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Fokus auf Burgtheater-Krise

Günter Rhomberg: Ein strenger Herr und Kunstfreund für die Bundestheater

Kulturminister ernennt Günter Rhomberg (76) zum interimistischen Geschäftsführer der Bundestheater-Holding. Der langjährige Bregenzer-Festspiel-Präsident und Vorstand der Josefstadt-Privatstiftung folgt Georg Springer.

Schweigsam blieb Günter Rhomberg, wenn er in den letzten Monate nach der Burgtheater-Krise gefragt wurde, doch „off the records“ ließ er den ein oder anderen Satz fallen – und da konnte man hören, dass dem studierten Diplomingenieur für Bauwesen und langjährigen Manager in der Textilindustrie die Haare zu Berg standen angesichts der Malversationen in der Burg. Vielleicht hat Rhomberg (76) seine Ansichten auch Kulturminister Josef Ostermayer übermittelt.

Dieser ernannte ihn jedenfalls am Mittwoch ab 1. September zum interimistischen Geschäftsführer der Bundestheater-Holding und Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Georg Springer. Rhomberg sei bereit, das Amt bis Ende 2015 auszuüben, so der Minister. Er würdigte Rhomberg als „profunden Kenner der Kulturlandschaft und erfahrenen Betriebswirt“. Prokurist Othmar Stoss, der nach Springers Abgang mit Ende Juni die Holding geführt hat, bleibt Stellvertreter des Holding-Chefs. Die Ausschreibung der Holding-Geschäftsführung erfolge mit Umsetzung der von Ostermayer geplanten Bundestheaterreform, spätestens per 1. Jänner 2016. „Die kommenden eineinhalb Jahre werden als Übergangszeitraum wichtige Entscheidungen über die neue Struktur der Bundestheater bringen“, so Ostermayer und weiter: „Rhomberg wird durch seine jahrzehntelange Erfahrung in der österreichischen Kulturszene, aber auch durch seinen Blick von außen einen wertvollen Beitrag zur Neugestaltung der Bundestheater leisten.“

 

Minister holt sich Ratgeber für Reform

„Der Methusalem des Ländle-Festivals“ („Kleine Zeitung“), „Baumeister der Festspiele“ („OÖN“) , „Weltmann“ („Vorarlberger Nachrichten“) – so lauteten Schlagzeilen über Rhomberg. Der Bregenzer, den man bei vielen Theaterpremieren sieht, nicht nur in der Josefstadt, wo er ehrenamtlicher Stiftungsvorstand ist, ist kein „Überflieger“. In die Bücher des in den 1990er-Jahren am Rand der Pleite stehenden Josefstädter Theaters hat er sich ebenso vertieft wie zuvor in die kluge Strukturierung der Bregenzer Festspiele, deren Präsident er 31 Jahre lang war. Mit Alfred Wopmann, Musiker, Regisseur, Kenner der Opernszene, fand Rhomberg 1983 den passenden Partner für seine Pläne. Wopmann prägte die bis heute gültige Bregenzer Dramaturgie mit ihrer Mischung aus Spektakel und Anspruchsvollem. Das Bregenzer Festspielhaus wurde vergrößert, die Sitzplatzkapazität der Seebühne erweitert. Nach „Problemen mit einem betrügerischen Buchhalter“, so Rhomberg 2010 in der „Presse“ wurde das Kontrollsystem des Festivals stark verbessert. In kreative Prozesse müssen „betriebswirtschaftliche Überlegungen eingebaut werden“, sagte Rhomberg damals.

Seine letzten Bregenzer Jahre waren turbulent: Mit Intendant David Pountney gab es Misstöne, Roland Geyer (Theater an der Wien), Rhombergs Wunschkandidat, sagte für Bregenz ab. Am 1. Jänner 2015 tritt nun die Grazer Opernchefin Elisabeth Sobotka als Festspielintendantin an, unter dem neuen Präsidenten Hans-Peter Metzler. Beim Theater in der Josefstadt hat Rhomberg die Sanierung und Neupositionierung des Hauses mitgestaltet, die Stiftung bestimmt auch den Direktor, bis 2016 ist das Herbert Föttinger, den Rhomberg 2006/2007 mit den forschen Worten vorstellte, ein Theaterdirektor müsse dieser erst werden. Heute geht es der Josefstadt sehr gut, künstlerisch teilweise, vor allem wurden Haupthaus, Kammerspiele dank der Familie Pühringer saniert. (bp/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2014)