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Wiens Gaskraftwerke sind "wertlos"

Wien Energie/Hans Prammer
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Die Wien Energie schrieb im Vorjahr 268 Millionen Euro Verlust. Der Wert der thermischen Kraftwerke sank um 345 Millionen Euro.

Wien. Der stadteigene Energieversorger Wien Energie kommt nicht aus den roten Zahlen. Im Vorjahr setzte es unter dem Strich ein Minus von 268,3 Millionen Euro. Hauptgrund dafür war die missliche Lage für die Gaskraftwerke der Stadt. In Summe musste der Bereich thermische Erzeugung um knapp 345 Millionen Euro abgewertet werden, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Die Gaskraftwerke sind damit auf null abgeschrieben. Schon im Geschäftsjahr 2011/2012 waren Abschreibungen von rund 70 Mio. Euro erfolgt. In den Büchern sind die Gaskraftwerke damit „wertlos".

Ob sich das wieder ändert, hänge nicht nur von den wirtschaftlichen, sondern auch von den politischen Rahmenbedingungen ab, sagte Geschäftsführerin Susanna Zapreva. Ein Sorgenkind der Wiener sind Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), bei der gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden. Wien Energie hat KWK-Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 1600 MW elektrisch an den Standorten Simmering und Donaustadt. Derzeit rechnet sich die Stromerzeugung aus mit Gas betriebenen KWK-Kraftwerken nicht. Das Unternehmen müsse Gas um 60 Euro verbrennen, um Strom zu erzeugen, der nur um 40 Euro weiterverkauft werden könne. Die Fixkosten seien da noch gar nicht mitgerechnet. "Das geht sich schlicht und einfach nicht aus", sagte Zapreva. Einfach stilllegen könne das Unternehmen die Gaskraftwerke aber nicht, da sie auch für die Wärmeerzeugung über Fernwärme verwendet würden.

Ruf nach KWK-Förderungen

Schon im Vorjahr lobbyierte Wien daher für eine staatliche Förderung für KWK-Anlagen im Rahmen des Energieeffizienzgesetzes. Auch deutsche Anlagen würden vom Staat alimentiert, so die Argumentation. Doch das Gesetz scheiterte, und im neuen Entwurf wurde das Kapitel KWK-Förderungen bis dato ausgespart.
Der Umsatz der Wien Energie lag im Vorjahr bei 1,944 Milliarden Euro. Vergleichszahlen für das Jahr davor werden wegen der neuen Konzernstruktur und der Umstellung des Geschäftsjahres auf das Kalenderjahr nicht angegeben. (auer/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2014)