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EU will radikal weniger Plastiksackerl

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In etwa fünf Jahren soll es um 80 Prozent weniger Sackerl geben. Jeder EU-Bürger nutzt 198 Plastiksackerl pro Jahr, die Österreicher nur 51.

2010 wurden in der EU nach Schätzung der Kommission 95,5 Milliarden Plastiksackerl in den Verkehr gebracht. Nun will das EU-Parlament in den nächsten Jahren die Plastik- und Kunststoffabfälle in der EU drastisch verringern. In etwa fünf Jahren solle es bei den ganz leichten Plastiksackerl, die am häufigsten genutzt werden, 80 Prozent weniger geben, hieß es in einer Entschließung des Parlaments am Mittwoch in Straßburg. Welche Maßnahmen gewählt werden um diese Ziele zu erreichen, steht den einzelnen Staaten frei, hatte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik bei der Präsentation  seiner Reduktionspläne im November 2013 gesagt.

Diese Abstimmung ist allerdings nicht endgültig. Das Parlament muss erst noch mit den EU-Regierungen verhandeln. Die Gespräche sollten nach den Europawahlen beginnen, möglicherweise noch in diesem Jahr.

Nach einer Umfrage des Magazins "profil" hatte sich jeder fünfte Befragte in Österreich gegen ein Verbot der Sackerl ausgesprochen.

Langlebigkeit eine Gefahr

Kunststoff gilt oft als praktisch - erzeugt aber auch riesige Probleme. Plastik macht zum Beispiel einen Großteil des Mülls aus, der die Weltmeere verschmutzt. Pro Jahr gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rund zehn Millionen Tonnen Müll in die Ozeane. Umweltexperten fordern zudem, weniger Plastiksackerl zu verbrauchen. Jeder Einwohner der EU nutzt im Schnitt 198 Plastiksackerl pro Jahr. Etwa acht Milliarden Sackerl in Europa, die pro Jahr genutzt werden, landen in der Natur. Mit oft verheerenden Folgen für Ökosysteme, Tiere, Fische und Vögel.

Am wenigsten werden in Irland verbraucht: Dort sind es im Schnitt 20 Stück, darunter 18 Einwegsackerl, Österreich ist mit 51 bzw. 45 Sackerln ebenfalls am unteren Ende der Verbrauchrangliste. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Sackerl - darunter sind jeweils vier Einwegtaschen. Für Portugal werden mehr als 500 Sackerl insgesamt angegeben. Mittlerweile gibt es Kunststoffsackerl, die biologisch abbaubar sind. Aber auch sie sind bei Umweltschützern umstritten.

WKO: Mit Spatzen auf Kanonen

In der Branche sind 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Europa beschäftigt. Die weltweite Produktion von Plastik könnte sich nach Angaben der EU-Kommission bis 2050 verdreifachen. Wegen seiner Langlebigkeit - Experten gehen von bis zu 450 Jahren aus - ist Plastik eine Gefahr für die Umwelt. Wegen riesiger Müllteppiche im Meer sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger. Sie verheddern sich oder fressen Plastik. Winzige Teile könnten über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen, warnen Experten.

Es gab aber auch kritische Stimmen zur Entschließung des EU-Parlaments: "Das Europäische Parlament schießt mit Kanonen auf Spatzen. Plastiksackerl werden in Österreich im Lebensmittelhandel ohnedies entgeltlich abgegeben und die Konsumenten sind in der Mehrzahl auf Dauertragetaschen umgestiegen. Für die verbleibenden Bereiche wie etwa Buchhandel oder Apotheken haben die Plastiksackerl wesentliche Vorteile für den Konsumenten und gehören somit zu einem kundenfreundlichen Service," meinte Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung Umweltpolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

(APA/dpa)