Cash ist fesch

Kassalade
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Warum "Cash ist fesch" derzeit keine schlechte Devise für Börsianer ist und Apple plötzlich wieder recht frisch ausschaut.

Viel hat sich in den letzten beiden Wochen nicht geändert: Die langfristigen Aufwärtstrends in den wichtigsten Indizes – etwa Dow Jones oder Dax – sind weiterhin intakt, kurzfristig geht es aber heftig auf und ab. Je nachdem, ob in der Ukraine gerade Deeskaltion vorherrscht oder die Scharfmacher wieder mit ihren Weltkrieg-III-Sprüchen herumpöbeln. Das wird uns wohl einige Zeit begleiten. Derzeit sieht es sogar nach einer deutliche Verschärfung der Situation aus.

Das ist kein Umfeld für vernünftiges Anlegen in Aktien. Zumindest dann nicht, wenn man mittel- und längerfristig orientiert ist und nicht sein Glück im Swing-Hasard versuchen will. Die grundlegende Empfehlung lautet also weiter: „Cash ist fesch“. Oder: An der Seitenlinie abwarten, bis sich der (derzeit Gott sei Dank nur verbale) Pulverdampf verzogen hat.

Für die Ungeduldigen unter uns tun wir jetzt einmal so, als gäbe es die Ukraine-Krise nicht. Selbst unter diesem Gesichtspunkt ist nicht alles eitel Wonne. Die Berichtssaison in den USA läuft nämlich durchaus durchwachsen. Der schlechte Börsenstart am Freitag in New York hatte ja auch damit zu tun, dass Amazon und Ford unerfreuliche Quartalsergebnisse abgeliefert haben.

Allerdings war auch Erfreuliches zu berichten: Microsoft und vor allem Apple (ISIN US0378331005) haben die Experten, die zuletzt schon vor einer drohenden „Tech-Bubble“ gewarnt hatten, positiv überrascht. Besonders für den iPhone-Hersteller, der seine Aktionäre im vergangenen Jahr nicht gerade verwöhnt hatte, könnte es nun ein echtes Revival geben. Als Treiber dafür fungiert wie gesagt das Smartphonegeschäft, dessen Zuwächse durchaus die Schwäche bei den iPads verdeckten. Der endlich abgeschlossene Vertrag mit China Mobile, dem größten Mobilfunkanbieter der Welt, wird auch in den kommenden Monaten für Impulse sorgen. Immerhin haben die Chinesen 700 Millionen Kunden unter Vertrag. Das ergibt ein schönes Potenzial für die ohnehin in China gefertigten Kulthandys.

Durch die wahrscheinlich überzogenen Kursverluste des Vorjahres ist die Apple-Aktie derzeit relativ günstig zu haben. Ein bevorstehender Aktiensplit dürfte zusätzlich Rückenwind geben. So gesehen ist das Papier ein guter Kandidat fürs Depot. Man darf sich von etablierten „Schlachtschiffen“ wie Apple natürlich keine „Tenbagger“-Kurssprünge erwarten, aber Aufwärtspotenzial hat die Aktie allemal.

Grundsätzlich trifft die Ukraine-Krise die europäischen Märkte deutlich direkter und härter als die amerikanischen. Besonders exponiert ist da der für österreichische Anleger sehr interessante deutsche Markt. Aber auch dort gibt es ein paar Perlen mit recht hohem Potenzial.

Eine solche wäre etwa die Biotech-firma Paion (ISIN DE000A0B65S3). Der geben die Kollegen von der deutschen Fachzeitschrift „Der Aktionär“ ein Kurspotenzial von bis zu acht Euro – was ausgehend vom derzeitigen Kurs einer Fast-Verdreifachung entspräche. Allerdings steckt das Papier in einer Korrektur, die noch nicht zu Ende ist. Die sollte abgewartet werden. Und noch etwas: Das Unternehmen ist mit einer Marktkapitalisierung von nicht einmal 90 Mio. Euro sehr klein, so dass mit relativ wenig Geld relativ viel bewegt werden kann. Es ist, bei allem Potenzial, also keine Aktie für Leute, die auf Sicherheit großen Wert legen und große Kursschwankungen hassen. Wer hier investiert, sollte den Leitspruch „No risk, no fun“ verinnerlicht haben.

Weniger volatil ist da schon die Aktie des deutschen Medizinkonzerns Fresenius (ISIN DE0005785604). Aber offenbar dennoch attraktiv: Goldman Sachs hat dem im deutschen Leitindex Dax notierenden Papier in der vergangenen Woche nach der Vorlage der Quartalszahlen eine Kaufempfehlung mit dem Kursziel 123 Euro verpasst. Das wären an die 15 Prozent Potenzial vom derzeitigen Kurs aus gerechnet. Die Gewinnschätzungen wurden leicht erhöht.

Aufpassen muss man hingegen bei der hier neulich zur Beobachtung empfohlenen Aktie des russischen Gaskonzerns Gazprom (ISIN US3682872078). Die wird durch die jüngsten Kursverluste zwar immer „billiger“ (das KGV liegt nur noch knapp über 2). Aber der von der Putin-Clique beherrschte Konzern (der wichtigste Devisenbringer des Landes) leidet extrem unter der Zuspitzung der politischen Lage. So lange sich diese nicht beruhigt, wird das Papier wohl weiter an Boden verlieren. Hier heißt es wirklich abwarten.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2014)

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