Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Hypo-Chef: „Mehr Leichen im Keller als gedacht“

Hypo, Alexander Picker
Hypo-Chef Alexander Picker(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
  • Drucken

Die Bank sitzt auf faulen Krediten von 9,2 Milliarden Euro. In Italien wird nach Betrugsfällen der Verwaltungsrat ausgewechselt.

Wien. Massive Betrügereien in Italien, „Fehlverrechnungen“ in Bosnien und Serbien sowie faule Kredite in Milliardenhöhe: Bei der Hypo Alpe Adria reißen die Probleme nicht ab. Der seit 100 Tagen amtierende Hypo-Chef Alexander Picker sagte am Donnerstag bei der Präsentation des Vorjahresergebnisses: „Die Verluste waren schlimmer als erwartet, weil doch mehr Leichen im Keller waren, als wir gedacht haben.“ Im Einzelabschluss wies die Bank 2013 einen Verlust von 2,748 Milliarden Euro auf. Zum Vergleich: 2012 lag das Minus bei 231 Millionen Euro. Im Hypo-Konzern gab es im Vorjahr einen Verlust von 1,86 Mrd. Euro.

Eines der Hauptprobleme sind die vielen Problemkredite. Die Bank sitzt auf faulen Krediten von 9,2 Milliarden Euro. Somit gibt es bei 32,5 Prozent aller vergebenen Darlehen Probleme mit der Rückzahlung. Ein Sonderfall ist Italien, wo die Bank auf ein Geschäftsvolumen von 2,7 Milliarden Euro kommt. Bei der Italien-Tochter flogen im Vorjahr massive Betrügereien auf. Die Bank musste inzwischen tausenden geschädigten Kunden Geld zurückzahlen, weil Zinsen falsch berechnet wurden. Die italienischen Behörden führten in der Hypo-Zentrale in Udine eine Razzia durch. Auch die italienische Finanzaufsicht nahm die Geschäfte unter die Lupe. Auf Druck der Aufsicht muss die Hypo bis Ende April bei ihrer Italien-Tochter den Verwaltungsrat auswechseln.

Die Bank versichert aber, dass die Manipulationen in Italien „für den Verwaltungsrat und die Aufsichtsorgane nicht erkennbar“ gewesen seien. Laut der nun vorgelegten Bilanz wies die Italien-Tochter im Vorjahr einen Verlust von 237,7 Millionen Euro auf. In Italien ist die Zahl der faulen Kredite im Vorjahr von 656 Millionen Euro auf 906 Millionen Euro gestiegen.

Unsichere Lage in Italien

Wie es mit der Tochter in Udine weitergeht, ist unklar. Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) will bis September alle nicht zum Verkauf stehenden Hypo-Einheiten von 17,7 Milliarden Euro in eine Abbaugesellschaft einbringen. Auch das Italien-Geschäft soll dort hineinkommen. Ob die italienische Finanzaufsicht diesem Plan zustimmt, ist fraglich. Laut Hypo-Chef Picker gab es nicht nur in Italien, sondern auch in Bosnien und in Serbien „Fehlverrechnungen“, allerdings seien diese dort nicht so massiv gewesen wie in Italien.

Die Hypo kommt derzeit auf eine Bilanzsumme von 26,2 Milliarden Euro. Davon sollen 17,7 Milliarden Euro in die Abbaugesellschaft kommen. Bei den restlichen 8,5 Milliarden Euro handelt es sich um die Töchter in Südosteuropa. Diese sollen bis Jahresende verkauft werden. Laut Picker gibt es dafür Interessenten. Weitere Details und Namen verriet der Hypo-Chef nicht. Trotzdem dürfte der Verkauf nicht einfach werden. 2013 wies die Südosteuropa-Einheit einen Verlust von 285,9 Millionen Euro auf. Die faulen Kredite lagen bei 1,1 Milliarden Euro.

Nun wird der Bereich für den Verkauf herausgeputzt. Dazu sollen weitere faule Kredite von Südosteuropa in die bereits bestehende interne Abbaugesellschaft nach Klagenfurt transferiert werden. In der Bilanz wird das Südosteuropa-Geschäft mit 530 Millionen Euro bewertet. Ob die Hypo so viel Geld dafür bekommen wird, ist fraglich. Ist der Verkaufspreis niedriger als 530 Millionen Euro, sind wieder Abwertungen vorzunehmen.

Milliardengrab für den Staat

Der größte Verlustbringer in der Hypo-Bilanz ist die interne Abbaugesellschaft. Dort sind 67,7 Prozent aller eingebrachten Kredite faul. Im Vorjahr fiel allein in diesem Bereich ein Verlust von über einer Mrd. Euro an. Trotzdem blieb Picker am Donnerstag bei seiner Einschätzung, dass die Hypo den Staat noch maximal vier Milliarden Euro kosten könnte. Bislang ist der Steuerzahler schon mit 4,35 Milliarden Euro engagiert. Um bis zur Gründung der Abbaugesellschaft über die Runden zu kommen, braucht die Bank bis September eine weitere Finanzspritze von bis zu 680 Millionen Euro. Wie viel Geld der Staat später für die Eröffnungsbilanz der Abbaugesellschaft bereitstellen muss, steht noch nicht fest.

Auf einen Blick

Die Hypo verbuchte im Vorjahr einen Rekordverlust. Massive Probleme gibt es in Italien, wo die Bank tausenden Kunden Geld zurückzahlen musste, weil Zinsen falsch berechnet wurden. Auf Druck der italienischen Finanzaufsicht wird bis Ende April bei der Italien-Tochter der Verwaltungsrat ausgewechselt. Bis Jahresende will die Hypo ihre Südosteuropa-Töchter verkaufen. Dazu sollen faule Kredite von Südosteuropa in eine Abbaugesellschaft transferiert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2014)