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Wiener Mädchen in Terrorhochburg

AUSTRIA SYRIA MISSING GIRLS
Sabina S.APA/EPA/INTERPOL / HANDOUT
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Samra K. und Sabina S., zwei bosnischstämmige Mädchen aus Wien, landeten wohl bei radikalen Islamisten der Isil in Nordsyrien. Das teilte der türkische Geheimdienst den österreichischen Behörden mit.

Wien. Die al-Qaida ist ihnen nicht radikal genug. Deshalb hat sich die Terrororganisation „Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil)" von Osama bin Ladens Nachfolgern losgesagt. Im Schoß von Isil dürften nun die beiden bosnischstämmigen Wiener Mädchen gelandet sein, die seit 10. April abgängig sind.

Der türkische Nachrichtendienst teilte den österreichischen Behörden mit, dass die 15-jährige Sabina S. und die 16-jährige Samra K. die Grenze nach Syrien überschritten hätten. Das erfuhr „Die Presse" aus gut informierten Kreisen. Die beiden befänden sich nun in einem nordsyrischen Gebiet, das die Isil-Kämpfer kontrollieren. Jüngst hat bereits die türkische Tageszeitung „Hürriyet" berichtet, dass ein Handysignal der Wiener Teenager in Nordsyrien geortet worden sei.

Mit Sicherheit weiß die österreichische Polizei, dass Samra K. und Sabina S. vor zwei Wochen nach Istanbul und von dort nach Adana geflogen sind, das ungefähr 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt ist. Sie folgten der klassischen Route europäischer Jihadisten in den syrischen Bürgerkrieg. Mittlerweile fahndet Interpol nach Samra und Sabina. Auf der Homepage der internationalen Polizei lässt sich anhand der Fotos die Wandlung erahnen. Auf einem davon sieht Samra K., 16 Jahre alt, wie ein unbeschwerter Teenager aus. Lächelnd, strahlende grüne Augen, das blonde Haar zum Pferdeschwanz zurückgebunden. Auf einem anderen Foto posiert sie in einer schwarzen Burka mit einem extremistischen Stirnbanner, zu erkennen nur noch an ihren Augen. Die Fotos landeten im Internet.

Wiener auf Weg nach Syrien gestoppt

Möglicherweise glitten die Mädchen in der virtuellen Welt auch in den Extremismus ab. In den sozialen Netzwerken putschen sich junge Wiener Salafisten gegenseitig auf. Zwischen Einträgen über den Teenager-Alltag zeigen sie Bilder von islamistischen Kämpfern und die schwarzen Banner des Heiligen Kriegs. In einem Facebook-Eintrag wird der Tod eines Freundes in Syrien betrauert. Auffallend viele der Islamisten tragen Abkürzungen für Tschetschenien in ihren Profilnamen oder verweisen in Einträgen auf ihre tschetschenischen Wurzeln. Sie dürften die Speerspitze der digitalen Radikalisierung bilden.

Nicht immer bleibt es beim Krieg der Worte. Auch ein in Wien lebender Bosnier, gleich alt wie Samra, schrieb radikale Einträge und machte sich dann auf den Weg nach Syrien. Doch eine Polizeikontrolle in Rumänien beendete die Reise des 16-Jährigen nun vorzeitig. Ein entsprechender Bericht der „Kronen Zeitung" wurde der „Presse" bestätigt.

Seit Beginn des Konflikts im März 2012 sind bereits mehr als 100 Österreicher zum Kampf gegen Bashar al-Assad nach Syrien aufgebrochen, mehr als ein Viertel davon hat tschetschenische Wurzeln. Rund 20 Islamisten seien bisher zurückgekehrt, sagt Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. Nur wenige sind geläutert. Einige kämen nur zurück, um neue Jihadisten anzuwerben. Und an die 20 Kämpfer aus Österreich seien in Syrien gefallen. Darunter ein siebenfacher Familienvater und tschetschenischer Flüchtling aus Wien Favoriten, wie ein Vertrauter der Familie der „Presse" sagte. Die Familie versuche, seinen Tod nachzuweisen. Sonst erhält die Witwe keine Pension.

Auch Samra S. und Sabina K. waren nach Informationen des Innenministeriums mit Tschetschenen in Kontakt. Einen davon haben die Ermittler besonders im Visier: Scheich Adem. Der tschetschenischstämmige Prediger schwingt seine salafistischen Reden in der Altun-Alem-Moschee, einem Keller in der Venediger Au im zweiten Wiener Bezirk. Er, so vermutet die Polizei, könnte die beiden Mädchen nach Syrien vermittelt haben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2014)