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Männer, hart wie Eichenholz

Waldarbeiten mit Motorsaege
Waldarbeiten mit Motorsaegewww.BilderBox.com
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360 Grad Österreich: Im Waldviertel treffen sich an diesem Wochenende Männer aus zehn Nationen für einen sehr speziellen Wettbewerb: Sie suchen den besten Holzfäller Europas.

Wenn Armin Kugler in der Früh in Langschlag seine Kettensäge startet, fallen sie in Bruderndorf aus dem Bett. Und die Ortschaft ist drei Kilometer entfernt. „Wird a bissl laut“, warnt Armin, und zieht einmal am Starterseil. Was dann folgt, dürfte ungefähr dem Lärm entsprechen, den es beim Start eines Flugzeuges gibt – im Triebwerk.

Den Menschen hier in Langschlag westlich von Zwettl gefällt's. „Super“, meint einer mit leuchtenden Augen, als die Säge aufheult. Kuglers „Hot Saw“ ist ein Eigenbau und hat mehr PS als viele Motorräder, die auf dem Platz stehen: 64, zwar nicht ganz so viele, wie die orange KTM Duke III, aber dafür ist sie weitaus schneller. Mit etwa 240 km/h bewegt der zweckentfremdete Motor eines Schneemobils die Kette über das Schwert. Einen Baum mit 50 Zentimetern Durchmessern könnte man mit dieser Super-Stihl in etwa zwei Sekunden umsägen.

In Langschlag will man keinen Wald fällen, hier geht es an diesem Samstag nur um die Show. Die aufgemotzten Motorsägen stimmen auf einen Wettbewerb ein, der wahre Männer erfordert, hart wie Eichenholz, und den härtesten von allen auszeichnet: 42 Teilnehmer aus zehn Nationen suchen den besten Holzfäller Europas.

„Des is sicher a Spaß“, meint ein Zuschauer, als die ersten Sportler zur Säge greifen. Nur zum Teil, muss man anmerken. Denn die sieben Bewerbe, in denen sich die Teilnehmer messen, sind harte Arbeit. Die Einmann-Zug-säge etwa: Mit einer knapp zwei Meter langen Eisensäge muss ein 40 Zentimeter dicker Baumstamm durchgeschnitten werden. Armin Kugler macht das im Training recht entspannt in 25 Sekunden. Sägt man selbst, braucht man nach eineinhalb Minuten erst einmal eine Pause, bevor man den Kugelschreiber wieder halten kann.

„Angefangen hat es vor vielen Jahren als kleiner Wettbewerb von Berufsförstern“, erzählt Kurt Graf. „Seit ein paar Jahren ist es eine Europameisterschaft.“ Der Maschinenhändler organisiert die „Eurojack“ (angelehnt an das englische Wort für Holzfäller, lumberjack) in Langschlag, die zu einer höchst professionellen Veranstaltungen geworden ist. An diesem Wochenende (am heutigen Sonntag findet ab 12.30 Uhr das Finale statt) werden 7000 Besucher erwartet.

Nach Niederösterreich geht es in die Schweiz, dann nach Tschechien und Frankreich, Anfang August findet die letzte der fünf „Eurojack“-Veranstaltungen in Deutschland statt, dann steht der Europameister fest.

Armin Kugler gibt man heuer gute Chancen auf den Sieg. Der 22-jährige Forstunternehmer aus Alt-Nagelberg in Niederösterreich belegte schon einen dritten und einen fünften Platz, er ist österreichischer Staatsmeister und bei den Weltmeisterschaften kam er vergangenes Jahr auf den elften Rang. Die WM wird seit 2005 vom deutschen Motorsägenhersteller Stihl durchgeführt (Stihl Timbersports), die Sieger kamen bis vergangenes Jahr immer aus Neuseeland (2013 gewann der Australier Brad De Losa).


Baumfällen in 25 Sekunden. Ermittelt wird der Europameister nach Punkten in den einzelnen Disziplinen, die sich je nach Veranstaltungsort unterscheiden (insgesamt gibt es 17). In Langschlag ist das neben der Einmann-Zugsäge das Klettern: Der Teilnehmer muss mit Steigeisen einen zehn Meter hohen Baumstamm hochklettern, eine Glocke berühren, und dann wieder so schnell wie möglich nach unten kommen (das passiert mehr oder weniger in freiem Fall); das Axtwerfen: aus einer Distanz von 6,1 Metern wird eine Doppelaxt auf eine Zielscheibe geworfen („Das ist auch sehr gut für den Rücken und generell zur Entspannung nach der Arbeit“, meint Graf); der Standing Block: Mit einer Axt muss ein stehend befestigtes 27 Zentimeter dickes Rundholz durchgehackt werden.

Spektakulär ist das Springboard (Bild oben): Mit einer Axt schlägt der Sportler eine Kerbe in einen senkrechten Holzblock und platziert ein Trittbrett. Auf diesem Brett stehend wird eine weitere Kerbe in den Baum gehackt und ein zweites Brett gesetzt. Auf dem, in etwa zwei Metern Höhe, muss der Holzfäller möglichst schnell einen Block mit der Axt durchschlagen.

Beim Liegend-Schroten wird ein 30 Zentimeter dicker Stamm durchgehackt, die Spitzenzeiten liegen bei 20, 25 Sekunden. Nur einmal kommen die Kettensägen (beim „Eurojack“ keine Stihls, sondern Husqvarnas) zum Einsatz, und dann nicht sehr martialisch, sondern mit viel Feingefühl: Beim Scheibensägen muss der Sportler nämlich von einem völlig frei stehenden stehenden, zehn Zentimeter dicken Rundling in möglichst kurzer Zeit 20 Scheiben abschneiden. Der Rundling darf weder mit den Händen noch mit dem Körper gestützt werden.

„Wie viele Finger und Zehen verliert man in einem Wettbewerbsjahr?“, will einer wissen. „Passiert is no nie was Gröberes“, sagt Kugler. Kurt Graf fiel einmal vom Springboard und musste ins Krankenhaus, aber „des passt schon wieder“, sagt der 50-Jährige. „Nicht jammern“ ist eine Disziplin, die mit dem Sport kommt.

Zur Person

Armin Kugler ist amtierender Staatsmeister im Sportholzfällen. Bei Europameisterschaften belegte der Niederösterreich bisher einen dritten und einen fünften Platz, bei der Weltmeisterschaft 2013 (Stihl Timbersports) kam er auf Rang elf.

Der 22-Jährige ist selbstständig als landwirtschaftlicher Facharbeiter in Alt-Nagelberg im Waldviertel tätig, er macht unter anderem Holzschlägerungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2014)