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„Standard“: Die Sparwelle ist angerollt

(c) Die Presse (FABRY Clemens)
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Bis zu 120 Mitarbeiter sollen beim Sparen helfen. Kündigungen gibt es keine, so Geschäftsführer Bergmann.

Eine Stunde lang stand Oscar Bronner am Ostermontag in André Hellers TV-Sendung „Menschenkinder“ Rede und Antwort. Er erzählte von der Kindheit in Palästina und Wien, der Gründung von „Trend“ und „Profil“ und seiner Zeit in New York. Kein Wort aber über die aktuelle Lage im „Standard“, dabei würde die durchaus Gesprächsstoff bieten. Anfang März gaben er und die Geschäftsführung intern bekannt, dass sinkende Umsätze ein Sparpaket notwendig machten. Seither wurden in allen Abteilungen Gespräche geführt, aber weder ex- noch intern Kündigungszahlen kommuniziert.

Schon am 21. Februar ging beim AMS eine Frühwarnmeldung für 25 Kündigungen ein. Neun Wochen später sagt Geschäftsführer Wolfgang Bergmann zur „Presse“: „Es gibt bis dato keine einzige Kündigung seitens des Dienstgebers.“ Das Sparprogramm setze sich „aus Nichtnachbesetzung von Pensionierungen oder Karenzierungen, Vereinbarung von Altersteilzeiten und individuellen vertraglichen Veränderungen zusammen“. Intern hört man, dass insgesamt 120 Verträge „individuell“ geändert oder im Einvernehmen aufgelöst wurden bzw. werden. Eine Zahl, die Bergmann auf Nachfrage nicht kommentiert. Intern heißt es weiter: Vor allem mit langjährigen Mitarbeitern seien neue Verträge verhandelt worden, das habe mitunter Gehaltskürzungen bis zu 25 Prozent zur Folge. So sollen Redakteure ihr bisheriges Dienstverhältnis zum „Standard“ beenden und – bei unveränderter Tätigkeit – im Anschluss zu den Bedingungen des seit 2013 geltenden, schlechteren Kollektivvertrags weiterarbeiten. Dies allerdings erst nach einer mindestens 13-wöchigen Pause. Denn nur so lassen sich die Übergangsbestimmungen des KV ausschalten. Das könnte in den kommenden Monaten zu personellen Engpässen führen.

Mitarbeiter 2013 auf Höchststand

Vertragsänderungswellen wie diese hat der „Standard“ in den vergangenen 15 Jahren immer wieder erlebt. So groß wie jetzt waren sie aber noch nie. Bergmann betont, wie stark gewachsen die Standard-Gruppe in jüngster Zeit sei. Mit 430 Angestellten habe man 2013 den Höchststand erreicht (2000 waren es nur 230). Im Vorjahr wurden 23 freie oder pauschalierte Mitarbeiter im neuen Journalisten-KV angestellt, 66 wechselten aus anderen Kollektivverträgen dorthin. Mit dem Betriebsrat sei ein Sozialplan für einvernehmliche Auflösungen vereinbart. Trotz des Kostensenkungsprogramms wolle man die Wochenendausgabe aufwerten und das Kleinformat „Standard Kompakt“ regulär im Abonnement anbieten. (awa)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2014)