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Yline: Aufklärung nach 13 Jahren?

WIEN: PROZESS WEGEN UNTREUE UM INTERNET-FIRMA YLINE: B�HM
YLINE: BÖHM(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
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Am Mittwoch begann das Yline-Strafverfahren. Es soll geklärt werden, was 2000 und 2001 passiert ist. Das ist nicht einfach. Nach 13 Jahren sind viele Erinnerungen verblasst.

Wien. Nur wenige Zuschauer fanden sich am Mittwoch im Großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts Wien ein, obwohl dort der Untreueprozess im Zusammenhang mit dem Internetdienstleister Yline begonnen hat. Yline war einst ein Star an der Börse. Nicht wenige Anleger verloren mit der Pleite des Unternehmens viel Geld.

Yline war auch eine Firma, die einst in aller Munde war. Eine Yline-Tochter hatte beispielsweise nicht nur die Homepage des Finanzministeriums unter dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser gestaltet, sondern auch dessen umstrittene, von der Industriellenvereinigung mitfinanzierte Webseite des „Vereins zur Förderung der New Economy“. Doch erst knapp dreizehn Jahre nach der Pleite von Yline kommt es zum Prozess. „Die Anleger haben hier resigniert“, sagt Wilhelm Rasinger vom österreichischen Interessenverband für Kleinanleger im „Presse“-Gespräch. Das Beispiel von Yline zeige, dass in Österreich manche Ermittlungsverfahren zu lange dauern. „Vor drei Jahren haben sich bei mir das letzte Mal Anleger wegen Yline gemeldet, doch ich habe ihnen gesagt, dass hier nichts mehr zu holen ist“, so Rasinger. Denn Schadenersatzforderungen im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung würden nach einer so langen Zeit wenig bringen.

Schuld an den langen Ermittlungen ist zunächst die Justiz. Zwar lag schon 2005 ein Gutachten vor, doch dann passierte jahrelang nicht viel.

 

Beschuldigte leisten sich teure Anwälte

Es gab mehrere Wechsel der Staatsanwälte, die sich in den Fall immer neu einlesen mussten. „Doch es wäre falsch, nur der Justiz die Schuld zu geben“, meint Rasinger. Auch einige Beschuldigte hätten manches getan, um das Verfahren in die Länge zu ziehen. Seiner Ansicht nach sollte man die Causa zum Anlass nehmen, um auch über die Rechte der Beschuldigten nachzudenken.

Rasinger hinterfragt auch die Glaubwürdigkeit einiger Angeklagten. Viele hätten zu Prozessbeginn erklärt, über kein oder über ein geringes Vermögen zu verfügen. „Trotzdem können sich einige Angeklagte teure Anwälte leisten“, so Rasinger. Die Richterin hat im Strafverfahren Termine bis Juni fixiert. Auf der Anklagebank sitzen Yline-Gründer Werner Böhm und zehn weitere Personen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Für die wenigen Beobachter war es am ersten Prozesstag zunächst schwer, den Erklärungen des Staatsanwalts zu folgen. Denn dieser sprach besonders leise, obwohl es allgemein bekannt ist, dass die Akustik im Großen Schwurgerichtssaal schlecht ist. Als sich auch Angeklagte beschwerten, dass sie akustisch wenig verstehen konnten, half Yline-Gründer Böhm dem Staatsanwalt, das Mikrofon besser zu platzieren.

Böhm hatte im September 2001 den Konkursantrag für Yline eingebracht. Nach Ansicht des Staatsanwalts wäre Yline aber schon zu Jahresende 2000 oder im Jänner 2001 zahlungsunfähig gewesen.

 

War Yline ein Kartenhaus?

Der Vorstand hätte schon damals „die Reißleine ziehen“ sollen, so Staatsanwalt Alexander Marchart. Trotzdem seien weiterhin Aktivitäten gesetzt worden, um den Aktienkurs zu pushen. Marchart verglich Yline mit einem „Kartenhaus“, das immer höher gebaut worden sei. Man habe aber nichts unternommen, um es gegen einen Einsturz zu sichern. In dem Prozess geht es auch um Insiderhandel. Einigen Angeklagten soll es laut Staatsanwalt gelungen sein, Aktien gewinnbringend zu verkaufen.

Der Anwalt von Böhm bestritt am ersten Prozesstag alle Vorwürfe. Er kritisierte auch die lange Verfahrensdauer. Seiner Ansicht nach dürfte es im Jahr 2014 kaum mehr möglich sein, aufzuklären, was in den Jahren 2000 und 2001 passiert ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2014)