor Frankreich. Die Behörde hat Paris im vergangenen Jahr zugestanden, die Defizitobergrenze von drei Prozent erst 2015 und nicht schon 2013 wieder einhalten zu müssen. Nun kündigte der neue Finanzminister, Michel Sapin, an, den Zeitplan zum Abbau des Defizits neu verhandeln zu wollen. In Brüssel geht die Angst um, Paris könne bei den Sparbemühungen nachlassen. Auch die Arbeitslosigkeit dürfte laut Ökonomen trotz der vom neuen Regierungschef, Manuel Valls, angekündigten Entlastungen für Firmen und Verbraucher hoch bleiben. Die französische Konjunktur hinkt der Erholung im Euroraum hinterher.

Italien (ESM droht)

Italien reiht sich seit der Regierungsübernahme durch Matteo Renzi wieder in die Reihe jener südeuropäischen Staaten ein, die sich für eine Aufweichung der Euro-Stabilitätskriterien starkmachen. Die Konjunktur will Renzi mithilfe eines 6,7 Milliarden Euro schweren Steuersenkungsprogramms wiederbeleben, das durch Ausgabenkürzungen und höhere Mehrwert- und Bankensteuereinnahmen gegenfinanziert werden soll. Dafür dürfte das Staatsdefizit heuer mit 2,6 Prozent des BIPs höher als erwartet ausfallen.

Spanien (Rettungsschirm bereits verlassen)

Im Windschatten der griechischen Emission sind die Renditen spanischer Staatsanleihen zurückgegangen. Dabei ist die politische Großwetterlage durchwachsen: Zwar erholt sich Spaniens Wirtschaft rascher als erwartet, und auch die Arbeitslosigkeit geht langsam zurück, doch die Proteste gegen das Sparprogramm der konservativen Regierung reißen nicht ab. Sorgen macht zudem die Preisentwicklung: Im März sind die Preise in Spanien überraschend gefallen – und eine Deflation ist bekanntlich Gift für Schuldenabbau.

Irland (Rettungsschirm bereits verlassen)

Irland ist das Vorzeigeland unter den Euro-Krisenstaaten. Ein hartes Sparprogramm und Hilfskredite der Europartner in Höhe von 67,5 Milliarden Euro führten den früheren Keltischen Tiger aus einer tiefen Bankenkrise. Im März gelang Dublin ein erfolgreiches Comeback bei der ersten Auktion einer Zehn-Jahres-Anleihe auf dem Finanzmarkt seit dreieinhalb Jahren. Die Arbeitslosenquote fiel auf ein Tief von 11,9 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2014)