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Neuer Baumax-Chef: "Brauchen keinen Investor"

Baumax-Vorstandschef Michael Hürter
Baumax-Vorstandschef Michael HürterAPA/HERBERT PFARRHOFER
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Die Heimwerkerkette brauche auch kein frisches Geld. Für Österreich und die Nachbarländer gebe es kein Schließungsprogramm, sagte Michael Hürter.

Frisches Geld braucht die Heimwerkerkette ebenso wenig wie einen Investor, sagte der seit März amtierende Vorstandschef Michael Hürter im Interview mit der APA. "Die Restrukturierung hat nie vorgesehen, dass ein Investor einsteigt." 2013 wird Baumax unter dem Strich noch immer in den roten Zahlen sein, wenngleich der Verlust weniger hoch als 2012 (126 Mio. Euro) ausfallen soll. "Das Österreich-Geschäft ist aber unter dem Strich positiv", stellte Hürter klar.

Dass die britische Heimwerkerkette Kingfisher Interesse haben soll, sei eine "echte Zeitungsente" gewesen, sagte Hürter. Es gebe sowohl für Österreich als auch für Tschechien, Ungarn und die Slowakei kein Schließungsprogramm, sagte. Hürter schloss aus, dass die Hälfte der Filialen in Osteuropa zusperren. Auch die kolportierten CEE-Garantien in Höhe von rund 400 Mio. Euro stellte der Sanierer in Abrede: "Diese Zahl ist mir unbekannt."

Türkei-Rückzug noch nicht fix

Auch aus der Türkei will sich bauMax nicht komplett zurückziehen, das sei falsch kommuniziert worden. "Die Türkei ist Bestandteil der Entscheidung Ende April/Anfang Mai. Wir haben ein ganz massives Kosteneinsparprogramm mit veränderten Öffnungszeiten und kleineren Sortimenten." Wie viele der knapp über 90 Märkte in Zentral- und Osteuropa (CEE) schließen, ließ Hürter offen und verwies auf Ende April. Dann sollen die Bilanz für 2013 vorliegen und der überarbeitete Sanierungsplan stehen.

Zur laufenden Diskussion der Banken mit der Eigentümerfamilie Essl zu einem Schuldenschnitt wollte Hürter kein Statement abgeben. Der Gesamtschuldenstand von bauMax liegt bei rund einer Milliarde Euro, davon 350 Mio. Euro Betriebsmittelkredite und 650 Mio. Euro besicherte Immobilienkredite (Hypothekarkredite).

Kooperation mit deutscher Hellwig

Hürters Ziele sind durchaus ambitioniert: "Wir wollen 2016 ein kerngesundes Unternehmen haben. Jetzt haben wir einen zyklischen Tiefpunkt, den haben wir aus meiner Sicht hinter uns gelassen und bewegen uns wieder auf 2016 zu", meinte der Vorstandschef. Das erste Quartal 2014 sei sehr gut gelaufen und auch das zweite solle ähnlich gut werden.

Auch die kürzlich eingegangene Einkaufskooperation mit der deutschen Heimwerkerkette Hellweg sei keineswegs so zu interpretieren, dass hier in irgendeiner Form eine Beteiligung eingegangen werde. "Das haben wir nicht diskutiert." Die Zusammenarbeit betreffe Beschaffung und Einkauf. Verbesserte Einkaufskonditionen sollen Einsparungen in Höhe eines "deutlich zweistelligen Millionen-Betrags" bringen. "Wir beginnen zuerst mit der Volumenbündelung, im zweiten Schritt betrifft es auch den Import. Hellwig betreibt ein Import-Büro in China, wir haben dort einen relativ großen Importanteil. Dort denke ich, kann man hoffentlich viel bewegen." Den Deal mit Hellweg hat Hürter ab dem Spätsommer 2013 eingefädelt.

Einstieg ins Online-Geschäft

Hürter sieht die Stärke von bauMax im dichten Filialnetz, dem hohen Bekanntheitsgrad und einem nach wie vor unbeschädigten Image. Er räumte jedoch Mängel bei der Beratungsleistung ein, ein Thema, "wo wir wieder mehr tun müssen". Das Sortiment sei bereits überarbeitet worden, die Kooperation mit Hellweg könnte neue Eigenmarken bringen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist der Anteil günstiger Eigenmarken bei bauMax gering. Preislich will die Kette weiter in allen Kategorien vertreten sein. "Bei 50.000 Produkten kann man nicht eine Preisklasse durchziehen", so Hürter.

Ab Juni will bauMax auch im Online-Geschäft mitmischen. Einen hohen einstelligen Millionenbetrag nahm die Firma dafür in die Hand. Wenngleich der Baumarkthandel keine typische Onlinebranche sei, sollen Kunden künftig die Möglichkeit haben, im Internet zu bestellen. Der Großteil würde anfangs wohl dennoch im Geschäft abgeholt, liefern ließe man sich nicht-beratungsintensive Produkte.

 

(APA)