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Kriminalität in Wien: Straßenraub in Serie

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Fünf Menschen wurden innerhalb kürzester Zeit Opfer gewalttätiger Überfälle, zuletzt auch ein 13-jähriges Mädchen. Die Polizei warnt nun die Bevölkerung.

Wien. Fünf Männer und eine Frau der betrauten Ermittlergruppe im Landeskriminalamt Wien sind derzeit rund um die Uhr auf der Suche. Seit einigen Wochen erlebt die Hauptstadt eine spektakuläre Serie von Raubüberfällen auf der Straße. Der Druck ist groß: Raub, im LKA intern als „Ermittlungsbereich 02“ bezeichnet, ist ein Verbrechen, das sich unmittelbar auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger auswirkt, und dadurch zu intensiven, manchmal auch unsachlichen und politischen Debatten zur Kriminalität im Allgemeinen führt. Zu Recht. Der Betroffenheitsfaktor in der Bevölkerung ist groß.

Dabei hielt die Polizei die Sache bis vor einer Woche medial klein. Nicht aus Angst vor schlechter Presse. Erfahrene Kriminalisten wissen aber, dass zu viel Öffentlichkeit den oder die Täter warnt. Dabei ist die Chance, einen Verdächtigen zu erwischen, nie besser als unmittelbar nach der Tat.

Inzwischen gibt es derer fünf, und die Exekutive sieht sich nun gezwungen, die Bevölkerung zu warnen. Vier der bisherigen Opfer sind Frauen bzw. Mädchen, die allesamt von derselben Person und im selben Bezirk (Favoriten) überfallen und bestohlen wurden. Das letzte Opfer ist 13 Jahre alt und hatte zum Zeitpunkt des Raubs (Karsamstag) zehn Euro Bargeld bei sich. Wie bei den anderen schlug der Täter die 13-Jährige von hinten mit einem harten Gegenstand nieder, raubte die Handtasche und flüchtete. Und wie alle anderen erlitt auch sie dabei schwerste Kopfverletzungen. Die Ermittler halten es für denkbar, dass der Räuber nicht auf Beute, sondern primär auf Gewalt aus ist.

Die Sicherheitsbehörden halten den Verdächtigen für derart gefährlich, dass sie die Bevölkerung am Dienstag zur Vorsicht aufriefen. Die Ratschläge: Beobachten Sie Ihr Umfeld, insbesondere, was hinter Ihnen geschieht. Lassen Sie sich auf dem Nachhauseweg im Dunkeln begleiten, verzichten Sie auf Ablenkung wie Kopfhörer und achten Sie beim Öffnen der Haustüre darauf, ob Sie jemand dabei beobachtet. Auch ein Phantombild (siehe Kasten) wurde veröffentlicht.

ÖVP-Politiker als Opfer

Nicht auf das Konto des Serienräubers gehen dürfte der Überfall auf den ÖVP-Politiker Peter Danich. Er ist Vizedirektor der politischen Akademie der Partei. In der Nacht auf Karfreitag griffen ihn zwei Unbekannte im Bezirk Hernals an. An der Straßenkreuzung Andergasse/Dornbacher Straße traktierten sie ihn mit Faustschlägen, Fußtritten und einem Schlagring, dessen Einsatz schwere Verletzungen verursachte. Die Beute beschränkte sich auf Geldbörse und Mobiltelefon, anschließend schleppte sich Danich blutüberströmt zur nächsten Polizeiinspektion. Von dort brachte man ihn ins Spital. Einen politischen Hintergrund für die Tat schließen die Behörden derzeit aus.Aber wie ist die nun öffentlich diskutierte Gewaltwelle einzuordnen? Spiegelt sich die von Opfern, Angehörigen und Medien wahrgenommene Häufung von Übergriffen im langfristigen Trend wider?

Nein. Raub ist ein Verbrechen, das in den vergangenen Jahren immer seltener angezeigt wurde. 2006 standen bundesweit 4630 Übergriffe in der Statistik. 2012 waren es 3318. Das ist ein Rückgang um 28 Prozent. Noch deutlicher ist der Trend bei Überfällen auf offener Straße. Die Abnahme von 2372 auf 1454 entspricht einer Reduktion von 38 Prozent. Ebenfalls rückläufig sind Überfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Raub von Mobiltelefonen und Handtaschen. Das Risiko für Taxilenker hingegen ist gestiegen (siehe Grafik).

Der Einsatz von Schusswaffen bei Raubüberfällen (schwerer Raub) entwickelte sich von 2006 bis 2012 unterschiedlich. Zuletzt wurde während der Tat acht Mal geschossen, 2006 nur ein Mal. 2008 stieg diese Zahl rasant an. Drohungen mit Schusswaffen reduzierten sich von 248 auf 187 Mal. Die Fälle, in denen eine Waffe mitgeführt wurde, aber nicht zum Einsatz kam, blieben mit zwölf gleich.

(C) DiePresse

AUF EINEN BLICK

Seit Ende März häufen sich in Wien-Favoriten Raubüberfälle mit gleichem Muster. Der Täter schlug die Opfer stets von hinten nieder und beraubte sie. Am Karsamstag wurde ein 13-jähriges Mädchen zum Opfer. Die Polizei hat ein Phantombild veröffentlicht (siehe Foto unten). Der Überfall auf einen ÖVP-Politiker in Hernals wird anderen Tätern zugeordnet.

Phantombild des mutmaßlichen Serienräubers von Favoriten.
Phantombild des mutmaßlichen Serienräubers von Favoriten.(c) APA/POLIZEI (POLIZEI)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2014)