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Industrie: Standort Österreich verschlechtert sich schleichend

FILE AUSTRIA VOESTALPINE EARNINGS
EPA
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Zu viel Bürokratie und zu hohe Kosten pro Mitarbeiter und für Energie seien dafür ursächlich, sagt die Industriellenvereinigung.

Die Industriellenvereinigung (IV) sehe die Abwanderungsgedanken einiger Unternehmen als Resultat eines "schleichenden Prozesses der Standortverschlechterung und eines Vertrauensverlustes in den Standort, aber primär in die Wirtschafts- und Industriepolitik", sagte Generalsekretär Christoph Neumayer im "Ö1-Morgenjournal".

So hatte die voestalpine angekündigt, ein Werk in den USA zu bauen, der Handy-Lautsprecherhersteller Knowles wird die Produktion von Wien komplett nach Asien verlagern und sogar die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich denkt laut darüber nach, die Zentrale nach Passau zu verlegen
Zu viel Bürokratie und zu hohe Kosten pro Mitarbeiter und für Energie seien die Ursache, resümiert Neumayer. So liege Österreich mit durchschnittlichen Kosten von 31,40 Euro pro Arbeitsstunde im europäischen Spitzenfeld. Neumayer nennt es ein "System der Abschöpfung". Auch müssten die Energiepreise günstiger sein und Klimaschutzziele dürften nicht zu hoch gesteckt werden.

Fokus auf Stärken

Auch für Christian Keuschnigg, Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), würden die Firmen angesichts der hohen Kosten, gerade beim Faktor Arbeit unter Druck geraten. Ob Industrie, Handel oder Bank - im Wettbewerb müssten die Kosten erst einmal verdient werden, sagt der IHS-Chef. Wenn der Export mit teuren Produkten zu schwierig werden, ist oftmals eine Standortverlagerung der logische Schritt. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse mit einer Investitions- und Innovationsoffensive gestärkt werden. Erfolgreiche Forschung und Entwicklung rechtfertige höhere Preise, sichere Arbeitsplätze und verringere zumindest die Gefahr, dass Unternehmen abwandern oder zusperren.

Die hohen Arbeits- und Energiekosten machen aber nur einen Teil der Wettbewerbsfähigkeit aus, sagt Wifo-Experte Markus Scheiblecker, der sich der Kritik grundsätzlich anschließt. Als Problem ortet Scheiblecker in Österreich die Steuer, die einen großen Keil zwischen dem, was die Unternehmen zahlen und die Arbeitnehmer herausbekommen, treibe. Da sei eine Schmerzgrenze erreicht.

Österreich müsse sich auf seine Vorteile konzentrieren, so Scheiblecker. Die liegen in den Bereichen Hochtechnologie und Bildung. Man verschwende ökonomische Ressourcen, wenn viele Abgänger aus Grundschulen nicht schreiben und lesen können. Das Wifo dränge seit langem darauf, dass mehr in Forschung und Entwicklung investiert werde. Im Schulbereich und bei der Kindererziehung solle auch mehr auf Kreativität gesetzt werden.

Berichte im "Ö1-Morgenjournal"
>>> Industriellenvereinigung
>>> Interview Scheiblecker/Wifo

(red.)