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Die kleine Biermeile am Donaukanal

Symbolbild Donaukanal
Symbolbild DonaukanalClemens Fabry
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Im Mai geht am Wiener Donaukanal das erste Craft-Bier-Fest über die Bühne.

„Wien hat dann doch mehr Zugkraft“, meint Micky Klemsch, Initiator des ersten Craft-Bier-Festes. Denn eigentlich geht die heimische Craft-Bier-Szene ja von ländlichen Brauereien aus – mit einigen Ausnahmen (siehe oben) –, während aber in Deutschland oder den USA die Wiederentdeckung der Braukunst abseits von Märzen, Pils und Zwickl ein stark städtisches Phänomen ist. „Es gab in Salzburg, Freistadt und Ried schon einmal die Ansätze, so ein Festival zu machen, aber das ist daran gescheitert, dass sich zu wenig Aussteller gefunden haben.“

Dieses Problem hat Klemsch – der auch bei dem Magazin „Biorama“ tätig ist – allerdings nicht. Gemeinsam mit Martin Voigt, der den Bierblog probier.at betreibt, und Max Wurzer vom Onlineshop mybier.at hat Klemsch das erste Craft-Bier-Fest am Wiener Donaukanal initiiert. Vom 16. bis 18. Mai treffen sich etwa 30 Brauer vorwiegend kleinerer und auch ein paar großer Brauereien, um das Ergebnis der Kunst des Bierbrauens zur Verkostung und zum Verkauf anzubieten. „In London, Berlin und Hamburg gibt es so etwas ja schon länger. Ich wollte das auch bei uns haben, also musste ich das eben selbst machen“, so Klemsch.

Gemeldet haben sich 35 Brauereien. Sieben oder acht Betrieben musste er absagen. „Da sind auch einige dabei, die wir sehr mögen, denen wir aber das Festival noch nicht zutrauen“, sagt Klemsch. Ausgewählt wurde mittels einer Blindverkostung – durch die Veranstalter und zwei externe Bierexperten. Ein größerer Sponsor steht nicht dahinter – leider, wie Klemsch angesichts der Kosten meint, allerdings bewahre das eben auch die Glaubwürdigkeit. Wobei größere Brauereien, die teilnehmen, wie etwa Stiegl oder die neun mittelständischen Brauereien, die sich zu den Culturbrauern zusammengeschlossen haben (u.a. Hirter, Murauer und Zwettler,), ihren Beitrag, wie etwa das Zurverfügungstellen eines Kühlwagens, leisten müssen.


Sour Beer nach Indien Pale Ale. Die Brauereien, die vertreten sind, reichen von der bayrischen Auxburg City Brewery über die niederösterreichische Bierzauberei oder den schottischen Brew Dog bis zur Zillertaler Brauerei. Ein Volksfest mit Blasmusik, Liveband oder Stelzen soll es bewusst nicht werden. Die Brauer präsentieren sich auf rund 25 Ständen, teilweise wird gar gemeinsam Bier gebraut. Die Besucher können um zehn Euro ein Bierglas inklusive ein paar Jetons (im Wert von einem Euro für 0,1 Liter Bier) erstehen, mit denen dann verkostet werden kann. Die Gastronomie kommt von der Adria Wien am Donaukanal, wo das Fest stattfindet. Musikalisch gibt es lediglich ein paar DJs. Für Interessierte finden eigene Vorträge und Seminare bei Biersommeliers statt.

Klemsch schätzt, dass der Craft-Bier-Trend hierzulande vor zwei, drei Jahren angekommen ist – „wobei der Begriff Craft-Bier in den letzten Monaten schon inflationär verwendet wird“. Aktuell sei nach dem Indian Pale Ale (IPA) das schwarze obergärige Stout sehr gefragt. Als nächster Trend zeichnet sich Sour Beer ab.

Auch wenn sich die Vielfalt der Biere kaum auf den Massenmarkt auswirken wird, so hinterlässt der Trend doch seine Spuren. Deutlich wird das nicht nur daran, dass auch die Großen Craft Beer machen wollen, sondern dass immer mehr Lokale auch Bierspezialiäten – gern mit Steaks und Co. – anbieten, wie etwa das für Sommer geplante Figlmüller-Lokal am Lugeck. Und im November soll schon das zweite Craft-Bier-Fest stattfinden – wenn auch indoor. Vielleicht steigt dann auch wieder die Zahl der kleinen Wiener Brauereien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2014)