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Krise: "Das Risiko ist immer noch im System"

Max von und zu Liechtenstein
Max von und zu Liechtenstein(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Weder in der Eurozone noch in der Weltwirtschaft könne man Entwarnung geben, sagt Prinz Max von und zu Liechtenstein, CEO der LGT Bank. An Bankenrettungen mit Steuergeld glaubt er nicht mehr.

Unser Finanzminister freut sich sehr über das Steuerabkommen mit Liechtenstein und hat auch schon 500 Mio. Euro aus den vereinbarten Einmalzahlungen ins Budget eingeplant. Ist die Summe realistisch?

Max von und zu Liechtenstein: Das kann ich nicht beurteilen, weil es uns gegenüber nicht kommuniziert wird, wie sich die österreichischen Steuerzahler schlussendlich verhalten. Teilweise bekommen wir ein bisschen etwas mit, aber nicht genug, um diesen Betrag zu kommentieren.

Und was Ihre eigene Bank betrifft?

Wir sind 2007 gestartet und die Bank hat sich sehr erfreulich entwickelt. Wir sind heute einer der erfolgreichsten Anbieter von Finanzdienstleistungen für vermögende Privatkunden und Stiftungen – mit fast 80 Mitarbeitern. Was ich sagen kann, ist, dass wir den Großteil unserer österreichischen Kunden von Wien und Salzburg aus betreuen. Aber natürlich sind Kunden auch daran interessiert, ihre Anlagen geografisch zu diversifizieren. Es gibt auch österreichische Kunden, die wir aus Liechtenstein und der Schweiz betreuen.

Was hat sich denn Ihrer Meinung nach seit der Krise im Private Banking verändert?

Es hat einen Paradigmenwechsel im Bereich Bankgeheimnis und Steuerkonformität der Kunden gegeben. Das ist sicherlich eine wichtige Veränderung. Dazu kommen die ganzen regulatorischen Veränderungen in der Finanzdienstleistungsindustrie. Die Cross-Border-Regeln sind wesentlich komplexer geworden, auch der Anlegerschutz hat zugenommen. Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass die Kosten im Private Banking gestiegen sind.

Für Bank oder Kunden?

Für alle. Wenn die Kosten für die Banken steigen, dann bleibt das normalerweise nicht ohne Folgen für die Kunden. Der Margendruck hat sich aber auch generell verstärkt. Dieser Druck aus verschiedenen Richtungen – seitens der Regulatoren, aber auch der schwierigen Finanzmärkte – führt zu einer Konsolidierung in der Branche: Es trennt sich die Spreu vom Weizen.

Können Sie einen prototypischen Kunden im Private Banking beschreiben?

Den prototypischen Privatkunden gibt es nicht, die Spanne ist extrem breit – sowohl von den beruflichen und familiären Hintergründen als auch von der Herkunft und der Investmentkompetenz her. Wenn man eine Trendanalyse drüberlegt, kann man aber sicherlich sagen, dass die Privatkunden heute generell sehr viel besser informiert und ausgebildet sind als vor zwanzig Jahren.

Für Liechtenstein hat sich durch den Wegfall des Bankgeheimnisses und die verschiedenen Steuerabkommen viel geändert. Hat viel Geld Liechtenstein verlassen?

Bei der LGT haben wir in den letzten drei Jahren in Liechtenstein an Kundengeldern dazugewonnen. Das hängt sicher stark damit zusammen, dass wir einen guten Ruf genießen. Hinzu kommt, dass politische, rechtliche und steuerliche Stabilität, wie sie in Liechtenstein und der Schweiz herrschen, den Kunden noch immer sehr wichtig sind. Da punkten wir sogar noch stärker als in der Vergangenheit. Das hat den Wegfall des Bankgeheimnisses mehr als kompensiert.

Also war die Krise und da vor allem die Eurokrise der ideale Zeitpunkt für Liechtenstein, um das Bankgeheimnis aufzugeben – weil durch die Unsicherheit trotzdem viel Geld bei Ihnen angelegt wurde?

Es war sicherlich keine bewusste Entscheidung. Aber ja, es gab diese beiden signifikanten Änderungen, die eine war positiv für den Bankenplatz und die andere negativ. Netto ist aber in den letzten drei Jahren mehr Geld in die Schweiz und nach Liechtenstein geflossen als hinausgegangen ist – bei unserer Bank jedenfalls.

Hat sich die Entspannung in der Eurozone für Sie bemerkbar gemacht? Ist weniger Geld geflossen oder Geld abgezogen worden?

Es ist kaum Geld abgezogen worden. Ich glaube, dass die meisten vorsichtigen Anleger natürlich die Entspannung mit Erleichterung angenommen haben, aber immer noch weit davon entfernt sind zu sagen: Die Probleme sind erledigt. So weit sind wir noch nicht. Die Leute sind nach wie vor besorgt.

Zu Recht? Die Notenbanken halten die Geldpolitik weiterhin sehr locker. Gleichzeitig sehen wir Höchststände an den Börsen. Kommt da die nächste Krise?

Die sehr lockere Geldpolitik kann zu Blasenbildungen führen und diese Blasen können platzen und die nächste Krise verursachen. Wir sind immer in Sorge, was Marktentwicklungen betrifft, und was sicherlich zutrifft, ist, dass man auf den Aktien- und Kapitalmärkten wieder ähnliche Tendenzen sieht wie vor Ausbruch der letzten Krise.

Eine Frage, die sich nicht nur Reiche stellen müssen, sondern jeder, der ein bisschen Geld anzulegen hat: wohin damit?

Das Investitionsumfeld ist momentan kein leichtes. Es gibt kaum Anlagebereiche, die man uneingeschränkt empfehlen kann. Insofern glauben wir, dass es wichtig ist, dass man die alten Weisheiten bezüglich Risikosteuerung berücksichtigt. Das heißt, man sollte diszipliniert diversifizieren. Anleihen und Aktien gehören natürlich weiterhin dazu.

Zwischenfrage: Ist es eigentlich schwieriger, reich zu werden oder reich zu bleiben?

Es ist sicherlich eine laufende Herausforderung, gute Renditen zu erzielen. Das Gefährlichste ist immer, zu viel Risiko einzugehen, ohne dass man die Risken wirklich kennt und versteht. Es lohnt sich, zu überlegen, ob diejenigen, die einen beraten, auch gut positioniert sind, um Beratung zu tätigen. Deswegen haben wir als Familie immer kommuniziert, wie wir unser Geld anlegen. Und wir bieten den Kunden an, parallel mit uns zu investieren. Das heißt nicht, dass wir immer richtig liegen werden, aber der Kunde hat die Gewissheit, mit uns im selben Boot zu sitzen.

Stichwort Immobilien, Kunst, etc. Sind das für Ihre Kunden auch Investmentgüter?

Viele Kunden haben in den letzten Jahren natürlich vehement in Sachgüter investiert. Oft als Teil einer Strategie. In Österreich und Deutschland wurde viel in Immobilien investiert, deswegen sind die Preise ja auch massiv angestiegen. Heißt das, dass diese Märkte nie wieder runtergehen können? Natürlich nicht. Das sind ja auch relativ illiquide Anlageformen und wenn man schaut, wo der Staat überall versucht, sich etwas abzuschneiden, wird er auch in dem Bereich wahrscheinlich wieder zulangen. Auch hier können die Preise extrem schwanken.

Wie stehen Ihre Kunden zum Gold?

Ich würde sagen, das hat sich auch wieder relativiert. Als klar wurde, dass die westlichen Zentralbanken eine lockere Geldpolitik verfolgen, war ein starker Run auf Gold da. Und wie immer, wenn ein positiver Trend vorhanden ist, springen immer mehr drauf. Nach dem signifikanten Kursverfall hat sich die Begeisterung für das Gold bei vielen Kunden etwas relativiert. Aus unserer Sicht ist Gold in einem gewissen Ausmaß in einem Portfolio vertretbar. Aber aus meiner Sicht ist Gold ein Asset, das schwer zu bewerten ist, weil es keinen Cashflow abwirft. Insofern wird Gold relativ spekulativ bleiben, aber natürlich auch immer einen Wert haben. Wir haben Kunden mit großen Beständen Andere finden es nicht so spannend.

Sie sind ja auch in Asien vertreten...

...wir sind in Singapur und in Hongkong. Ein Viertel unserer Gelder verwalten wir mittlerweile für asiatische Kunden. Wir beschäftigen über 300 Mitarbeiter in Asien und wachsen dort schneller als in anderen Märkten. Wir gehen auch davon aus, dass die Wachstumsraten in den asiatischen Märkten höher sein werden als in Europa – in den nächsten 20 Jahren.

Die LGT gehört ja Ihrer Familie...

...die Bank gehört einer Stiftung, die von der Familie kontrolliert wird.

Heißt das, die LGT ist too big to fail und wird im Notfall vom Staat gerettet?

Ich würde mich nie dafür einsetzen, dass der liechtensteinische Staat eine schlecht funktionierende LGT Bank rettet. Und ich würde niemandem mehr raten, auf der Basis von too big to fail irgendwelche Bankenentscheidungen zu treffen. Bankenrettungen haben in der letzten Finanzkrise gerade so einigermaßen funktioniert und was das die Staaten gekostet hat und in welche Probleme sie das versetzt hat, wissen wir alle. Wenn es noch einmal zu einer Krise kommt – und da ist die Wahrscheinlichkeit sicherlich nicht gleich null – dann halte ich es für wesentlich unwahrscheinlicher, dass die Staaten wieder einspringen werden, um Banken zu retten. Da wird es eher in die Richtung gehen, dass Banken abgewickelt werden und vor allem vermögende Anleger mit zum Handkuss kommen – wie wir es in Zypern schon gesehen haben.

Das politische und tatsächliche Kapital ist also verbraucht und es wäre gar nicht mehr möglich, noch mehr Banken zu retten?

Wenn Sie sich die Staatsverschuldung ansehen, dann sind die heute auf einem viel höheren – also schlechteren – Niveau als vor der Krise. Und die Schulden wachsen nach wie vor an. Insofern glaube ich: Die Staaten können sich das nicht mehr leisten und es gibt auch ganz klare Bestrebungen, die Banken smarter und besser abzuwickeln. Es muss ja die Zielsetzung sein, dass keine Steuergelder mehr benutzt werden, um schlecht gehende Banken zu retten.

Wir können es also nicht endlos verzögern, dass Anleger für Fehler bestraft werden?

In Island und in Zypern sind die Anleger ja schon bestraft worden. Das Risiko ist noch vorhanden. Das gesamtwirtschaftliche Risiko und das politische Risiko sind immer noch im System.

Steckbrief

Prinz Maximilian von und zu Liechtensteinwurde 1969 in St. Gallen als zweiter Sohn des heutigen Fürsten, Hans Adam II., geboren. Er studierte an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie an der Harvard Business School. Von 2000 bis 2006 war er bei JP Morgan in New York.

Seit 2006 ist er Vorstandsvorsitzender der LGT Group, die sowohl Private Banking für reiche Privatkunden als auch Asset-Management für institutionelle Anleger wie Pensionsfonds betreibt. Die Bank hat rund 1900 Mitarbeiter und verwaltet Vermögenswerte von über 100 Mrd. Dollar. Die Bank wird von einer Familienstiftung des Hauses Liechtenstein kontrolliert und verwaltet auch einen Teil des Vermögens der Fürstenfamilie. Im Jahr 2008 verkaufte ein Mitarbeiter der LGT Kundendaten nach Deutschland, was eine Steueraffäre auslöste.

In Österreich ist die LGT Bank seit 2007 aktiv. Unter dem Österreich-Chef Meinhard Platzer ist man erst kürzlich in neue Büros im Liechtensteiner Winterpalais in der Wiener Bankgasse übersiedelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2014)