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E-Control: Mehr Unabhängigkeit bei Gas nur zu höheren Kosten

APA/EPA/Eustream / HANDOUT
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Derzeit seien keine Versorgungsengpässe zu befürchten, so die E-Control. 18 EU-Staaten decken mehr als die Hälfte ihres Gasbedarfs aus Russland.

Die Krise zwischen Russland und der Ukraine ist in Sachen Gasversorgung für EU und Österreich aus Sicht des Energieregulators E-Control zu meistern. Das bringt längerfristig aber Kosten und diese trägt im Normalfall der Kunde, so Behördenchef Walter Boltz Montagabend. Mehr Unabhängigkeit, etwa durch bessere Netze, sei eine Preisfrage.

Trotz der Verschärfung der Situation in den vergangenen Tagen gibt es derzeit aber keine Einschränkungen beim Gas, das aus Russland über die Ukraine in die EU fließt, so Boltz. Versorgungsengpässe seien momentan nicht zu befürchten. "Die Gazprom ist sehr motiviert, die vertraglichen Verpflichtungen in jedem Fall zu erfüllen." 50 Prozent des russischen Gases kommen über die Ukraine - der Rest in erster Linie über die North-Stream-Pipeline und Weißrussland.

"Keine unmittelbare Bedrohung"

Auch wenn es trotzdem vorübergehend zu einem Engpass bei aus der Ukraine geliefertem Gas kommen sollte, seien keine Schwierigkeiten zu erwarten, so Boltz. "Eine unmittelbare Bedrohung ist nicht da." Dass Gas inzwischen in beide Richtungen durch die meisten Leitungen strömen kann, helfe auch. Vor allem in der Slowakei gebe es aber rechtliche Bedenken Gas bis in die Ukraine zurückzuliefern - wie auch bei der Gazprom in Russland.

Was die Versorgung im Winter gefährden könnte, sind längere Lieferkürzungen - um die 14 Tage - ab jetzt. Dann würden die Speicher über den Sommer nicht so stark aufgefüllt werden können, wie in Normaljahren für die kalten Wintermonate, sie würden quasi "dürsten". Die Großhandelspreisentwicklung zuletzt lassen laut Boltz aber keineswegs darauf schließen, dass die Händler mit längeren Lieferkürzungen rechnen würden.

60 Prozent des Bedarfes aus Russland

Auch dass die Gasspeicherkapazitäten seit den beiden vergangenen Gaskrisen 2006 und 2009 stark ausgebaut wurden, gebe Sicherheit, sagte Boltz vor Journalisten in Wien. In Österreich gibt es Speicherkapazitäten von 8,1 Milliarden Kubikmeter. Der Verbrauch lag im vergangenen Jahr bei 7,8 Milliarden Kubikmeter. Die Speicher sind derzeit laut Boltz zu 43 Prozent gefüllt - aber etwa ein Drittel der Menge ist nicht für Österreich, sondern für die EU, in dort in erster Linie für Deutschland, hierzulande eingelagert.

Derzeit deckt Österreich seinen Gasbedarf zu 60 Prozent aus Russland, zu 20 Prozent aus Norwegen, zu 20 Prozent selbst. In der gesamten EU kamen 2013 27 Prozent des gesamten Gasaufkommens aus Russland; der Importanteil allerdings lag bei 40 Prozent. Über die Ukraine wiederum, kommen 50 Prozent dieses Importanteils nach Westen.

Mehr Balance bei Lieferanten

Für einen mittel- bis langfristigen Ersatz für den größten Anbieter - die russische Gazprom -, müsste eine gänzliche Neuausrichtung der Netzinfrastruktur eingeleitet werden. Und ob das sinnvoll ist, oder ein politisches Ziel sein sollte, "das müsste politisch erst geklärt werden", meinte Boltz. In der EU decken 18 EU-Staaten mehr als die Hälfte ihres Gasbedarfs aus Russland, beispielsweise das gesamte Baltikum zu 100 Prozent.

Boltz sprach sich dafür aus, nicht dahin zu gehen, Russland kein Gas mehr abzukaufen. Viel mehr sollten durch Investitionen ins europäische Gasnetz und die Gas-Infrastruktur insgesamt bewerkstelligt werden, dass Ausfälle egal welches Lieferanten leichter ausgeglichen werden können. Insgesamt würde das für ganz Europa aber 20 bis 25 Mrd. Euro kosten. Zahlen würden im Endeffekt wohl die Gaskunden, so der E-Control-Chef.

"Schiefergas in Europa so gut wie fix"

Boltz hat sich Montagabend relativ deutlich für eine nüchterne Beurteilung darüber ausgesprochen, wo in Europa Schiefergas gefördert werden könne. Insgesamt gehe die Tendenz derzeit noch in Richtung "mehr Importabhängigkeit". Polen und Großbritannien seien demnach besonders heiße Kandidaten, "wild entschlossen". Es gehe prinzipiell um die "Wirtschaftlichkeit je nach Region".

Jedenfalls sei das Schiefergas in den USA billiger zu fördern als am Alten Kontinent, denn hier liege es durchschnittlich weit tiefer im Erdinneren. Man dürfe nicht von vorneherein sagen, "es geht nicht", das Gas hier zu fördern, man müsse untersuchen, ob es - nach Anschauung der Kosten- und Umweltfaktoren - funktioniere. Es dürfe nicht so laufen, "als würde ich in Österreich eine Umweltverträglichkeitsprüfung von vornherein nicht angehen".

In Teilen Europas würde es jedenfalls zu einer Förderung kommen, "in England vielleicht teils Offshore". Schiefergas sei "auch durch tendenziöse Berichte" zum Teil ins falsche Licht gerückt worden, so Boltz vor Journalisten in Wien.

(APA)