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Autohersteller rittern um China

(c) imago/Xinhua (imago stock&people)
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Das Reich der Mitte ist der weltgrößte Absatzmarkt für die Autoproduzenten. 2013 wurden in China in Summe 16 Mio. Fahrzeuge verkauft.

Wien. Wo wäre die weltweite Autoindustrie ohne China? Bei Weitem nicht da, wo sie heute ist. Das Reich der Mitte ist aus dem Auto-Geschäft nicht mehr wegzudenken und hat die USA im Vorjahr als weltgrößten Automarkt abgelöst. Und auch die deutschen Luxushersteller reiben sich angesichts ihrer Verkaufszahlen in China seit Jahren die Hände. Bereits 28 Prozent aller Fahrzeuge verkaufen sie dort.

In den vergangenen Jahren wuchs daher die Sorge vor einer zu großen Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie in China. Doch die Unternehmen geben sich auf der Auto-Messe in Peking gelassen. Audi-Chef Rupert schlägt alle Warnungen in den Wind: „Das Risiko halte ich für viel größer, jetzt hier nicht dabei zu sein. Warum sollen wir China als großes Risiko betrachten? Die Menschen hier lieben Autos.“

Noch macht sich die Abkühlung der chinesischen Konjunktur für die Unternehmen nicht so stark bemerkbar. 2013 wurden in China in Summe 16 Mio. Fahrzeuge verkauft. Für heuer ist ein Anstieg auf 18 Mio. Stück geplant. Dennoch gehören die extremen Wachstumsraten von früher der Vergangenheit an. Chinas Markt wird heuer zwar noch um über zehn Prozent ansteigen. Doch in den vergangenen zehn bis 15 Jahren lag der jährliche Zuwachs bei im Schnitt 29 Prozent.

„Die Chinesen sind autohungrig. Das Wachstum hier ist noch lange nicht zu Ende“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte und Professor an der Universität Duisburg-Essen.

 

Subvention für Elektroautos

Mittlerweile scheinen nicht nur hohe chinesische Funktionäre und Staatsbeamte nach den Karossen aus dem Ausland zu greifen. Auch Kompaktwagen finden – angesichts einer größer werdenden Mittelschicht – zunehmend Käufer, weiß Dietmar Voggenreiter, Chinas Audi-Chef zu berichten. „Der Anteil der Privatkunden nimmt zu. Vor allem junge Leute kaufen Autos.“ Nicht zuletzt deswegen bringen sich die Unternehmen vor Ort in Stellung. Der US-Hersteller General Motors hat am vergangenen Wochenende angekündigt, in den kommenden drei Jahren zwölf Mrd. Dollar in China investieren zu wollen. Auch der Bau weiterer Werke ist geplant. Bis zum Jahr 2020 will GM seine Kapazitäten in dem Land um zwei Drittel ausbauen.

Auch der japanische Konzern Toyota schläft nicht. Das Unternehmen verlautbarte, seine neuen Hybridmodelle künftig komplett in China produzieren zu wollen. Damit umgeht der Konzern die hohen Importzölle für Motorenteile. 2013 konnte Toyota den Verkauf von umweltschonenden Hybrid-Autos auf 20.400 Stück steigern. Noch ein Jahr zuvor setzte Toyota lediglich 8000 Einheiten ab. Der Hersteller setzt darauf, dass die schärferen Klimavorschriften in China die Nachfrage nach Autos mit CO2-armen Motoren ankurbelt. Daimler präsentierte am Wochenende das erste Elektroauto für China, und auch VW will bald erste Hybridautos vor Ort bauen. Für Elektroautos gibt es in China Subventionen. Der Staat will so der wachsenden Luftverschmutzung Einhalt gebieten. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2014)